Der Angeklagte neben seinem Anwalt. | Foto: Ebert

Prozess vor Landgericht

Puzzle mit tausend Teilen: Brand in Oberderdinger Altenpflegeheim

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Ein verwirrendes Puzzle mit tausend Teilen muss das Verwaltungsgericht Karlsruhe im Mordprozess zur Brandstiftung im Oberderdinger Altenheim zusammensetzen.

Dort war am Fronleichnamstag 2018 eine hilflose 82-jährige Heimbewohnerin bei einem Feuer ums Leben gekommen. Angeklagt ist ein 24-jähriger Pfleger, der in der Einrichtung bis dahin die dreijährige Ausbildung machte. Er schweigt zu den Vorwürfen. Sein Anwalt Bastian Mayer will einen Freispruch für seinen Mandaten erreichen.

Brennendes Bett

Am zweiten Verhandlungstag wurden Zeugen vernommen. Feuerwehrleute berichteten, wie sie über die Drehleiter ins völlig verqualmte Brandzimmer gelangten und das brennende Bett löschten. Kollegen kamen – gleichfalls mit Atemschutz – über den Flur ins Zimmer. „Dort herrschte enorme Hitze, die Rollläden und der Rauchmelder waren geschmolzen und auf dem Bett lag eine bewusstlose Frau mit starken Verbrennungen“, so ein Feuerwehrmann. An Händen und Füßen habe man die Frau nach draußen getragen und im Treppenhaus an Kollegen übergeben. Wenige Tage später verstarb sie im Krankenhaus.

Widersprüchliche Angaben

Akribisch nahm sich das Gericht unter Vorsitz von Richter Leonhard Schmidt die Beschäftigten des Heims, die an diesem Tag Dienst hatten, und die Besucher vor. Sie wollten möglichst genau erfassen, was sich wo und wie zugetragen hatte. Als der Feueralarm los ging, hatten der Angeklagte, eine junge Altenpflegerin und die Schichtleiterin Dienst in der betroffenen Wohneinheit. Zum Verhalten des Angeklagten gibt es widersprüchliche Angaben.

Keine Einlasskontrolle an Pforte

Während sich die Schichtleiterin zu erinnern glaubte, das der Angeklagte sofort in den B-Gang rannte, in dem sich das Brandzimmer befand, hatte der Angeklagte selbst einer Freundin erzählt, dass man zuerst alle anderen Gänge abgesucht und dabei vielleicht wertvolle Zeit verloren habe. Eine Besucherin hatte den Angeklagten zuvor aus dem betroffenen Flur kommen sehen und sich gewundert, das er wieder zurückgelaufen war, als er sie sah, anstatt einer dementen und sturzgefährdeten Seniorin zu helfen, die sie zu ihrem Rollator geleitet hatte. Deutlich wurde bei der Zeugenvernehmung auch, dass es an der Pforte des Hauses keine Einlasskontrolle gab: Jeder konnte mehr oder weniger unbemerkt ins Haus und wieder hinaus. Übereinstimmend berichten die Bediensteten wie die Besucher aber auch, dass sie an diesem Tag keinerlei Auffälligkeiten und auch keine Fremden bemerkt hätten. Auch habe es in der Vergangenheit keine Fälle von zündelnden Heimbewohnern gegeben.

„Unzuverlässig und schwierig“

Als die Pflegedienstleiterin bei der polizeilichen Vernehmung erfuhr, dass es sich um Brandstiftung gehandelt habe und sie gefragt wurde, wem sie das zutraue, hatte sie den Angeklagten erwähnt, den sie als unzuverlässig und schwierig charakterisierte. Er habe sich schon mal in einer Notfallsituation vorgedrängt und als Nothelfer präsentiert.

Thema selbst ins Spiel gebracht

Auffällig war auch, dass der Angeklagte selbst gegenüber seiner damaligen Freundin das Thema Brandstiftung ins Spiel gebracht hatte, als alle noch von einem technischen Defekt ausgingen. „Er meinte, er habe Brandbeschleuniger gerochen, als er in den verqualmten Flur gekommen sei“, berichtete die vormalige Angestellte des Pflegeheims.

Zweiter ehemaliger Mitarbeiter im Fokus

Intensiv beleuchtet wurde auch die Rolle eines ehemaligen Mitarbeiters, der wegen mangelhafter Leistungen und ungebührlichem Verhalten im Januar 2018 gefeuert worden war. Er soll nach dem Brand bedauert haben, dass nicht das ganze Haus abgefackelt sei.

Fortsetzung am Freitag

Der Prozess wird am Freitag, 18. Januar, um 11 Uhr fortgesetzt.