In teils packenden Szenen wurden die Geschehnisse in der belagerten Stadt Brettheim im Frühsommer 1504 dargestellt. Diese Darbietungen fallen beim Fest 2019 komplett weg, bedauert Stadtvogt Peter Dick. | Foto: Rebel

Änderungen übers Fest 2019

Peter und Paul: Leere Bühne und die letzten Schwarten

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Noch zwei Monate, dann verwandelt sich die „Kleinstadtperle“ Bretten wieder in das belagerte Mittelalterstädtchen Brettheim anno 1504. Das Peter-und-Paul-Fest 2019 wird am Freitag, 28. Juni, um 19 Uhr auf dem Marktplatz eröffnet und dauert bis Montag, 1. Juli.

Bereits am Eröffnungsabend gibt es in diesem Jahr eine Änderung: Nachdem Schultheiß Martin Wolff und Stadtvogt Peter Dick den offiziellen Startschuss gegeben haben, bleibt die Bühne, auf der sonst historische Szenen der Belagerung dargestellt werden, leer. „Es gab aus den Reihen der darstellenden Gruppen einige Kritik“, erläutert Stadtvogt Dick auf BNN-Nachfrage, etwa, dass die Fähnlein, die durch die Stadt zum Marktplatz zur Musterung ziehen, zu lange auf ihren Auftritt warten müssten.

„Da war von ,vergeudeter Zeit’ die Rede“, berichtet der Organisationschef. Zudem wurde das „kaum vorhandene Publikumsinteresse“ für die historische Darstellung beklagt. Die Musterung der kampffähigen Truppen durch Stadtkommandant Marsilius von Reiffenberg finde nun in den einzelnen Lagern statt.

 

So waffenstarrend wird es an Peter und Paul nicht mehr auf dem Marktplatz zugehen: Die Szenen der Chronik fallen 2019 aus. | Foto: Rebel

Auch die Szenen am Samstag (die Beratung über den „Feinds-Brief“ etwa, oder die Meuterei der Landsknechte) fallen in diesem Jahr komplett weg. Dick: „Es gibt jetzt aber einen Arbeitskreis, der sich über neue Formen der Darstellung Gedanken macht.“

Großer Zapfenstreich erstmals an Peter und Paul am Simmelturm

Am Abend des Festsamstags sieht es dieses Jahr auf dem Marktplatz ebenfalls anders aus als sonst: Zwar spielen dort Musikzüge der Bürgerwehren und Fanfarenzüge auf, doch dann, kurz nach 21 Uhr, ziehen alle Gruppen zum Simmelturm, wo zuvor noch die Schlacht um Brettheim getobt hat. Erstmals in der Geschichte des Peter-und-Paul-Festes wird der Musikzug der Bürgerwehr Bretten den Großen Zapfenstreich vor dem schiefen Turm der Stadt zelebrieren.

Die Marktplatzbühne bleibt am späten Samstagabend allerdings nicht lange leer, denn gegen 22 Uhr werden dort die Musiker der „Krachledergang“, die zuletzt beim Stadtjubiläum am Seedamm begeisterten, für Stimmung sorgen.

VGV: Letzter „Schwartenmagen-Umzug“

Für Stimmung sorgte seit 1953 auch stets der Vereinigte Gesangverein (VGV) Bretten, der am Festmontag den „Schwartenmagen-Umzug“ nebst witziger Chronik der Ereignisse des vergangenen Jahres organisierte. „Der Verein hat angekündigt, dass er das dieses Jahr zum letzten Mal macht“, bedauert der Stadtvogt. Das habe einerseits damit zu tun, dass der Aufwand für die betagten Sänger zu groß sei, andererseits wisse man ja nicht, wie es auf der Sporgasse mit dem Festzelt weitergehe.

Das letzte Mal lässt der VGV am Festmontag die Schwarte krachen. Den Umzug gibt es seit 66 Jahren. | Foto: Rebel

Polizei übers Fest stärker präsent

Eine Verbesserung gibt es dort übrigens 2019 gegenüber dem Vorjahr: „Wir haben den Festwirt angewiesen, dass er Security-Kräfte einstellt“, berichtet Brettens Polizeichef Bernhard Brenner. Damit solle eine Massenschlägerei wie 2018, bei der die Polizei massiv eingreifen musste, verhindert werden. Brenner: „Ich brauche meine Leute im Fest.“

Zusätzlich zu den Kräften des Polizeireviers würden in diesem Jahr auch zahlreiche Beamte von außerhalb angefordert, sagt der für die Sicherheit verantwortliche Polizeichef. Das ergebe sich aus dem Sicherheitskonzept, das eine Polizeipräsenz auf allen relevanten Plätzen vorsieht. „Unsere Interventionszeit ist maximal zwei Minuten. Aber beim Fest 2018 war es teilweise so voll, dass selbst wir da kaum durchkamen.“

Aus diesem Grund habe er mit seinem Team ein „Räumkonzept“ für jeden einzelnen Platz entwickelt. „Es geht dabei ja nicht immer nur um Terror, sondern vielleicht auch mal um einen Notfall oder eine Bedrohungslage.“

Zu Brenners Bedauern sind die Jugendschutzteams des Landkreises dieses Jahr nur am Samstagabend im Einsatz. Für Freitag werde man aber aus Polizeibeamten, Mitarbeitern des Ordnungsamts und Jugendlichen ein kleines Team bilden und unter die Leute schicken.