Landrat Christoph Schnaudigel freut sich über die anstehende Eröffnung der neuen Rechbergklinik in Bretten. | Foto: jodo

Landrat Christoph Schnaudigel

„Wir gehen von einer guten Zukunft aus“: Interview zur neuen Rechbergklinik in Bretten

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Es ist ein Ereignis mit Seltenheitswert: die Eröffnung eines neuen Krankenhauses – zumal im ländlichen Bereich wie im Fall Bretten. Dort startet im März der Betrieb in der neuen Rechbergklinik, die für 50 Millionen Euro neben der alten Klinik aus den sechziger Jahren hochgezogen wurde (in Karlsruhe investieren das Städtische Klinikum und die Vidia-Kliniken ebenfalls erheblich).

Über die Neubauentscheidung und die Struktur der neuen Klinik Bretten sprach unser Redaktionsmitglied Matthias Kuld mit Christoph Schnaudigel. Der Landrat des Kreises Karlsruhe ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gesellschaft für die Kliniken des Kreises Karlsruhe in Bruchsal und Bretten.

Auch im Leben eines Landrats gibt es ganz besondere Tage. Die Eröffnung eines neuen Krankenhauses ist einer davon. Andernorts werden Kliniken geschlossen, das Land will die Zahl der Krankenhäuser weiter reduzieren, Sie machen eines auf…

Schnaudigel: In der Tat. Und ich bin darauf auch schon mehr als nur ein bisschen stolz. Wir haben als Kliniken, Kreistag und Verwaltung vor allem in der Diskussion mit der Raumschaft Bretten etwas ganz Besonderes erreicht.

Der Start dieses Projekts war aus der Not geboren!

Schnaudigel: Als ich 2007 Landrat wurde, war schon klar, dass wir bei unseren Kliniken etwas tun müssen. Das operative Minus war groß, ebenso der Sanierungsstau. Es galt einen kompetenten Partner zu finden, um die Häuser Bruchsal und Bretten für die Zukunft aufstellen zu können.

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Wo haben Sie diesen Partner gefunden?

Schnaudigel: In Ludwigsburg. Die Regionale Kliniken Holding erwies sich als geeigneter strategischer Partner. Die Holding mit Krankenhäusern im Kreis Ludwigsburg, im Enzkreis und im Kreis Karlsruhe war die richtige Lösung.

Warum?

Schnaudigel: Weil wir dort Partner auf gleicher Augenhöhe sind und zusammen mit der Holding die Struktur der Kliniken neu ordnen konnten. Medizinischer und ökonomischer Sachverstand regeln seither das Tagesgeschäft. Die gute wirtschaftliche Entwicklung seit nun zehn Jahren spricht für sich.

Wie kam es zu den Neubauüberlegungen für Bretten?

Schnaudigel: Es war nach meinem Amtsantritt rasch deutlich, dass wir in Bretten etwas tun müssen. Die Untersuchungen ergaben, dass – wenn man das Haus halten will – nur ein Neubau Sinn macht. Darauf lief es dann auch hinaus, denn in Bruchsal war kein Platz zur Erweiterung und der Raum Bretten bedurfte einer Klinik. Die wiederum erforderte ein neues medizinisches Konzept, das zu diesem Zeitpunkt bei weitem nicht ausdiskutiert war.

Wie ging es weiter?

Schnaudigel: Maßgeblich war ein Kreistagsbeschluss 2012 in Stutensee für einen Neubau. Es war dem Kreistag damals klar, dass eine Schließung der aus den sechziger Jahren stammenden Rechbergklinik gravierende Einschnitte für die medizinische Versorgung der Raumschaft Bretten mit sich brächte. Also wurde ein Grundsatzbeschluss für einen Neubau gefasst. 50 Millionen Euro waren als Summe genannt worden. Gleichzeitig, und das ist mir wichtig, hat der Kreistag auch beschlossen, das Krankenhaus Bruchsal Schritt für Schritt zu modernisieren. Da ging es dann um weitere 75 Millionen Euro in einem Zeitraum von fünf Jahren. Mit der zentralen Notaufnahme, dem neuen C-Bau und dem neuen G-Bau sind wir da schon weit vorangekommen, aber noch nicht am Ende. Gerade hat der Kreistag einen neuen Funktionsbau mit Operationssälen mit weiteren 46 Millionen Euro beschlossen.

Es gab in der Tat viele Diskussionen im Raum Bretten

Ganz reibungslos ging es mit dem Neubaubeschluss aber nicht….?

Schnaudigel: Die Entscheidung wurde letztendlich mit breiter Mehrheit getroffen. Aber es gab in der Tat viele Diskussionen im Raum Bretten: Am liebsten hätte man gehabt, dass am neuen Krankenhaus alles so bleibt wie es ist. Sie werden sich an die Diskussion und die örtlichen Befindlichkeiten bei der Schließung der Geburtshilfe erinnern. Und man muss auch sehen, dass der Beschluss zum Neubau in finanziell unsichereren Zeiten gefasst wurde.

Wie hat das Sozialministerium die Neubaupläne beeinflusst?

Schnaudigel: Die Förderung durch das Land ist entscheidend im Klinikbau. Das Ministerium hat uns von Anfang an zu verstehen gegeben, dass es Doppelstrukturen im Landkreis Karlsruhe nicht fördern wird. So kam es früh zu den Überlegungen für ein „einheitliches Plankrankenhaus“ im Landkreis – eine Klinik mit zwei Standorten. Das berücksichtigt auch das medizinische Konzept für die Häuser Bruchsal und Bretten. In beiden gibt es eine Grundversorgung, darüber hinaus haben sich die Fürst-Stirum-Klinik und die Rechbergklinik bei verschiedenen Fachrichtungen spezialisiert. Diese Spezialisierung erreicht alle Häuser in unserer Holding, mit der wir übrigens der größte kommunale Krankenhausanbieter in Baden—Württemberg sind.

Die Krankenhäuser erarbeiten unterm Strich operativ schwarze Zahlen

Hat sich denn die neue Ausrichtung auch ökonomisch bewährt?

Schnaudigel: Unbedingt. Die Krankenhäuser erarbeiten unterm Strich operativ schwarze Zahlen. Die Eigenkapitalausstattung ist gut. Der Landkreis Karlsruhe zahlt jährlich nur noch einen Beitrag für Zins und Tilgung, um den hohen Investitionsbedarf der Kliniken abzufedern. 2019 sind dies 4,5 Millionen Euro. Dank dieser Politik verfügt die Holding weiterhin über einen soliden Eigenkapitalbestand.

Welche Zukunft hat die neue Rechbergklinik angesichts ständiger Turbulenzen in der Gesundheitspolitik?

Schnaudigel: Wir gehen von einer guten Zukunft aus. Sonst hätten wir nicht investiert. Unsere Krankenhäuser sind gut aufgestellt. Es war kein einfacher Weg dahin. Aber dank der guten und intensiven Diskussionen haben wir den heutigen Zustand erreicht. Dass der Trend zur Zentralisierung von Leistungen nicht aufhört, wissen wir. Aber unser Angebot ist stimmig.

Mit der Eröffnung kommt die Schlussabrechnung…

Schnaudigel: …. und da steht wie geplant 50 Millionen Euro. Wir haben den Kostenrahmen eingehalten.

Zur Eröffnung der neuen Rechbergklinik Bretten findet am Samstag, 2. März, von 11 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Tür in der neuen Klinik statt.