Essen ausfahren ist derzeit die Haupttätigkeit von Kristian Schwarz, dem Geschäftsführer vom Brauhaus Löwenhof.
Essen ausfahren ist derzeit die Haupttätigkeit von Kristian Schwarz, dem Geschäftsführer vom Brauhaus Löwenhof. | Foto: Bindschädel

Dienste werden gut angenommen

Nur wenige Brettener Wirte bieten wegen Corona Abhol- und Lieferservice an

Anzeige

Während Cafés, Eisdielen und Bars wegen der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg zunächst einmal bis zum 19. April geschlossen sind, haben Besitzer und Betreiber von Gaststätten sowie Speiselokalen immerhin noch eine Wahl.

Zwar müssen diese Einrichtungen aufgrund der – wie sie offiziell heißt – Rechtsordnung über infektionsschützende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus – per se ebenfalls die Schotten dicht machen. Doch es gibt für die Wirte eine Möglichkeit, um zumindest ein paar Umsätze zu generieren.
Bedingt geöffnet lassen oder auch schließen? Das ist die Frage, die Gastronomen landauf landab stellen.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im Überblick

Sind Abhol- und Lieferdienste nicht lukrativ genug?

Da laut Landesverordnung nämlich Abhol- und Lieferdienste auch weiterhin geöffnet sein dürfen, können Gastwirte nun ebenfalls solche Dienste für ihre Speisen anbieten. Gebrauch machen von dieser Möglichkeit allerdings nur wenige Wirte in Bretten.

Wir haben komplett dicht gemacht, alles andere bringt eh nichts

Ingo Jäger, der Inhaber der Gaststätte Altes Rathaus

„Wir haben komplett dicht gemacht, alles andere bringt eh nichts. Hier in der Fußgängerzone ist es für die Abholer schon problematisch, da kann man nicht einfach kurz mit dem Auto hinfahren, anhalten und das Essen abholen“, erklärt Ingo Jäger, der Inhaber der Gaststätte Altes Rathaus.

Auch interessant: Karten zeigen alle bestätigten Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg

Die Lage des Lokals ist derzeit egal

Zwar ist die Lage des Lokals direkt am Marktplatz der Melanchthonstadt eigentlich ideal, in diesen Corona-Zeiten macht das aber überhaupt keinen Unterschied. Da auch die Möglichkeit, dass die Gäste draußen auf dem Platz sitzen und das frühlingshafte Wetter genießen können, zumindest bis zum Ende der Osterferien nicht gegeben ist, sah Jäger keine andere Alternative, als seinen Laden zu schließen.

„Ich hatte mir anfangs schon überlegt, ob wir nicht doch einen Lieferservice anbieten sollen, aber mit deutscher Küche ist das schwierig“, sagt der Gastronom und verweist darauf, dass Pizza-Lieferdienste und Döner-Läden hier gegenüber traditionellen Lokalen im Vorteil seien.

Mit Gutscheinen die Schließzeiten überbrücken

Doch der Altes-Rathaus-Chef nimmt die Situation ein Stück weit mit Humor. „So hat man jetzt wenigstens Zeit für Arbeiten, die sonst liegen bleiben, und man hat Zeit, um das Büro aufzuräumen. Schön ist auch, dass Stammgäste und Freunde einem dabei zur Hand gehen“, berichtet Jäger, der zuletzt die Tische seines Lokals abgeschmirgelt hat.

„Das große Problem ist, dass keiner sagen kann, wie lange das jetzt so noch geht. Ich hoffe, dass wir das überleben. Das Ostergeschäft fällt komplett weg, das kann man später nicht mehr reinholen“, weiß der Gastronom, der sich übrigens der großen Unterstützung von etlichen Stammgästen sicher sein kann.

„Einige Gäste hatten die Idee, dass sie jetzt Gutscheine kaufen, um uns so zu unterstützen. Das ist eine sehr schöne Geste“, betont Jäger.

Die Resonanz auf unser Angebot ist nicht schlecht, wir sind bislang zufrieden.

Roland Iwagoff, Inhaber des Brauhauses Löwenhof

Neben dem Alten Rathaus haben in der Brettener „City“ derzeit unter anderem auch das Restaurant Schweizerhof, das Restaurant Maxime von Guy Graessel und die Pizzeria La Piazzetta geschlossen. Gegen diesen Trend, also das vorübergehende Schließen von Gaststätten, arbeitet im wahrsten Sinne des Wortes derweil Roland Iwagoff an.

„Die Resonanz auf unser Angebot ist nicht schlecht, wir sind bislang zufrieden“, versichert der Inhaber vom Brauhaus Löwenhof. Denn dort hatte man die Zeichen der Zeit früh erkannt und entsprechend reagiert: Bereits etliche Tage bevor durch die Corona-Verordnung des Landes sowie durch die Allgemeinverfügung der Stadt Bretten die Schließung von Speiselokalen beschlossen wurde, bot Iwagoff einen Abhol- und Lieferservice an.

Mehr zum Thema: Per Tröpfchen oder als Schmierinfektion: So überträgt sich das Coronavirus

Am Wochenende täglich bis zu 35 Fahrten

Juniorchef Kristian Schwarz fährt das Essen an sieben Tagen die Woche höchstpersönlich aus. „Das Angebot wird von den Leuten ganz gut angenommen“, versichert der Geschäftsführer vom Brauhaus Löwenhof. Schwarz berichtet von rund zehn bis 15 Fahrten an den Wochentagen und am Wochenende täglich sogar von etwa 25 bis 35 Fahrten.

Geliefert wird in der Kernstadt sowie in den Stadtteilen – „natürlich alles ohne Aufschlag“, wie Iwagoff und Schwarz betonen. Der Lieferservice mache rund 90 Prozent des derzeitigen Geschäfts aus, der Abholservice wird von den Kunden dagegen nur selten in Anspruch genommen.

Aus der Not eine Tugend machen

Auch im Brauhaus Löwenhof versucht man, aus der aktuellen Not eine Tugend zu machen. „Jetzt hat man immerhin genügend Zeit für kleinere Reparaturen, zu denen man sonst nicht kommt“, erzählt Iwagoff: „Man muss aus der Situation das Beste machen, es bleibt einem ja ohnehin nichts Anderes übrig.“

Alle Informationen gibt es auf bnn.de/coronavirus

Dennoch ist auch dem Löwenhof-Inhaber eines ganz klar: „Den normalen Umsatz, den man sonst machen würde, kann man mit einem Lieferservice nicht reinholen.“ Drei Köche wechseln sich derzeit im Brauhaus Löwenhof ab, so kann das Sieben-Tage-Angebot problemlos gehalten werden.

„Im Moment muss man zumindest keine Angst haben, dass einem das Küchenpersonal wegläuft“, meint Iwagoff und lacht, dann fügt er ernst hinzu: „Hoffentlich ist diese Situation bald überstanden.“ Damit spricht der Löwenhof-Inhaber nicht nur allen Gastronomen in Bretten und dem Umland aus der Seele.