Platzt aus allen Nähten: die Stadtbibliothek Bretten. Darum gibt es schon lange Überlegungen, sie zu erweitern oder eine ganz neue Mediathek zu bauen.
Platzt aus allen Nähten: die Stadtbibliothek Bretten. Darum gibt es schon lange Überlegungen, sie zu erweitern oder eine ganz neue Mediathek zu bauen. | Foto: BNN

Neue Mediathek in Bretten

Lieber klotzen statt kleckern

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Wie soll sie aussehen – die neue Mediathek der Stadt Bretten? Und kommt sie überhaupt? Noch ist nichts zu diesem Thema in trockenen Tüchern. Aber Wünsche zu äußern, ist ja nicht verboten. So haben einige Fraktionen im Brettener Gemeinderat in ihren Haushaltsreden schon mal formuliert, wie sie sich das künftige Medienzentrum der Großen Kreisstadt vorstellen.

Am deutlichsten wird dabei die FDP: Sie bekundet, dass auf dem östlichen Teil des Sporgassenparkplatz im zweiten Bauabschnitt auf jedenfalls eine Mediathek gebaut werden sollte. Denn die bestehende Stadtbibliothek sei längst zu klein und hätte ohnehin eine Sanierung notwendig.
Doch statt zu kleckern wollen die Liberalen lieber klotzen: Man sei der Überzeugung, dass das Konzept einer Mediathek zeitgemäß umgesetzt und in größeren Maßstäben gedacht werden müsse, hatte Jan Elskamp, der Sprecher der FDP, bekundet. Denn in Zeiten der Digitalisierung tauge ein Medienzentrum nur dann als Treffpunkt und Frequenzbringer, wenn dort der Zugang zu digitalen Medien ebenso geboten wird wie kulturell Veranstaltungen, Konzerte, Lesungen, Kunstausstellungen und dergleichen mehr.

Treffpunkt und Frequenzbringer

„Die FDP macht sich daher für einen angemessenen Veranstaltungssaal in der neuen Mediathek stark – einen Raum, der mehr Menschen fasst, als der Bürgersaal im Alten Rathaus und weniger als die Stadtparkhalle“, heißt es. Mit solchen Kapazitäten wäre die Einrichtung mehr als nur die neue Bücherei: Die Mediathek könnte zum kulturellen Herzen unserer Stadt werden, wo Kunst, Literatur, digitale Medien und Bildungsangebote eine Heimat finden.

Idyllisch gelegen, aber viel zu klein: die Stadtbibliothek Bretten in der Unteren Kirchgasse.
Idyllisch gelegen, aber viel zu klein: die Stadtbibliothek Bretten in der Unteren Kirchgasse. | Foto: Rebel

„Wir sehen einerseits die bestehende Stadtbücherei, die eine sehr gute Arbeit macht und viel Publikum erreicht, aber im historischen Gebäude aus allen Nähten platzt“, führte Otto Mandörfer, Sprecher der Grünen zur Sache aus. Auf der anderen Seite sei klar, dass auf dem Sporgassenareal kein Einzelhandel zu realisieren sei. Aus diesen Gründen sei dort eine Mediathek mit einem Veranstaltungsraum für rund 200 Beucher gut platziert. Über die Finanzierung macht sich Mansdörfer noch keine Gedanken: „Erst müssen wir wissen, was wir wollen, dann werden wir sehen, wie wir das bezahlen“, sagt er.

Frage der Zufahrt entscheidend

Auch die CDU findet die Einrichtung einer Mediathek auf dem Sporgassenareal gut. „Da sind sich meines Wissens sogar alle Fraktionen einig, so eine Einrichtung mit modernen Medien und einem größeren Veranstaltungsraum auch als Begegnungsstätte zu installieren“, sagt Aaron Treut, der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten. Für die CDU sei allerdings außerordentlich wichtig, dass die Frage der Zufahrt geklärt sei. Dazu soll es demnächst einen Vorschlag des Brettener Bauamts geben.
Etwas bescheidener nehmen sich dagegen die Vorstellungen der SPD aus: Die Sozialdemokraten wünschen sich lediglich eine Mediathek mit mehreren Veranstaltungsräumen.

Anderer Standort denkbar

Auch für die Freien Wähler ist klar, dass eine Erweiterung der Stadtbibliothek in ihrem denkmalgeschützten Gebäude kaum realisierbar ist. Man können sich eine neu Unterbringung auf dem Sporgassenareal oder auch im alten Landmesser-Haus vorstellen, war vom Fraktionssprecher Bernhard Brenner zu erfahren. Unabhängig vom Standort denkt man bei der FWV an eine moderne Bücherei mit digitalen Angeboten und einem Veranstaltungsraum mittlerer Größe, zentral gelegen und gut erreichbar. Das gleiche Bild bei den Aktiven: Auch sie sehen den Platzbedarf, der am jetzigen Standort nicht zu schaffen sei und wünschen eine Einrichtung, die auch die Neuen Medien einbezieht und Platz für Veranstaltungen und Begegnungen bietet.

Kategorie Wunschdenken

Brettens Oberbürgermeister drückt indes in Sachen Mediathek etwas auf die Bremse: „Das gehört derzeit alles in die Kategorie Wunschdenken“, erklärt Martin Wolff, der hinter all den vorgeschlagenen Ideen das beliebte Spiel „Wer hat’s erfunden?“ vermutet. Ein Grundkonzept, geschweige denn Planungen gebe es dazu noch nicht. Im Spätjahr werde man zusammen mit dem Gemeinderat Ideen sammeln. Doch jetzt stehe zunächst einmal die Umsetzung des ersten Bauabschnitts bevor.

„Wir denken größer“

„Es gibt ja schon Veranstaltungsräume mit rund 200 Plätzen“, gibt Wolff zu bedenken und verweist etwa auf das Bernhardushaus. Und auch im neuen Bronnerbau des Melanchthon-Gymnasiums werde ein Veranstaltungsraum der gewünschten Größenordnung gebaut, der für städtische Kulturveranstaltungen genutzt werden könne.
Doch so ganz aus der Welt ist auch für das Brettener Stadtoberhaupt der Gedanke einer neuen, modernen Mediathek nicht. Auf die Frage, ob er sich so eine Mediathek wie sie in Oberderdingen eingerichtet wurde, vorstellen könne, antwortet Wolff: „Oberderdingen ist kein Maßstab für uns, wir denken etwas größer“.