Rund sechs Stunden lang kontrollierten Polizeiteams am Montagnachmittag an der B294 in Bretten Autofahrerinnen und Fahrer vor allem auf Drogen hin. Festgestellt wurden allerdings auch weitere Verstöße wie solche gegen das Waffengesetz.
Rund sechs Stunden lang kontrollierten Polizeiteams am Montagnachmittag an der B294 in Bretten Autofahrerinnen und Fahrer vor allem auf Drogen hin. Festgestellt wurden allerdings auch weitere Verstöße wie solche gegen das Waffengesetz. | Foto: Rebel

30 Beamte im Einsatz

Polizeikontrolle in Bretten: Auch schlechte Zähne verraten den Drogensüchtigen

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Einer trägt eine schlabbrige Mütze, streckt die Arme im verblichenen Pulli durch bis in die Fingerspitzen. Er bemüht sich, sein Zittern zu verbergen. Aus seinem Vehikel sind drei weitere junge Männer ausgestiegen – unfreiwillig. Uniformierte in neongelben Warnwesten umringen sie. Drogen im Straßenverkehr zu finden, war am Montag das Ziel einer polizeilichen Großkontrolle unter Federführung des Reviers Bretten.

30 Beamte in sechs Teams hielten ab 13 Uhr an der B294 in Höhe des Hohberghauses Auto für Auto an. Neben der Sicherheit im Straßenverkehr waren weitere Ziele, Bewegungsmuster potentieller Straftäter festzustellen oder Fahrzeuge auf ihre Verkehrstüchtigkeit und ihre Fahrer auf einen Führerscheinen hin zu prüfen.

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Arzt im Stau

Im kontrollbedingten Stau steckte gar der Arzt für eine Weile fest, der für die fachgerechte Ausführung von Blutproben angefragt war. Bis 18 Uhr stellte die Polizei 16 Gesetzesverstöße fest. Elf Personen wurden unter Drogeneinfluss am Steuer erwischt, einer war ohne Führerschein unterwegs, drei der Geschnappten hatten Betäubungsmittel dabei und bei einem wurden ein Messer und ein Schlagring gefunden. Er wird sich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten müssen.

Stopp und hier entlang - 30 Polizeibeamtinnen und Beamte, vorwiegend aus Bretten und Mannheim, kümmerten sich um die Sicherheit im Straßenverkehr.
Stopp und hier entlang – 30 Polizeibeamtinnen und Beamte, vorwiegend aus Bretten und Mannheim, kümmerten sich um die Sicherheit im Straßenverkehr. | Foto: Rebel

 

Polizeihauptkommissar Claus Hering berichtet, dass vergangene Woche Beamte des Mannheimer Polizeipräsidiums zur Theorieschulung der Brettener Kollegen in der Melanchthonstadt waren.

Dank ihrer Trefferquote schulen Mannheimer nun Kollegen

Vergangene Woche waren Beamte des Mannheimer Polizeipräsidiums zur Theorieschulung der Brettener Kollegen in der Melanchthonstadt, sagt er. Am Montag folgte nun der Praxisteil für die Brettener. Bei diesem waren auch zwei Beamte der Bruchsaler Bereitschaftspolizei zugegen.

Marihuana auf Rezept war eine Todsünde der Politik.

Claus Hering, Polizeihauptkommissar

Die Trefferquoten der Mannheimer habe mit dazu geführt, dass sie inzwischen zu Schulungen im ganzen Land unterwegs seien, so Hering. Sie entdeckten aktuell etwa zehn Personen täglich im Bezirk des Präsidiums Mannheim, die trotz Drogeneinflusses am Steuer säßen. „Das hat enorm zugenommen.“ Er fügt an: „Seit es Canabis auf Rezept gibt, hat sich die Zahl der Fahrer unter Marihuana etwa verzehnfacht. Das war eine Todsünde der Politik.“

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Heutiger Leistungsdruck fördert Amphetaminmissbrauch

Amphetamin, das „Koks des kleinen Mannes“, sei für oft gehetzte Berufsfahrer erschwinglich oder für Geschäftsleute und Akkordarbeiter am Fließband, die glaubten, sich so über kraftzehrende Tage zu retten.

Woran aber erkennen die Beamten die Gesuchten? Bei Alkohol sei es leichter dank Geruchs oder Schlangenlinienfahrten, so Hering. Der Brettener Polizeioberkommissar Andreas Ziegelhöfer erläutert: „Im Gespräch erkennen wir Anzeichen wie verzögerte Augenbewegungen oder erweiterte Pupillen. Auch schlechte Zähne verraten, so der Rauschgiftkoordinator, oft Süchtige: „Die Zähne gehen von Amphetamin oder Koksmissbrauch sehr schnell kaputt. Da die User nicht alles über die Nase nehmen wollen, da sich sonst die Nasenscheidewand auflöst, reiben sie sich das Zeug auf die Zähne.“

Wir bemerken, wenn jemand lügt.

Andreas Ziegelhöfer, Rauschgift-Koordinator der Polizei Bretten 

Die Beamten bemerkten aber auch, wenn jemand lügt, etwas zu verbergen habe. Die psychologische Schulung gehöre dazu. Inzwischen werde jede Droge in allen Schichten konsumiert, sagt Ziegelhöfer. Das Klischee des Kiffers mit Rastalocken habe ausgedient.

Rund 65 Prozent aller, die sie mit Drogen am Steuer erwischten, seien Cannabiskonsumenten. Der Leistungsdruck heute erhöhe aber den Amphetaminmissbrauch auf derzeit 20 bis 25 Prozent. Koks oder Ecstasy sei teuer. Sie schlügen mit ein paar Restprozent zu Buche. Und 2019 habe er nur einen Fall von Crystal Meth auf dem Schreibtisch gehabt, so Ziegelhöfer. Tschechien als größter Herstellerort sei weit weg, sagt Hering. Das Problem treffe den Osten Deutschlands weit härter.

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Mit hängenden Schultern vor der Polizei

In mehreren Polizeitransportern sitzen meist Männer Uniformierten gegenüber, mit hängenden Schultern. Ihre Personalien werden aufgenommen. Die Beamten bieten zunächst eine Urinprobe an, wenn ihr Verdacht sich auf konkrete Momente stützt. Wird die verweigert, ist eine Blutprobe Pflicht. Beweiskraft vor Gericht hat nur die Blutprobe, aber der Urintest ist das mildere Mittel, muss zuvor angeboten werden.

Präsidiumsübergreifende Kooperation geglückt

Eine dralle Rothaarige mit Tattoos am Hals steigt in ihr Auto und verlässt den Parkplatz an der B294 wieder. Bernhard Brenner lobt derweil das Organisatorische. Der Leiter des Reviers Bretten freut sich, dass es klappte, alle Beteiligten unter einen Hut zu bringen und das Präsidiums-übergreifend und nach vorheriger Anordnung der Stadt. „Und dass dann noch das Wetter mitspielte, war einfach ein glücklicher Umstand.“