Großes Publikum: Über die Hälfte der rund 80 Bewohner des Altenpflegeheims nutzten die Gelegenheit, Thomas Rothfuß live zu sehen und zu hören. | Foto: Fritz

Konzert im Pflegeheim

Musiker Thomas Rothfuß bringt Senioren in Bretten zum Aufblühen

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Zu den Einrichtungen, die vom Corona-Lockdown besonders betroffen waren, zählten Altenheime – und ihre Bewohner. Vorerst scheint die Talsohle durchschritten, doch die Folgen wirken nach – auch im evangelischen Altenpflegeheim Bretten. Richtig zum Aufblühen brachte dessen Bewohner nun der Musiker Thomas Rothfuß.

Von Michael Fritz 

„Jetzt kommen die lustigen Tage“, schmettert Thomas Rothfuß fröhlich ins Mikrofon und „Schätzel ade“, schallt es ihm vielstimmig entgegen. Gleich mit dem ersten Lied hat Rothfuß sein Publikum auf seiner Seite, höchste Aufmerksamkeit ist ihm sicher.

Sein Publikum ist die Bewohnerschaft des evangelischen Altenpflegeheims in Bretten. „Guten Tag, Frau Krüger“, grüßt Rothfuß hinauf zum Balkon im dritten Stock. Der gebürtige Brettener und Mitbegründer der Volksmusikgruppe „Die Schäfer“ ist hier wohl bekannt und kennt selbst auch viele der Bewohner.

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Musiker stammt gebürtig aus Bretten

Zu den Zuhörern, die unmittelbar im Innenhof Platz genommen haben, kommen noch zahlreiche weitere dazu, die von den Balkonen rund herum oder aus den geöffneten Fenstern den Liedern des gebürtigen Brettener Musikers lauschen.

Mitten im Publikum ist auch Beate Ammann, die schon seit 38 Jahren in der Altenpflege tätig ist. Sie singt mit, schunkelt und animiert die Senioren, es ihr gleich zu tun. „Die Menschen leben richtig auf, das sieht man“, freut sie sich mit ihren Schützlingen. „Wir sind froh, dass Thomas Rothfuß heute hier ist.“

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Ihre Kollegin Annette Lechauer pflichtet ihr bei. „Unsere Bewohner lieben Musik, das könnte jede Woche so sein. Gerade jetzt, wo wir so lange die Corona-Beschränkungen hatten, ist Abwechslung sehr willkommen.“

Schlager, Evergreens und kleine Geschichten

Derweil geht es mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder „Butterfly“ eifrig weiter im Takt. Rothfuß versteht es, seine Mischung aus Volksliedern, Schlagern und Evergreens mit kleinen Geschichten zu den Interpreten, zur damaligen Zeit oder seiner Kindheit im Hausertal zu verbinden.

Rothfuß, der gewöhnlich rund 250 Termine pro Jahr in ganz Deutschland absolviert, war selbst vom Lockdown stark getroffen. „Seit März fast keine Auftritte, das hat mich schwer gebeutelt“, bekennt er. „Klar, die staatliche Soforthilfe hat etwas überbrückt, aber der Kontakt mit den Menschen, das hat mir arg gefehlt.“

Das Konzert in Bretten war bereits der dritte Auftritt von Rothfuß binnen einer Woche. Zuvor war er in Wittenberg im Einsatz, wo er jedes Jahr bei Luthers Hochzeit auftritt, dem größten Stadtfest Mitteldeutschlands.

Schwere Zeiten für Senioren – und für Musiker

Obwohl das Fest in diesem Jahr coronabedingt abgesagt wurde, spielte er seine Lieder in zwei Wittenberger Pflegeheimen. „Weine nicht, kleine Eva“ von den Flippers, „Ein bisschen Frieden“ von Nicole, Hits von Bernd Clüver, Chris Roberts oder Freddy Quinn, die Brettener Senioren sind erstaunlich textsicher. „Ich habe je nach Zielgruppe verschiedene Musikprogramme parat, lese aber auch aus meinen Büchern oder erzähle gerne Geschichten“, sagt Rothfuß, der auch auf Schiffen für Unterhaltung sorgt, aber nicht in diesem Jahr – zwei Kreuzfahrten sind schon abgesagt.

Auch sein neuestes Schlagerprojekt „Akustik-Box“, das er gemeinsam mit Stefan „Wuki“ Wukowitsch, einem in Bretten ebenfalls bekannten Musiker, gestartet hat, wurde erst einmal zum Corona-Opfer. „Wir wollten die Akustik-Box bei Bretten Live präsentieren, mussten aber auch dies auf 2021 verschieben.“ Mittlerweile geht der musikalische Frühschoppen mit „Aber Dich, gibt’s nur einmal für mich“ seinem Ende entgegen. Viel Applaus von den Rängen drückt die Freude der Senioren über dieses Konzert aus.