Weit gediehen ist der Neubau der Rechbergklinik Bretten. Die Eröffnung ist für März 2019 geplant. | Foto: Kuld

Bauprojekt kommt gut voran

Neue Rechbergklinik Bretten startet im März 2019

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Geht doch. Ein öffentliches Bauvorhaben bleibt im Kostenrahmen. Beispiel: Neubau der Rechbergklinik in Bretten. 50 Millionen Euro sollte sie kosten, 50 Millionen wird sie gekostet haben, wenn sie – nach einem knappen Jahr Zeitverzug – im März in Betrieb gehen wird.

Baustellenbesichtigung

Landrat Christoph Schnaudigel zeigte sich bei einem Baustellenbesuch am Dienstag aus mehreren Gründen sehr zufrieden. Nicht nur, dass die Kosten nicht ausgeufert sind, sondern auch wegen der Situation auf dem Baugrund: Das Krankenhausprojekt mit 120 Betten ist im Inneren ebenfalls so weit gediehen, dass die Fertigstellung über den Jahreswechsel problemlos möglich erscheint. Lothar Laier, der Leiter des Facility Managements bei den Kliniken des Landkreises, sieht alles im grünen Bereich. „Kostenmäßig erleben wir keine Überraschung mehr, da alle Gewerke vergeben sind“, sagt er und ergänzt mit Blick auf die noch zu erledigenden Arbeiten, „dass alles, was kompliziert ist, erledigt ist“.

50-Millionen-Projekt

Der Neubau, der neben der alten Klinik aus den 1960er Jahren entsteht, fügt sich gut in die Umgebung ein. Ist das neue Gebäude erst eröffnet, geht es an den Abbruch des Altbaus. Dazwischen wird ein Gebäudeteil aufgestockt und ein Ärztehaus aufnehmen. Landrat Schnaudigel erinnert beim Rundgang zwischen Funktionsräumen, Operationssälen und Patientenzimmern an die schwierigen Diskussionen im Kreistag, bevor der Neubaubeschluss mit großer Mehrheit gefasst wurde. „Insgesamt wurde damals ein Paket mit 150 Millionen Euro geschnürt“, ergänzt er, „50 Millionen für das Projekt in Bretten, 100 Millionen für die umfassende Sanierung am Krankenhaus Bruchsal.“

Viel Licht

Die neue Rechbergklinik, die das Land mit 28 Millionen Euro fördert, besteht aus nur einem Gebäudekörper. Dieser ist auf der Seite der Funktionsräume zwei-, auf der Seite der Patientenstationen vierstöckig. Zwischen beiden Teilen sorgt eine gläserne „Magistrale“ für viel Licht. Überhaupt ist Helligkeit dominierendes Thema der Architektur in Bretten – die Fenster der Patientenzimmer sind tiefer gezogen als üblich, so dass der Kranke aus dem Fenster hinaus in die Kraichgaulandschaft sehen kann. Auch in die drei OP-Säle flutet Licht.

Klinik der kurzen Wege

Der Aufbau des neuen Hauses macht einen klar strukturierten Eindruck, der das Bemühen um „optimierte Prozesse“, wie es der Landrat formuliert, abbildet: kurze Wege, weitgehende Digitalisierung. Die kurzen Wege finden vor allem bei der zentralen Notaufnahme, die mit der Notarztpraxis verknüpft ist, und in den Untersuchungsräumen ihren Niederschlag. Das Bemühen, mit möglichst wenig Papier auszukommen, ist nicht neu, wird aber in der technischen Ausstattung des Hauses vorangetrieben. Zum Beweis zeigt Lothar Laier auf eine noch offene Decke und einen dort verlaufenden dicken Strang gelber Kabel: „Die sind für die Daten“, sagt er.

Viele Detaillösungen

Allerdings sieht man die Kabel nur noch an sehr wenigen Stellen. Die Arbeiten an den Decken sind auf den Fluren weitestgehend abgeschlossen, und auch die Elektriker haben schon viel geleistet. Zu den Detaillösungen zählen die Handläufe auf den Patientenstationen. Wo andernorts Holz üblich war, ist heute – noch in der Schutzfolie – Edelstahl angebracht. „Das wird nicht so angeschrammt, hält also länger“, so Laier.

Durchgehend Nasszellen

Ein besonderes Erlebnis bietet der Gang aufs Dach, auf dem die Kühlanlage steht – von oben bietet sich ein weiter Blick in die Region. Die Anlage hat es in sich, denn in den Patientenzimmern werden im Sommer mittels „Bauteilaktivierung“ durch diese Technik die Temperaturen gesenkt, im Winter wird auf diesem Wege geheizt. Zu den Standards des Neubaus zählen Toiletten und Nasszellen in jedem Zimmer, die rollstuhlgerecht geplant wurden und barrierefrei zugänglich sind.

Campus verändert sich

Rund um das eigentliche Klinikgebäude wird sich in den kommenden Jahren das Ensemble ändern. Das alte Krankenhaus wird abgerissen, das neue Ärztehaus aufgestockt. Auf dem Gelände des Schwesternwohnheims, das ebenfalls weg kommt, ist Wohnen geplant. Im weiteren soll auf dem Rechberg-Campus ein Pflegeheim besonderen Zuschnitts entstehen – bis das Areal komplett überbaut ist, dürften noch über fünf Jahre vergehen, auch wenn die Planungen der unterschiedlichen Bauherren schon angelaufen sind.

Umzug mit Patienten

Wie geht das mit dem Umzug? Das neue Gebäude wird zu über 95 Prozent neu ausgestattet. Nur wenig Material wird mitgenommen. Wenn es im frühen neuen Jahr soweit ist, wird die Belegung der Rechbergklinik so gesteuert, das sie am Tag X nicht voll ist. „Wir ziehen mit vielleicht 60, 70 Patienten um“, sagt Laier. Das werde gut vorbereitet.