Sie lieben Lesefutter: Der Literaturtreff Bretten lockt seit zehn Jahren schon einmal monatlich Bücherfans in die Stadtbücherei Bretten.
Sie lieben Lesefutter: Der Literaturtreff Bretten lockt seit zehn Jahren schon einmal monatlich Bücherfans in die Stadtbücherei Bretten. | Foto: Thienes

Buch mit Bezug zu SEW Bruchsal

Literaturtreff Bretten besteht bereits seit zehn Jahren

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Buch oder Hörbuch? Thriller oder Liebesroman? Im Literaturtreff Bretten streiten und einigen sich  Bücherfans munter über ihre Vorlieben. Und das schon seit zehn Jahren. Dieses Mal war auch ein Buch mit Bezug zur SEW Bruchsal dabei.

„Hier bin ich auf Bücher gestoßen, die ich nie selbst ausgesucht hätte.“ Anne Merz freut sich über die Horizonterweiterung, die ihr der Literaturtreff Bretten biete. Zustimmendes Nicken bei einigen der 15 weiteren Teilnehmer. Anne Merz ist Gründungsmitglied und nach längerer Pause anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Literaturtreffs wieder in die Stadtbücherei gekommen.

Hoffnung auf baldigen Umzug in neues Gebäude

Treppen sind für Seniorin Anne Merz inzwischen beschwerlich. Anette Giesche, Leiterin der Stadtbücherei, antwortet, man hoffe, bald in ein neues Gebäude ziehen zu können. Doch dann läutet sie das Geschehen ein.

Es stehen viele Neuerscheinungen zur Besprechung an. Zuvor aber haben Teilnehmer Kritiken vorbereitet. „Das hätte er bleiben lassen sollen“, steigt Ladislaus Kahn deutlich ein. Er bespricht „Gier“ von Marc Elsberg. „Was als Gesellschaftskritik gedacht war, verkommt hier zum Krimi.“ Er kann das Werk, anders als den Vorgänger des Autors, „Blackout“, nicht empfehlen.

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Teilnehmer differenzieren beim Umgang mit Medien

Empfehlen kann Anette Giesche dagegen Neue Medien in der Stadtbücherei. Sie holt sogenannte Mobi-Hörsticks aus dem Regal. Die USB-Sticks enthalten oft mehrere Bände – ob Shakespeare für Kinder oder bayerisch-humorige Storys von Rita Falk.

Und apropos Neue Medien: Es biete sich an, Werke wie „Die Kathedrale der Meere“ mit über 600 Seiten auf dem digitalen Tolino zu lesen, da sind sich Wilma Gehlhaar und Anette Giesche einig.

 

Hörbücher, auch das stößt auf Zustimmung, eignen sich bestens, um etwas nebenher zu tun, zum Beispiel bügeln. „Bei Hörbüchern kommt es allerdings sehr auf den Sprecher an“, betont Helga Fiedler. Auch sie ist seit zehn Jahren dabei und Gründungsmitglied wie Oda Ertz. Hélène Boos war die Initiatorin, erinnert Anette Giesche.

Man kann besser begreifen, was man in der Hand hat

Ladislaus Kahn, Teilnehmer im Brettener Literaturtreff

„Aber“, gibt Kahn zu Hörbüchern bedenken, „ein Buch kann man doch besser begreifen, wenn man es in der Hand hält.“ Giesche verweist auf Studien, nach denen man besser behalte, was man auf Print wahrnehme. Der Literaturtreff findet einmal monatlich statt, immer am Donnerstagvormittag ab 10 Uhr in der Stadtbücherei Bretten.

Und so mag es beispielhaft sein, was Heide Lampart sagt. Sie wurde von Elke Landes eingeladen, kam aber trotz Interesses erst mit Renteneintritt zum Literaturtreff. „Dann hatte ich Zeit.“

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Was nachwirkt und hängen bleibt

Die Runde genießt den Austausch. Man will Lesefutter finden und Neuigkeiten diskutieren. Man tauscht sich aus, wie viel Zeit Bücher bekommen, um einen zu fesseln. Sie lese heute nicht mehr alles zu Ende, sagt Waltraud Oberhettinger und einige benennen Bücher, die nachwirken, lange hängen bleiben.

„Drei“ von Dror Mischani sei so eines, wirft Heike Krapohl ein. „Adressat unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor ein anderes. In einer szenischen Lesung spiele das Teatro Gillardo das Stück unter dem Titel „Empfänger unbekannt“ am 27. Februar in der Stadtbücherei, so Giesche.

Sie reicht die Liste der Neuerscheinungen weiter. Und im gegenzug für diese Kopien fallen Groschen klimpernd ins Sparschwein auf dem Tisch.

Berührend und irre, einfach toll

Heike Krapohl, Teilnehmerin des Literaturtreffs Bretten zu einem Lieblingswerk

Ob tragische Familiengeschichte, Science Fiction oder Thriller, ob ergreifende Liebesgeschichte oder Philosophisches: Die Bandbreite ist groß. Nicht alles ist etwas für „einen schwachen Magen.“ Bibliothekarin Sabrina Urbanczyk legte „Das Mädchen Jannie“, das neue Werk von Petra Hammesfahr, wieder weg. „Zu brutal für mich“.

Da geht ein Raunen durch die Runde. Wenn das schon auf Sabrina Frau zutreffe, die sonst nicht zimperlich sei und gerne auch härtere Lektüre lese, dann sei dieses Buch wohl „eher nichts für mich“, ist mehrfach zu hören.

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Regio-Krimi mit Bezug nach Bruchsal

Ihre Kollegin Ute Prüfer stellt historische Romane aus der NS-Zeit vor. „Traurig, berührend und irre, wirklich toll“ findet Heike Krapohl, sei „Archiv der verlorenen Kinder“ von Valeria Luiselli.  Heike Krapohl: „Und sie ist eine noch so junge Autorin!“

Manche in der Runde notieren, welches Buch sie mitnehmen wollen. Chancen haben wohl der neue Regio-Krimi Wolfgang Burger wegen Heimatbezugs. Es geht auch um eine Verstrickung der Bruchsaler SEW. Oder Bruno Preisendörfers „Als die Musik in Deutschland spielte“.

Er entführt in die Bachzeit und kommt auf Einladung des Brettener Vereins für Stadt- und Regionalgeschichte zum Vortrag in die Melanchthonstadt, am 5. Mai, informiert Anette Giesche.