Gigantische Ausstellung: Überdimensionale Druckgrafiken hat der Brettener Fotokünstler Tom Rebel an markanten Gebäuden im Stadtbild installiert. Den Kunstwerken liegen Fotos zugrunde, die zum teil mehrfach überarbeitet, überlagert und verfremdet werden. | Foto: Tom Rebel

Aktion zum Stadtjubiläum

Riesenhafte Kunstwerke überall in Bretten

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Eigentlich sind alle diese Kunstwerke  Suchbilder – nur so im Vorbeigehen erschließen sie sich nicht. Zugegeben – die knalligen Farben springen sofort ins Auge. Aber was sind das für Zeichen, Linien und Strukturen? „Da muss man sich eine Weile hinsetzen und schauen, dann gibt es manches zu entdecken“, meint Tom Rebel. Der Urheber der überdimensionalen Druckgrafiken, die seit kurzem kunterbunte Farbtupfer ins Stadtbild zaubern, hat in seinen Großformaten einiges versteckt. Sein Geburtshaus beispielsweise und das Brettener Gerberhaus, jeweils auf einer Seite des Saalbachs, finden sich auf dem riesigen Grafik , das den Turm der Neibsheimer Frank-Mühle ziert.

Riesenhafte Rätselbilder

Am Ortseingang von Sprantal ist es die Gegenlichtaufnahme einer Birkenallee am Heidelsheimer Weg zwischen Neibsheim und dem Bruchsaler Stadtteil, die der Brettener Fotokünstler plakativ verfremdet hat. Mitunter hat er für seine Grafiken fünf oder sechs Aufnahmen übereinandergelegt.
An der Berufsschule hängt ein überarbeiteter Ausschnitt der Fassade ebendieser Schule, im Kunstwerk der Sparkasse lässt sich die Sparkassenfassade und das entsprechende Emblem entdecken. „Alles Maßanfertigungen“, sagt Rebel, der das ehrgeizige Vorhaben vor zweieinhalb Jahren begonnen hat. Das Ziel: An markanten Stellen und Gebäuden in Bretten und den Stadtteilen großformatige, knallig bunte Grafiken anzubringen, die weithin sichtbar sind. 23 sind es nun geworden, in jedem Stadtteil mindestens eines, ein Dutzend in der Kernstadt: So blickt Martin Luthers Konterfei vom Pfeiferturm herab, Philipp Melanchthon grüßt vom Turm der Stiftskirche, Rebels Schreibtisch prangt am Melanchthonhaus. Mit den Oberderdinger Weinbergen hat er die graue Fassade der Brettener Firma Seeburger verschönert. Ein blau- und ein rotschimmerndes Banner lassen dort in luftiger Höhe bei genauerem Betrachten die Weinstöcke erahnen. Hier wurden die Folien ausnahmsweise geklebt, weil sich an der glatten Außenwand keine Befestigungspunkte für das Gewebe fanden.


Profikletterer hängen Kunstwerke auf

Eine Herausforderung für sich war das Anbringen der überdimensionalen Kunstwerke in schwindelerregender Höhe. Eigens dafür waren Industriekletterer aus dem Allgäu engagiert worden – Kletterprofis die ansonsten als Bergführer arbeiten. Die schreckten weder die Kälte noch die Graupelschauer, als sie am Kirchturm in den Seilen hingen, um die Riesentransparente anzubringen. Einmal Kunst statt Werbung zu installieren, und dies nicht an Metallgerüsten sondern an historischen Gebäuden, hat ihnen großen Spaß gemacht. Wann kann man schon mal an einem Kirchturm oder an einem Geschichtsmonument wie dem Melanchthonhaus unbehelligt herumklettern?

Foto: Tom Rebel

Das Ergebnis seiner Arbeit hat den Brettener Fotokünstler selbst überrascht. „Ich habe nicht mir dieser farblichen Qualität gerechnet“, räumt Rebel ehrlich ein. Doch 30 Jahre Erfahrung mit der digitalen Bearbeitung von Bildern hinterlassen ihre Spuren. Und auch gänzlich unerwartete Effekte gibt es zu bestaunen: So wurde die Grafik an der Grundschule Gölshausen mit etwas Abstand zur Wand verspannt. Wenn der Wind weht, wabert die Fläche – und das Bild wirkt wie eine 3-D-Animation. Kurios auch, dass sich in einer Efeuhecke an der Hauswand, an der die Druckgrafik angebracht werden sollte, eine Amsel eingenistet hatte. Kurzerhand entschied man sich dafür, ein Loch in die Grafik zu schneiden, um dem Vogel den Zugang zu seinem Nest zu erhalten. Und der nahm das Angebot gerne an. Bis zum Reformationstag Ende Oktober sollen die Kunstwerke das Stadtbild prägen. Danach werden die meisten abgehängt. Rebel will dann spannende Ausschnitte auf Rahmen und in Passepartouts spannen und zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts für einen guten Zweck versteigern. Manche der Gebäudebesitzer überlegen auch, die Kunstwerke an ihrer Fassade zu belassen.

„Großstadtfeeling“

Rund 100 000 Euro hat sich die Stadt Bretten das publikumsträchtige Projekt kosten lassen, das nach Rebels Eindruck an vielen Stellen „Großstadtfeeling“ aufkommen lässt. „Ich entdecke Bretten neu und staune immer wieder über neue Ansichten, insbesondere wenn Leute an den Bildern vorbeilaufen und die Köpfe drehen“, meint er. Diese Ausstellung sei bislang das Highlight seiner bisherigen künstlerischen Karriere gewesen. Aber nicht das letzte, wie er bemerkt.

Service

Unter dem Titel „Dialog. Disput. Erneuerung“ wird die Ausstellung von Thomas Rebel am heutigen Samstag um 11 Uhr am Kunstwerk am Rathaus eröffnet. Im Anschluss eröffnet Rebel auch seinen „Eventshop plus Galerie“ in der Melanchthonstraße 30.