Deutschlandweit mit vorne: Probleme mit dem Glasfaseranbieter BBV äußern Anwohner der Anne-Frank-Straße in Bretten. Die BBV verspricht Besserung. Oberbürgermeister Martin Wolff sieht Bretten insgesamt im Vergleich gut aufgestellt beim Ausbau.
Deutschlandweit mit vorne: Probleme mit dem Glasfaseranbieter BBV äußern Anwohner der Anne-Frank-Straße in Bretten. Die BBV verspricht Besserung. Oberbürgermeister Martin Wolff sieht Bretten insgesamt im Vergleich gut aufgestellt beim Ausbau. | Foto: Thienes

Glasfaserausbau

Schleppender Ausbau: Glasfaseranbieter BBV gelobt Besserung in Bretten

Anzeige

Buckliges Pflaster nach den Tiefbauarbeiten, lose herumhängende Kabel, mangelnde Kommunikation und fehlender Service – solche Kritik kann sich ein Unternehmen schwerlich leisten. Die BBV, Glasfaseranbieter in Bretten, entschuldigt sich und verspricht Besserung.

Die Breitbandversorgung (BBV) Rhein-Neckar ist BNN-Lesern in Bretten seit 2016 bekannt. Vor vier Jahren im Sommer besuchte Wolfgang Ruh, damals Deutschlandchef der BBV Rhein-Neckar, das Rathaus. Mit der Verwaltung wollte man das Ziel des Ausbaus der Kernstadt und ihrer Stadtteile innerhalb des Jahres 2017 stemmen. Drei Jahre später, im Sommer 2020, sind zehn Prozent der inzwischen 4.000 BBV-Kunden noch nicht angeschlossen – gesteht das Unternehmen zu.

Ziellinie ist September für die Kupferhälde

Tomas Fuchs, Pressesprecher der BBV

„Prinzipiell können wir den Ärger über die Verzögerungen nachvollziehen.“ Man bitte ausdrücklich um Entschuldigung, so BBV-Pressesprecher Tomas Fuchs. „Unser Ziel ist es, alle Kunden im Wohngebiet Kupferhälde bis Ende August spätestens Mitte September am Netz zu haben.“

Auch interessant: Grenzwerte und Vorgaben stoppen den Ausbau von Glasfaser im Landkreis Karlsruhe

Findet BBV keine Tiefbaufirmen?

Hier geht es darum, 65 Anschlüsse ans BBV-Netz zu vollziehen. „Bei 20 weiteren Kunden liegen Glasfaserkabel im Keller und es muss noch der ONT gesetzt werden.“ Diese 85 Kunden hätten „Priorität“. Bis Ende 2020, so habe man der Stadt zugesagt, seien die Anschlüsse alle fertig.

Im deutschlandweiten Vergleich ist der Glasfaserausbau in Bretten mit vorne.

Martin Wolff, Oberbürgermeister der Stadt Bretten

Die für Anschlüsse hinzugekommener Neukunden nötigen Tiefbauarbeiten dauerten laut BBV einige Monate länger. Aber: „Tiefbaufirmen sind schwer zu bekommen“, so Fuchs. Das bestätigt Oberbürgermeister Martin Wolff. Er erläutert, es holpere schon mal, wo Kabel in vorhandene Strukturen gezogen würden. „Insgesamt aber sind wir in Bretten im deutschlandweiten Vergleich mit ähnlichen Städten beim Glasfaserausbau ganz vorne.“

Auch interessant: Glasfaser oder Vectoring: der steinige Weg zum schnellen Internet im Ortenaukreis

BBV-Kunden müssen teiwleise auf Zweianbieter ausweichen

Martin Wolff war 2015 auf die BBV zugegangen, als diese in der Fachzeitschrift „Der Gemeinderat“ in einem Wettbewerb eine Kommune für den Glasfaserausbau suchte. Bretten hatte den Zuschlag erhalten. Die BBV betrieb nach Vorvermarktungsaktivitäten auf eigene Kosten und ohne Fördermittel den Glasfaserausbau, teilt die Stadt mit, denn Breitbandausbau sei keine Pflichtaufgabe.

