Vorrat aufgestockt: Weil viele Medikamente zeitweilig nicht lieferbar sind, kauft Ariane Maaß von der Brettener Hirsch-Apotheke mehr Arzneimittel ein, als sie aktuell braucht, und legt sie auf Halde. | Foto: bert

Lieferengpass in Bretten

Rund 50 Medikamente sind derzeit nicht zu bekommen

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Die schlechte Nachricht zuerst: „Rund 50 Medikamente sind derzeit nicht lieferbar“, sagt Ariane Maaß von der Brettener Hirsch-Apotheke. Ein Engpass, mit dem derzeit alle Apotheken der Region konfrontiert sind. Die gute Nachricht dazu: In den meisten Fällen gibt es Ersatzpräparate, mit denen der Lieferengpass aufgefangen werden kann. Nach Einschätzung der Apothekerin hat sich die Situation in den vergangenen Jahren verschärft. Maaß kauft deshalb seit geraumer Zeit mehr Medikamente ein, als sie eigentlich benötigt, wenn sie die Befürchtung hat, dass der Nachschub ausbleiben könnte. Ihr Lager ist deshalb voll – auf eigene Rechnung.

Vielfache Lieferschwierigkeiten

Die Apothekerin nennt einige von vielen Präparaten mit Lieferschwierigkeiten: Metronidazol, ein Medikament gegen bestimmte Infektionen – gibt es derzeit nicht. Polio-Impfstoff – aktuell schwierig zu besorgen. Nasentröpfchen für Säuglinge – von bestimmten Firmen gerade nicht lieferbar. Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclophenac – auf die Schnelle nicht zu haben.
„Es gibt zwar Ersatzpräparate, die dürfen wir aber nur weitergeben, wenn das Original nicht verfügbar ist. Und dann müssen wir das dokumentieren“, sagt Maaß, und das sei mit Mehrarbeit für alle Beteiligten verbunden: Der Arzt muss ein neues Rezept ausstellen, der Patient muss es abholen und die Apotheke eben den Nachweis führen.

Vielfältige Gründe

Lieferengpässe sind für die Hirsch-Apothekerin nicht neu, sie hätten aber zugenommen, berichtet sie. Im vergangenen Jahr gab es zeitweise keine Augensalbe, Insulin war streckenweise nicht lieferbar, ein Blutdruckmittel war nur in einer bestimmten Stärke verfügbar, ein Schilddrüsenhormon nicht zu bekommen. „Insulin hatte ich seinerzeit noch auf Vorrat, doch ich musste die Ausgabe rationieren, um alle Blutzucker-Patienten zu versorgen“, erinnert sich Maaß. Statt zehn Spritzen bekamen die Patienten dann eben nur fünf.
Die Gründe für derartige Engpässe sind vielfältig. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte können dies Probleme bei der Herstellung des Präparats, Schwierigkeiten bei der Beschaffung eines Wirkstoffs oder ein geändertes Herstellungsverfahren sein. „In England oder Frankreich bekommen die Pharmafirmen mehr Geld für verschreibungspflichtige Medikamente als in Deutschland“, nennt Ariane Maaß als einen weiteren Grund.

Patientenversorgung gesichert

Und wie stellt sich das Problem in der Rechbergklinik dar? „Wir haben bei fünf bis zehn Präparaten Lieferschwierigkeiten über einen längeren Zeitraum“, sagt Helga Giraud, die für Bretten zuständige Leiterin der Zentralapotheke der Landkreis-Kliniken. Bei Medikamenten, die derzeit nicht zu bekommen sind, könne man auf Ersatzpräparate zurückgreifen, weil die Rabattverträge, an die Apotheken gebunden sind, für Kliniken nicht gelten. Nicht lieferbar sei aktuell das Antibiotikum Piperacillin, für das es weltweit nur zwei Hersteller gibt. Der Brand in einem Werk in China sei der Grund für den Lieferstopp. Das habe aber keine Auswirkungen auf die Patientenversorgung heißt es, weil es Ersatzprodukte mit hinreichend genauen Wirkstoffen gebe.