Muskelkraft und Eigengewicht: Der Sulzfelder Frank Leuchtenberger braucht beim Calisthenics-Training nicht viel.
Muskelkraft und Eigengewicht: Der Sulzfelder Frank Leuchtenberger braucht beim Calisthenics-Training nicht viel. | Foto: BNN

Lieber Stange als Rollator

Neue Sportart Calisthenics ist im Kraichgau auf dem Vormarsch

Anzeige

 „Calisthenics“ heißt eine Trendsportart, die in den vergangenen Jahren weltweit immer größeren Zuspruch erfährt. Ein Grund dafür ist, dass man für diese sportliche Betätigung nicht viel mehr braucht, als eine Stange. Nur mit Muskelkraft wird unter freiem Himmel trainiert – die moderne Variante der klassischen Trimm-dich-Pfade. Statt wuchtiger Hanteln und aufwendiger Gerätschaften nutzt der Athlet lediglich sein Eigengewicht.

Der Sulzfelder Frank Leuchtenberger hat diese Variante sportlicher Betätigung als Passion vor ein paar Jahren für sich entdeckt und ist nach eigenem Bekunden bereits „süchtig“. In seiner Heimatgemeinde hat er sich für die Einrichtung einer Calisthenics-Anlage stark gemacht – mit gutem Erfolg: Im Sommer 2021 wird auf dem Schulgelände eine solche Anlage installiert.

Auch interessant: Fitness-Übungen für Zuhause: Wie man in Zeiten von Corona fit bleibt

„Ich habe schon immer gerne Sport gemacht“, erzählt der 34-Jährige, der als Suchmaschinenoptimierer in der Medienbranche arbeitet. Eine schwere Krankheit bereitete dem vor einigen Jahren ein jähes Ende.

Fit bleiben bis ins hohe Alter

„Durch die Chemo war ich damals körperlich ziemlich am Ende und habe nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich wieder fit werde“, berichtet Leuchtenberger. Im Internet stieß er auf Calisthenics und war sofort angetan.

„Das Wort stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet schöne Kraft“, erklärt er. „Mich hat dabei das Video eines 90-jährigen Chinesen inspiriert und bei mir den Wunsch geweckt, bis ins hohe Alter ebenso fit zu bleiben“, bekundet Leuchtenberger. Stange statt Rollator lautet seither seine Devise.

Immer nur Liegestützen ist ja auch langweilig.

Frank Leuchtenberger

Klimmzüge, Liegestützen und Kniebeugen sind die klassischen Bewegungsformen des Trainings mit dem Eigengewicht. „Doch immer nur Liegestützen ist ja auch langweilig“, sagt der Sportler. Bei Calisthenics fand er eine Vielzahl weiterer Bewegungsabläufe, die man einüben kann. „Ich habe auf Trimm-dich-Pfaden und Spielplätzen trainiert und mich auf Bolzplätzen an die Tore gehängt“, erzählt er. Doch die Möglichkeiten waren begrenzt.

Wunsch nach Anlage in der Nähe

So kam vor einigen Jahren bei ihm der Wunsch nach einer Calisthenics-Anlage auf. Er sah, dass vor allem in Großstädten immer mehr Anlagen gebaut wurden, aber nicht auf dem Land. Das wollte er ändern.

Auch interessant: Fitnessstudios wollen nach Corona-Schließung schnell wieder öffnen

So nahm er Kontakt mit jungen Leuten aus Nordrhein-Westfalen auf, die es geschafft hatten, einen Park in ihre Stadt zu bringen. Von dort holte er sich Tipps und recherchierte Preise und Möglichkeiten. Mit diesen Unterlagen ging er zur Sulzfelder Bürgermeisterin Sarina Pfründer. Die war auch gleich angetan von der Idee.

Standort im Schulhof

„Gerade für Jugendliche sind im Kraichgau besondere Angebote rar“, sagt die Gemeindechefin, die selbst begeisterte Leichtathletin ist. Bei Besuchen in der kalifornischen Partnergemeinde hat sie Calisthenics kennengelernt: „Am Strand gibt es dort alle paar Kilometer eine Anlage“, weiß sie zu berichten.

Den Standort auf dem Sulzfelder Schulhof findet sie auch deshalb gut, weil dann auch die Schüler die Anlage nutzen könnten. Die größte Hürde für die Umsetzung waren allerdings die Finanzen. Je nach Ausstattung kostet so eine Anlage locker gleich mal 30.000 Euro und – je nach Ausstattungswünschen noch viel mehr.

Doch die Bürgermeisterin, die auch Vorsitzende des Leader-Vereins Kraichgau ist, der mit Geldern der Europäischen Union lokale Projekte und Initiativen unterstützt, hatte eine gute Idee. Sie schlug Leuchtenberger vor, sein Projekt dort vorzustellen.

Fünf Kommunen steigen ein

Gesagt, getan. Und der Sulzfelder Sportler stieß beim Leader-Treffen auf offene Ohren. Auch bei etlichen Bürgermeistern der Kraichgaukommunen, die bei der Sitzung dabei waren. Neun zeigten Interesse, fünf blieben bei der Stange und erhielten mittlerweile auch die Zusage der europäischen Fördergelder. Die betragen immerhin knapp 60 Prozent der Investitionskosten.

Auch interessant: Freeletics in Karlsruhe: Mit Froschsprüngen zum Muskelprotz

„Die Calisthenics-Anlage in Ittlingen ist bereits fertig und eingeweiht, die in Elsenz ist fertig, aber noch nicht in Betrieb genommen“, informiert Dorothee Wagner, die Geschäftsführerin des Leader-Vereins Regionalentwicklung Kraichgau. Die Anlage in Angelbachtal soll noch in diesem Jahr gebaut werden, Zaisenhausen soll folgen. In Sulzfeld muss zunächst die Schulsanierung abgeschlossen sein. Dann wird auch dort eine Anlage installiert.

Besonders erfreulich für alle Beteiligten: Laut Corona-Verordnung der Landesregierung dem 11. Mai dürfen Freiluftanlagen für Sportaktivitäten ohne Körperkontakt wieder in Betrieb genommen werden

Weiter Infos über Calisthenics gibt es unter https://strongmonkey.de/was-ist-calisthenics/ sowie unter
https://www.facebook.com/CalisthenicsKraichgau/