Am Landgericht Karlsruhe wird der Oberderdinger Mordfall verhandelt. Am fünften Verhandlungstag kamen die Ermittlungsbeamten der Kripo und diverse Gutachter zu Wort. | Foto: Foto: Ebert

Verdachtsmomente erhärten sich

Oberderdinger Mordprozess: Ermittlungen im Ausschlussverfahren

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Was ist passiert im Pflegeheim Haus Edelberg am Fronleichnamstag 2018 in jener guten Viertelstunde nach 15.55 Uhr? In diesem kurzen Zeitfenster war der Angeklagte im Oberderdinger Mordprozess für eine kurze Zeit alleine im betroffenen Wohnbereich. So rückte er ins Visier der Ermittler. Um 16.12 Uhr ging der Feueralarm los, kurze Zeit später war der betroffene Flur B voll mit Rauch und nicht mehr zu betreten. Die Feuerwehr brachte kurz darauf zwei lebensgefährlich verletzte Bewohnerinnen nach draußen, die eine starb am Tag darauf an eingeatmetem Ruß und Rauchgas und Verbrennungen.

Angeklagter verhielt sich auffällig

„Wir haben nach dem Ausschlussverfahren ermittelt“, führte der zuständige Kripobeamte aus. Ein ortsfremder Täter ohne Bezug zum Pflegeheim schien unwahrscheinlich. Eine versehentliche Brandlegung durch das Opfer schied gleichfalls aus. Zündelnde Heimbewohner hatte es in der Vergangenheit auch keine gegeben und auch bei den Angehörigen hätten sich keine Hinweise gefunden. Dafür verdichteten sich die Verdachtsmomente gegen den 24-jährigen Pfleger, der bereits im Vorfeld bei zwei Scheunenbränden aufgefallen war.

Telefonüberwachung, Durchsuchungsbeschluss und Haftbefehl

Eine Telefonüberwachung gab schließlich den Ausschlag dafür, dass ein Haftbefehl ausgestellt und die Wohnung des Angeklagten durchsucht wurde. Es sei Zeit, den Kopf einzuziehen und sein Zimmer aufzuräumen, bevor die Polizei komme, teilte er einem Freund mit. Dort fanden sich zwei Benzinkanister, darunter ein grüner, der dem sehr ähnlich ist, den der vermummte Brandstifter bei der Feldscheune in der Hand hielt. Dazu zwei abgeschnittene Hosenbeine einer Tarnhose, und mehrere Motorradhauben, darunter eine Drei-Loch-Maske, wie sie der Brandstifter trug. Weiteres Beweismaterial stellte die Polizei am gleichen Tag noch bei zwei Freunden des Angeklagten sicher. Der hatte kurz zuvor bei ihnen Bundeswehrsachen, darunter eine Feldjacke und eine weitere Dreiloch-Sturmhaube deponiert. Auch Betäubungsmittel und „nicht Relevantes“ waren laut Polizei darunter.

Gutachter im Mordprozess

Wenig erhellend fiel das Gutachten des Sachverständigen des Landeskriminalamts für Textilspuren aus. Er hatte die Aufgabe, das mäßig aussagekräftige Bildmaterial der Überwachungskamera mit den gefundenen Kleidungsstücken zu vergleichen. Die Sturmhaube mit den drei Löchern könne die des Brandstifters gewesen sein, zumindest sei es nicht auszuschließen, bei der Jacke war die Aussage ebenso vage. Nur bei den Hosenbeinen war sich der Gutachter aufgrund der Stoffmusterung sicher: „Diese Hosenbeine waren am Tatort!“

Möglich, aber nicht zwingend

Möglich, aber nicht zwingend“, lautete die Antwort einer weiteren Gutachterin, die anhand von diversen Bilddateien klären sollte, ob es sich bei dem vermummten Scheunenbrandstifter um den Angeklagten handeln könnte. Eindeutig fiel indes das Brandgutachten der LKA-Sachverständigen aus, die das Spurenbild im Brandzimmer untersucht hatte. Eindeutig sei ein flüssiger Brandbeschleuniger – Aceton oder Isopropanol – verwendet worden, das aufgefundene Desinfektionsmittel sei tauglich als Brandbeschleuniger. Ein technischer Defekt am Pflegebett scheide aus, der Stecker war nicht in der Steckdose. Ohne einen Brandbeschleuniger lasse sich eine Matratze nur kaum in Brand stecken, mit einem Brandbeschleuniger brenne eine Matratze in sechs Minuten auf ganzer Fläche. Auch bei den Scheunenbränden fanden die Ermittler Benzinspuren.

„Er wollte im Mittelpunkt stehen“

„Er würde nach Aufmerksamkeit lechzen, gerne im Mittelpunkt stehen und sich in den Vordergrund drängen“, so zitierte ein Ermittler den Heimleiter, der auf Nachbohren, wem er denn so etwas zutrauen würde, schließlich auf den Angeklagten verwies. Der hatte sich auch an anderer Stelle verdächtig gemacht. Einem Bekannten gegenüber hatte er geäußert, dass es doch toll wäre einen Menschen bei einem richtig großen Feuer zu retten.

Termin

Die Verhandlung vor dem Landgericht Karlsruhe wird am Mittwoch, 30. Januar, um neun Uhr im Karlsruher Landgericht fortgesetzt.