Bis Mai 2019 passierte gar nichts, erst dann kamen Kabel in die Anne-Frank-Straße

Nada Smoljan, Anwohnerin in der Kupferhälde

Die Beschwerden – immerhin können rund 400 Kunden bislang über die BBV weder telefonieren noch surfen – reichen von lose im Keller baumelnden Kabeln, also nicht angeschlossenen Verteilern, sogenannten ONTs bis hin zu fehlenden Servicequalitäten. Nada Smoljan zahle zwar keine Montagsgebühren, habe aber „ganz schlechte Erfahrungen“ gemacht.

So ging die Familie im März 2020 notgedrungen einen weiteren Vertrag mit einem Zweitanbieter ein, da der Sohn coronabedingt im Homeoffice arbeitete und die BBV nicht voran kam. Die Familie gehört zu den Erstkunden von 2016. „Bis Mai 2019 passierte gar nichts, erst dann kamen Kabel in die Anne-Frank-Straße“, so Smoljan. Als sie im März wegen des Neuvertrags bei der BBV kündigte, habe man ihr frech gesagt, sie müsse dann 800 Euro Anschlusskosten und zwei Jahre Monatsgebühren entrichten.

Auch interessant: Diskussion über 43.260 Euro und Netze BW: Brettener Gemeinderat stimmt Verschiebung zu

Mehrere Vorwürfe wegen mangelhafter Kommunikation der BBV mit Subunternehmen

Solches Vorgehen sei, bezieht die BBV Stellung, „kein Standard … und lasse sich auch nicht nachvollziehen.“ Jede der wenigen Kündigungen werde geprüft und bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen „bestätigt“, es gebe „keine finanziellen Forderungen.“

Manche Vorwürfe beziehen sich auf mangelhafte Kommunikation BBV-intern. So habe die BBV auf Kundenfrage nicht gewusst, was die Bauarbeiter ihrer Subunternehmer vor Ort fertiggestellt hätten. Längst hätten Anschlüsse aktiviert werden können, als Kabel im Haus lagen.

Hätten wir das selbst gemacht, hätte das sicher zehn Jahre gedauert

Martin Wolff, Oberbürgermeister der Stadt Bretten

Zwei Anrufer sagen, die Straße präsentiere sich sich zweifarbig und bucklig – alles andere als ordentlich hergerichtet nach den Tiefbauarbeiten. Es ist ein weiterer Punkt und kommt gefühlt bei den Anwohnern obendrauf auf ihren Ärger., auch wenn es sich vor Ort nicht gravierend darstellt und auch die Mehrzahl der Beschwerdeführer, die in Netzwerken heftig klagten, meldeten sich trotz Kontaktaufnahme nicht bei den BNN.

Die verbleibenden Drei fühlten sich allein gelassen. „Die Stadt hätte besser die Stadtwerke beauftragen sollen“, sagt ein Anrufer. Er bezieht sich auf Mai 2018. Damals war fraglich, ob die BBV ausreichend Verträge schließen würde.

Auch interessant: Veranstaltungsabsagen wegen Corona: Gibt es noch Lichtblicke im Landkreis Karlsruhe?

Die Stadtwerke hatte der OB damals ins Gespräch gebracht. Heute sagt er: „Hätten wir das selbst gemacht, hätte das sicher zehn Jahre gebraucht“ – auch wegen der Tiefbauarbeiten.“

Auf Frage an die BBV nach anderen Wohngebieten – solche gebe es laut Beschwerdeführern in Diedelsheim, im Gebiet In der Wanne oder Bretten-Nord – mit ähnlichen Problemen, sagt Fuchs: „Selbstverständlich wollen wir zeitnah auch in allen anderen noch anzuschließenden Wohngebieten beginnen“ – Ziel sei das Jahresende.