Alles andere als angerostet ist das Image des Bruchsaler Heisenberg-Gymnasiums, das mit seinem Schulprofil als MINT-Exzellenzschule quasi als Vorbild für einen Ableger in Oberderdingen dient.
Alles andere als angerostet ist das Image des Bruchsaler Heisenberg-Gymnasiums, das mit seinem Schulprofil als MINT-Exzellenzschule quasi als Vorbild für einen Ableger in Oberderdingen dient. | Foto: Heintzen

Elterninteresse gefragt

Oberderdingen könnte 2021 ein Gymnasium bekommen

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In Oberderdingen gibt es bislang kein Gymnasium. Das soll sich nach Wunsch des Gemeinderats ändern. Die Gespräche mit dem Trägerverin des Heisenberg-Gymnasiums sind vielversprechend. Doch wie steht es um das Interesse der Eltern?

Ein Gymnasium für eine aufstrebende Kommune – dieser lang gehegte Traum könnte im kommenden Jahr in Oberderdingen in Erfüllung gehen. Die Vorbereitungen dafür sind jedenfalls am Laufen. Denn die Gemeinde ist schon seit geraumer Zeit mit dem Träger des Heisenberg-Gymnasiums im Gespräch, das als Privatschule in Karlsruhe, Ettlingen und Bruchsal Standorte unterhält.

Machbarkeitsstudie brachte positive Ergebnisse

Im vergangenen Jahr hat der Trägerverein in Abstimmung mit der Gemeinde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, bei der die Rahmenbedingungen für den Standort Oberderdingen untersucht wurden.

Ergebnis: Das nötige Potenzial und die Voraussetzung für eine Neugründung sind vorhanden. „Die Hürden sind zwar hoch, doch für das Schuljahr 2021/2022 ist das zu schaffen“, erklärt Bürgermeister Thomas Nowitzki. Geplant ist, mit zwei fünften Klassen zu starten.

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Infoabend für interessierte Eltern

Als nächster Schritt steht die Abfrage des konkreten Bedarfs für den Bereich zwischen Bretten und Eppingen sowie zwischen Bruchsal und Mühlacker an. Aus diesem Grund findet am Montag, 17. Februar, um 20 Uhr in der Oberderdinger Aschingerhalle eine Informationsveranstaltung des Trägervereins des Heisenberg-Gymnasium statt.

Dabei stellen sich der Trägerverein und die Schule mit ihrem Konzept vor. Dieser Infoabend und die daraufhin erwarteten Rückmeldungen sollen Aufschluss geben über das Interesse der Eltern sowie die Fragen nach der Lehrerversorgung und der Unterrichtsräume.

Oberderdingen als vierter Standort der Privatschule

Das Heisenberg-Gymnasium mit seinen drei Standorten in Karlsruhe, Bruchsal und Ettlingen ist ein privates, staatlich anerkanntes, mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium mit einem speziell auf den Ganztagesunterricht abgestimmten pädagogischen Konzept.

„Wir arbeiten in kleinen Klassen mit maximal 24 Schülern und bieten einen ganztägigen Unterricht, wobei die Lehr- und Lernzeit in einer Hand liegt und von Fachlehrkräften abgedeckt wird“, sagt Manuel Sexauer, der Schulleiter des Bruchsaler Heisenberg-Gymnasiums. Dies eröffne mehr Zeit für die individuelle Begleitung des Lernprozesses.

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Darüber hinaus arbeite man viel in Projekten, Nachhaltigkeit sei ein großes Thema. Schon seit 1999 ist das Heisenberg-Gymnasium anerkannte Unesco-Projektschule und somit Teil des weltweit größten Schulnetzwerkes unter dem Dach der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen. In diesem Zusammenhang unterhält die Schule auch Kontakt zu einem Entwicklungshilfeprojekt in Indien sowie zu Schulen in den USA, in Ungarn oder Dänemark.

