Welche Verkehrsströme fließen durch Bretten? Diese Bestandsaufnahme gehört zu den Voraussetzungen für die Entwicklung eines tragfähigen Verkehrskonzepts.
Welche Verkehrsströme fließen durch Bretten? Diese Bestandsaufnahme gehört zu den Voraussetzungen für die Entwicklung eines tragfähigen Verkehrskonzepts. | Foto: Rebel

Auftaktveranstaltung

Mobilitätskonzept für Bretten: Viele Vorschläge für eine bessere Verkehrssituation

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Auf große Resonanz stieß die Auftaktveranstaltung für die Entwicklung eines Mobilitätskonzepts für die Stadt Bretten. Rund 150 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren ins Hallensportzentrum Im Grüner gekommen, um mitzureden. Die Bürgerbeteiligung war ausdrücklich erwünscht, ja sogar das Herzstück der Veranstaltung.

An drei sogenannten Marktständen hatten sie die Möglichkeit, ihren Unmut über aktuelle Missstände, Kritik an neuralgischen Punkten, aber auch Ideen und Vorschläge einzubringen, wie die Verkehrssituation der Melanchthonstadt für alle Beteiligten besser werden könnte.

Abartige Radwegeführung

„Das vorhandene Radwegenetz ist überhaupt nicht alltagstauglich“, monierte ein passionierter Radfahrer. Man komme von Knittlingen in Bretten an und dann gehe es irgendwann nicht weiter. „Man kommt auch ganz schwer nach Dürrenbüchig oder Bauerbach“, bekundete ein Leidensgenosse. Nach Königsbach-Stein komme man nur auf der Landstraße, über Bretten hinaus werde es schwierig. In der Kernstadt sei die Radwegeführung abartig, und am ovalen „Todeskreisel“ müsse man permanent Glasscherben ausweichen, monierte ein anderer Teilnehmer.

Kreuzung am Alexanderplatz eine Katastrophe für Fußgänger

Nicht minder heftig fiel die Kritik der Fußgänger aus. Bei den großen Altenzentren sei der Weg für Senioren mit Rollatoren mitunter halsbrecherisch, die Infrastruktur dort hinke der Entwicklung weit hinterher. Gepflasterte Rampen täten ein Übriges. „In der Innenstadt ist auf bestimmten Gehwegen zwischen Hauswand und geparkten Autos oft kein Platz mehr, um mit einem Kinderwagen durchzukommen“, monierte ein Familienvater. Und auch die Kreuzung am Alexanderplatz sei eine Katastrophe für Fußgänger.

Engagiert diskutiert wurde an den drei Marktständen, die bei der Auftaktveranstaltung zur Entwicklung eines Mobilitätskonzepts der Stadt Bretten angeboten wurden. Alle Kritikpunkte und Vorschläge wurden gesammelt und an Pinwände geheftet. Ausgewertet werden sie von der Planersocietät, die den Prozess begleitet, und dem bunt zusammengesetzten Projektbeirat.
Engagiert diskutiert wurde an den drei Marktständen, die bei der Auftaktveranstaltung zur Entwicklung eines Mobilitätskonzepts der Stadt Bretten angeboten wurden. Alle Kritikpunkte und Vorschläge wurden gesammelt und an Pinwände geheftet. Ausgewertet werden sie von der Planersocietät, die den Prozess begleitet, und dem bunt zusammengesetzten Projektbeirat. | Foto: Rebel

Ihr Fett bekamen auch die Betreiber des Öffentlichen Nahverkehrs ab. Zu unzuverlässig und dazu schlecht abgestimmt seien die Angebote, von der mangelnden Barrierefreiheit am Brettener Bahnhof ganz zu schweigen. Einmal mehr klagte eine Oma über die Odyssee, die sie überstehen muss, um mit Enkeln und Kinderwagen von Diedelsheim in die Stadt zu kommen.

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Autofahrer fühlen sich benachteiligt

Auf der anderen Seite gab es aber auch die besorgte Stimme der Autofahrer, die sich angesichts der vehementen Kritik ins Hintertreffen gedrängt fühlten und auf eine Gleichberechtigung der Verkehrsmittel pochten. Was wiederum die Radfahrer und Fußgänger aufbrachte, die seit Jahrzehnten von einer solchen Gleichberechtigung nur träumen.

Stärken- und Schwächentabelle

Die Kritik war übrigens durchaus erwünscht. An den Marktständen hatten jeweils Mitarbeiter der Planersocietät, die im Auftrag der Stadt die Entwicklung des Mobilitätskonzept voranbringt und moderiert, ein offenes Ohr. Sämtlich Punkte wurden notiert und an die Pinwand geheftet. Etliche der monierten Punkte hatten die Mitarbeiter der Societät bei ihren Voruntersuchungen und einer Bürgerbefragung bereits ermittelt und in einer Stärken- und Schwächentabelle aufgelistet. Die wurde nun um die Einwürfe der Bürger ergänzt.

Konzept soll weiterentwickelt werden

Es gehe um eine zukunftsfähige Verteilung des Verkehrsraums, der ja nicht beliebig erweitert werden könne, hatte Brettens OB Martin Wolff eingangs gesagt. Dass an diesem Abend nur Vorschläge gesammelt, es aber noch kein Ergebnis geben werde, betonte Projektleiter Karl Velte vom Stadtbauamt. Doch alle Eingaben sollen in die weitere Diskussion einfließen, auch eine Online-Beteiligung sei möglich. Im Projektbeirat und in weiteren Bürgerforen sollen das Konzept weiterentwickelt werden, Zwischenergebnisse sollen transparent kommuniziert werden. Am Ende stehen konkrete Maßnahmen, die der Gemeinderat beschließen soll.

Aufschlussreich fiel die Befragung der Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung aus: 20 waren nach eigenem bekunden mit dem Fahrrad gekommen, zwei mit der Bahn und 16 zu Fuß. 60 nutzen ihr Auto, nur einer kam mit dem E-Auto.

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