Nicht immer den Abstand eingehalten haben die Kunden von Ruth Kloft in der Warteschlange vor ihrem Näh- und Stickzentrum in der Fußgängerzone. | Foto: Rebel

Shoppen in Corona-Zeiten

Run auf Nähzentrum: In Bretten sind Masken das neue Klopapier

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Shoppen mal anders: Während die Brettener Innenstadt am ersten Samstag nach dem Lockdown eher ruhig und das Geschäft für den Einzelhandel überschaubar war, standen die Menschen bei Ruth Kloft Schlange. Denn sie bedient in der Corona-Krise eine ganz besondere Nachfrage.

So richtig klappen will es mit dem Sicherheitsabstand in der Schlange vor dem Geschäft von Ruth Kloft noch nicht. Bis zum Brettener Marktplatz stehen die Menschen an, um in ihr Näh- und Stickzentrum in der Melchanthonstraße zu gelangen. 1,50 Meter liegen da allerdings nicht zwischen, sondern vielleicht einer.

Näherin Kloft stellt bis in die Nacht Masken her

„Ich kann mich auch nicht noch darum kümmern“, klagt Kloft, die am ersten Einkaufssamstag nach dem Lockdown im Dauereinsatz ist. Denn sie stellt ein Gut her, das gefühlt halb Bretten auf die Beine bringt: Atemmasken.

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„Es ist Wahnsinn“, sagt Kloft. „Die Maske ist wie das Klopapier.“ Um 14 Uhr hatte sie bereits 70 davon verkauft, die sie parallel selbst herstellt, häufig in Nachtschichten. „Ich fange um 10 Uhr an zu arbeiten und höre nicht vor 0 Uhr auf“, sagt sie.

Kunden bringen Kaffee und Döner vorbei

Ob sie überhaupt noch schlafe? „Das werde ich oft gefragt“, sagt Kloft, sie bleibt eine Antwort schuldig. Immerhin habe ihr ein Kunde einmal einen Kaffee gebracht, ein weiterer einen Döner. Gelegentlich kommt auch das Ordnungsamt vorbei, überprüft die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen.

So soll sie bis Montag noch eine Plexiglas-Scheibe auftreiben – und das, obwohl ohnehin nur ein Kunde auf einmal in ihren Laden darf. Immerhin lohne sich der Aufwand finanziell, wie sie zugibt. „Der Umsatz ist schon enorm hoch“, sagt sie.

Schneider Gharib klagt über geringen Umsatz

Damit ist sie aber eher eine Ausnahme. Ganze vier Kleidungsstücke neuer Kunden hatte Asper Gharib in seiner Maß- und Änderungsschneiderei bis zum Mittag hängen. „30 bis 40 Euro am Tag sind kein Geschäft“, klagt er. „Das ist noch nicht einmal die Miete, was da kommt. Das ist wirklich eine Katastrophe“, klagt er.

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Und dabei sei der Samstag noch „der beste Tag der Woche“ gewesen – unter der Woche sah es entsprechend noch trister aus. Woran das liegt? Gharib weiß es nicht. „Vielleicht sind zu viele auf Kurzarbeit“, vermutet er. „Ich hoffe, dass dieses Corona schnell rum ist.“ Immerhin habe er nun auch angefangen, Masken zu verkaufen.

Etwa ein Drittel der Passanten trägt Masken

Diesen Eindruck bestätigt auch ein Gang durch die Fußgängerzone. Bis auf den Wochenmarkt selbst ist wenig Betrieb zu beobachten. Vereinzelt sind Passanten zu sehen, etwa ein Drittel trägt auch unter freiem Himmel eine Maske. Auffällig ist vor allem, dass die Verkäufer in den Marktständen auf die Masken verzichten.

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Noch müsse man ja nicht, sagt eine Fleischverkäuferin, die anonym bleiben möchte. Und außerdem sei man ja im Wochenmarkt von der Maskenpflicht befreit. Doch auch sie bemerkt einen reduzierten Andrang zu einem normalen Samstag.

Samstag bei „formvollendet“ schwächer als die Wochentage

„Vielleicht haben die Leute auch Angst, dass zu viele unterwegs sind“, argwöhnt Heike Böhm vom Modehaus „formvollendet“. Ein wenig Kundschaft habe sie schon, aber eben nicht viel. „Während der Woche kamen sie dafür am laufenden Band. Da war ich froh, dass mal meine Kasse geklingelt hat. Aber die Situation ist angespannt“, berichtet sie. Etwa die Hälfte ihrer Kunden habe eine Maske getragen.

Modehaus Martin zieht positives Samstags-Fazit

Eine andere Klientel scheint da Andreas Drabek zu haben, Inhaber des Modehauses Martin. „Ich bin mit der Woche sehr zufrieden, hätte das gar nicht gedacht“, berichtet der Chef, der seinen Mitarbeitern zum Abschied noch einmal ein großes Lob ausspricht.

„Der Stressfaktor war sehr hoch.“ Etwa zehn Kunden habe er gleichzeitig in den Laden lassen können. Die Frequenz sei zwar nicht so groß gewesen, „aber es waren gut kaufende Kunden da“. Und die hätten auch „zu 99 Prozent Masken getragen“. „Das hat sich in Bretten schon etabliert.“