Das Heisenberg-Gymnasium wurde 1979 in Karlsruhe gegründet, weitere Standorts wurden 1999 in Ettlingen und 2006 in Bruchsal eingerichtet. Oberderdingen käme als relativ eigenständiger vierter Schulstandort dazu.

Naturwissenschaftliches Profil mit Astronomie und Wahlfächern

Als MINT-Exzellenz-Schule stehen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik im Vordergrund, daneben auch Geografie und Astronomie. Ergänzt wird der klassische Fächerkanon durch Darstellendes Spiel, Methodik und Soziales Lernen. In den Sprachen unterstützen Muttersprachlerinnen und -sprachler die Fachlehrkräfte, sodass die Sprachen insbesondere durch mündliche Kommunikation erlernt werden.

„Nach dem Informationsabend wollen wir ein Feedback, um zu sehen ob das Interesse ausreicht“, erklärt Bürgermeister Nowitzki, der beim Neujahrsempfang mit seiner eigenen Einschätzung nicht hinterm Berg gehalten hat. „Am Schulstandort Oberderdingen kann und darf es nicht nur eine weiterführende Schule geben. Wir haben die Chance, dafür zu sorgen dass es hier zwischen Bretten, Eppingen Mühlacker und Bruchsal ein weiteres attraktives gymnasiales Angebot gibt“, so sein Statement.

Förderung ist noch nicht geklärt

Beim Regierungspräsidium müsse dann der Bedarf für ein solches Schulangebot dargelegt werden. Denn schlussendlich gehe es auch um die nötige Förderung für ein solches Privatgymnasium. Bis März sollen dann die Ergebnisse der Erhebung vorliegen.

Kommentar von Hansjörg Ebert
Die Ansiedlung eines Privatgymnasiums ist schon eine einmalige Gelegenheit, den Schulstandort Oberderdingen merklich aufzuwerten. Das vorhandene Bildungsangebot ist zwar gut und breit aufgestellt. Doch was bislang fehlt, ist ein weiterführendes Angebot, das ein Studium ermöglicht.
Viele Gründe sprechen dafür, dass Oberderdingen dafür ein guter Standort ist. Die Gemeinde wächst in einem bemerkenswerten Tempo. Insbesondere für junge Familien ist sie attraktiv, zum einen wegen guter Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten, zum anderen auch wegen der vorhandenen Infrastruktur. Warum sollen alle diese Kinder und Jugendlichen aus Oberderdingen und der näheren Umgebung mit Bus und Bahn nach Eppingen, Mühlacker, Bretten oder Bruchsal zu weit entfernten Schule fahren, wenn es eine lokale Alternative gäbe?
Dazu kommt eine Wirtschaftsstruktur mit renommierten Firmen, die auf Abiturienten mit naturwissenschaftlichem Profil geradezu warten. Und vielleicht just aus diesem Grund auch einen Beitrag zum Gelingen des gymnasialen Schulprojekts leisten. Räumlichkeiten dürften sich ebenso finden lassen, zumal der Start mit zwei Klassen eher bescheiden erfolgen soll. Am Geld sollte das Vorhaben ebenso wenig scheitern, steht doch hinter der Idee ein Bürgermeister, der die hohe Kunst der Zuschuss-Akquise wie kaum ein anderer beherrscht.
Kleine Klassen, intensive Lernbegleitung, ein klares Profil – das Heisenberg-Gymnasium in Bruchsal hat in den Jahren seines Bestehens unter Beweis gestellt, welchen Bildungsbeitrag es im Schulgefüge einer Kommune zu leisten vermag.
Manche Chancen bekommt man im Leben nur einmal. Für Oberderdingen könnte dies beim Thema Gymnasium so sein. Denn die Hürden für ein staatliches Gymnasium liegen unerreichbar hoch. Einziger Makel des Vorhabens: Der Schulbesuch kostet nicht wenig Geld, nicht jeder Oberderdinger wird sich das leisten können.