Drei Jahre dauerte der Bau des dreibeinigen Katapults aus Eschenholz. Der Diplom-Physiker Walter Niedermeyr erläutert das Feldgeschütz im Terra Sigillata Museum in Rheinzabern. | Foto: Janina Beuscher

Römisches Wurfgeschütz

Drei Legionen feuerten rund 200 Pfeile in der Minute ab

Von Janina Beuscher
Dass die Römer wahre Meister der Kriegskunst waren, ist weithin bekannt. Mit welcher Wucht ihre Kampfgeschosse jedoch wüteten, ist aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Allein bis zu 60 Wurfgeschütze führte eine Legion bestehend aus etwa 6 000 Mann mit sich, drei Legionen brachten es also auf 180 dieser Waffen und damit durchaus auf rund 200 Pfeile in der Minute, die auf das feindliche Lager niedergingen.
„Das Wurfgeschütz  funktionierte auf der Basis von Spannung der Seilbündel.

Verheerende Wirkung

Beim Einsatz wurden Holzpfeile mit geschmiedeten Eisenspitzen auf die Gegner abgeschossen, teils mit verheerenden Wirkungen“, sagt Walter Niedermeyr aus Jockgrim. Ähnlich einem Maschinengewehr könne man sich den Effekt vorstellen.

Der Diplom-Physiker hat gemeinsam mit dem Trierer Universitätsprofessor Christoph Schäfer und dessen Studenten eines dieser brachialen Geschütze originalgetreu nachgebaut. Jetzt ist es im Terra Sigillata Museum in Rheinzabern zu sehen.
„Es handelt sich um ein Geschütz vom Typ Cremona und der Nachbau geht zurück auf einen entsprechenden Fund aus dem Jahre 1887“, erklärt Niedermeyr, der im pfälzischen Ort Jockgrim wohnt. Das Ansinnen des Nachbaus sei es gewesen, der Öffentlichkeit ein anschauliches Objekt der Römerzeit zugänglich zu machen, das sonst nicht so einfach zu sehen sei. Etwa ein Jahr dauerte der aufwendige Nachbau des dreibeinigen Katapults aus Eschenholz. Die Seilbündel sind aus Pferdehaar, vorne ist eine Metallplatte angebracht.

Entscheidender Fund bei Cremona

Die Studenten nutzen mehrere Aufzeichnungen von Einzelteilen entsprechender Waffen, die auf dem ganzen Kontinent gefunden wurden. Der entscheidende Fund war eine kleine Sensation: Ein Zeugnis der zweiten Schlacht bei Cremona im Herbst 69 nach Christus. Die Fundstelle lag außerhalb der italienischen Stadt an der Nordseite der Straße nach Mantova und wurde bei der Herstellung eines Fundaments entdeckt.

Feldgeschütz hatte bis zu 300 Meter Schussweite

Das im Terra Sigillata Museum ausgestellte Geschoss verdeutlicht die vielen Einstellmöglichkeiten wie die Wurfhöhe oder den exakten Neigungswinkel. Dadurch konnte bis zu 300 Meter weit geschossen werden. „Die Römer verstanden sehr viel von Physik“, unterstreicht Niedermeyr. Warum das Kriegsgerät recht plötzlich aufgegeben wurde, bleibt Spekulation, denn das Gerät konnte schnell auf- und abgebaut werden und gilt als recht „handlich“. Wahrscheinlich ist es mit der aufkommenden Reiterei ineffizient geworden.

Dauerleihgabe an das Museum

Das römische Feldgeschütz ist eine Dauerleihgabe und in die Ausstellung des Museums integriert. Die Öffnungszeiten sind mittwochs bis samstags von 11 bis 16 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Gruppen nach Vereinbarung; museumspädagogische Betreuung auf Voranmeldung. Die Sonderausstellung „Der pannonische Limes in Ungarn“ ist noch bis Sonntag, 23. April, zu sehen.
Jeden ersten Sonntag im Monat steht Walter Niedermeyr für Fragen zur Funktion und Wirkungsweise des Kriegsgerätes zur Verfügung.