Kräftig ins Horn gestoßen haben die Blechbläser beim Dreikönigskonzert des Sinfonischen Jugendblasorchesters Karlsruhe in Bruchsal. | Foto: Martin Stock

Dreikönigskonzert in Bruchsal

Mit Posaunen und Trompeten durch Londons Nebel

Von Martin Stock

Mächtige Klänge der Basstuba, des Eufoniums oder der Kontrabassklarinette, helle Töne von zierlichen Flöten, treibender Rhythmus des Schlagwerks vom Gong und der großen Pauke bis zur rasselnden Trommel, Soli von Saxofon, Trompete oder Posaune, kräftige Hörner, warme Klänge von Kontrabass und Cello, zarte von der Harfe – all das und noch viel mehr war beim 41. Dreikönigskonzert des Sinfonischen Jugendblasorchesters Karlsruhe (SJBO) unter der Leitung von Stefan Kollmann im Bruchsaler Bürgerzentrum zu hören.

Unter dem Motto „Stadt, Land, Fluss“

Zum wiederholten Mal begeisterten die rund 70 jungen Musikerinnen und Musiker ihre Zuhörer mit ihrem Konzert. Es stand unter dem Motto „Stadt, Land, Fluss“. „Reiseführer“ waren charmant und kreativ die Moderatoren Lisa Reiff und Christoph Lukas, die auf die Charakteristika der einzelnen Stücke hinwiesen. Die Reise führte zunächst nach London mit „Portrait of a City“ von Philipp Sparke, dann nach Lateinamerika mit Danzón No. 2 von Arturo Marquez, der „lateinamerikanischen Version von ,Dirty Dancing’“, wie die Moderatoren sagten. Mit dem Werk „Amazonia“ von Jan van der Roost folgte man dem gewaltigen Strom von der Quelle zum Meer und mit George Gershwin reiste man nach Paris. Zum Abschluss war das Orchester wieder zu Hause mit der „Badischen Ouvertüre“, die Guido Rennert eigens für das SJBO geschrieben hatte. Aufgeführt wurde es zusammen mit den „Frohsinn“-Chören aus Jockgrim und Kirrlach unter der Leitung von Richard Trares.

Als Zugabe „Sound of Ireland“

Die jungen Musiker leisteten Großartiges bei dieser musikalischen Reise und wurden am Schluss mit stehenden Ovationen gefeiert. Als besonderes „Schmankerl“ hatten sie für die Zugabe noch das Stück „Sound of Ireland“ ausgewählt, ebenfalls von Guido Rennert, mit Variationen zu „Auld Lang Syne“, mit einem Eufonium-Solo von Moritz Mildenberger und einem furiosen Rhythmus-Teil der Schlagwerk-Gruppe mit kleinen Hämmerchen und hölzernen Sticks.

Intensive Stimmungen

Es gelang Stefan Kollmann als Dirigent mit seinem großen Orchester durch die vielen verschiedenen Instrumente sehr intensive Stimmungen hervorzurufen, etwa wenn die Sonne mit Posaunen und Trompeten durch den Londoner Nebel dringt – von Moll zu Dur, wenn Downtown London zum Leben erwacht mit dem rasanten Rhythmus der Schlagzeuggruppe und swingender Melodieführung, wenn mit der Pikkoloflöte exotische Vögel am Amazonas zu hören sind oder der „Amerikaner in Paris“ mit Swing und Jazz über Avenuen schlendert. Die Badische Ouvertüre spiegelt Leben und Landschaft Badens wieder mit seiner Beschaulichkeit und Geschäftigkeit. Dabei geht Kollmann in der Musik auf. Er tanzt fast mit bei Salsa und Swing. Er fängt den Klang des Orchesters wie einen Ball mit den Händen auf und gibt ihn wieder zurück. Dabei hat er eine souveräne Art zu dirigieren, die der Jugend ihren Lauf lässt, aber gleichzeitig die Richtung weist.
Dies ist sicher eine Wurzel des Erfolges des SJBO in den vergangenen Jahren. Die andere Wurzel ist die Qualität des Orchesters, die sich stetig weiter entwickelt hat, sowie die Selbstständigkeit und Kreativität der Musikerinnen und Musiker, worauf Michael Weber, Präsident des Blasmusikverbands Karlsruhe in seiner Begrüßung ausdrücklich hingewiesen hatte.