Badespaß im Grünen: Das Flehinger Naturerlebnisbad hat in der abgelaufenen Saison 12.231 Besucher gezählt. Es hätten mehr sein können, wenn das Gesundheitsamt das Bad nicht dreimal wegen Überschreitung von Grenzwerten geschlossen hätte. | Foto: Antoni

Durchwachsene Saisonbilanz

„Schließung des Flehinger Bads hätte nicht sein müssen“

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Trotz Jahrhundertsommer fällt die Saisonbilanz für die Oberderdinger Freibäder  durchwachsen aus. Das hat aber weniger mit der Besucherfrequenz und der Kundenzufriedenheit zu tun als vielmehr mit gravierenden Personalengpässen und – aus Sicht der Gemeindeverwaltung – mit schwer nachvollziehbaren Entscheidungen des Kreisgesundheitsamts. Die Behörde hatte nämlich im Sommer dreimal die Schließung des Flehinger Naturerlebnisbads für insgesamt 24 Badetage angeordnet, weil bestimmte Grenzwerte nicht eingehalten wurden.

Ärger über Schließung

„Diese Schließung hätte nicht sein müssen“, ärgert sich Dieter Motzer, der Oberderdinger Gemeindekämmerer, der auch für die Bäder zuständig ist, heute noch. „Würde sich das Bad in Niedersachsen befinden, dann wäre es zu keiner Zeit geschlossen worden“, bekundet der Bäderchef. Selbst das Landesgesundheitsamt habe angesichts der überschrittenen Grenzwerte keine Schließung des Bades empfohlen, sondern lediglich hygienische Maßnahmen und einen geeigneten Hinweis für die Badegäste. So aber seien die Schließungen für die Badegäste und den Kioskbetreiber sehr ärgerlich gewesen und bedeuteten für die Gemeinde neben dem enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand auch einen großen Imageschaden.

Problematischer Grenzwert

Ute Antoni, die Vorsitzende des Fördervereins 77plus des Flehinger Schwimmbads, sieht das nicht anders. Die „typisch deutsche Bürokratie“ habe hier zugeschlagen angesichts eines Grenzwerts von zehn KBE (Koloniebildende Einheiten) je 100 Milliliter für den Keim Pseudomonas aeruginosa. Dieser Grenzwert sei überhaupt nicht einzuhalten, sagt Antoni und verweist darauf, dass die Weltgesundheitsorganisation den Grenzwert für diesen Keim im Trinkwasser mit 100 KBE beziffere. In Niedersachsen liege der Grenzwert für die Bäder ebenfalls bei 100. Und die Gemeinde Herrenberg habe sich mit dem zuständigen Gesundheitsamt gleichfalls auf diesen Wert geeinigt. Bei Proben sei dort der Wert 50 gemessen worden. Das Bad blieb aber offen, und die Besucher wurden über den Messwert informiert. In Flehingen hingegen wurde das Bad bereits bei Werten von 20, 31 und 27 im Schwimmerbereich geschlossen. Gleichwohl sollte die Gemeinde die Angelegenheit künftig transparenter handhaben: „Die Flehinger hätten mehr Verständnis, wenn sie wüssten, woran sie bei einer Schließung sind“, meint Ute Antoni und plädiert für bessere Informationen. „Die Baggerseen sind viel stärker mit diesem Keim belastet, doch die Leute denken, das Bad sei geschlossen worden, weil es umgekippt sei.
Abgesehen von den Schließungen sei die Saison jedoch sehr gut verlaufen. Und mit dem Umstand, dass die Zahl der Badegäste nicht ganz so hoch war, wie im Vorjahr, sei man im Blick auf die Hauptklientel – Familien mit kleinen Kindern und Senioren – nicht unzufrieden. Denn die seien durchaus froh, wenn das Bad nicht so brechend voll sei.

Schwierige Personalsituation

Das zweite große Problem, das die Gemeindeverwaltung in der abgelaufenen Badesaison viel Zeit, Kraft und Nerven gekostet hat, war die angespannte Personalsituation in den Bädern. Ein Mitarbeiter sei jetzt schon die dritte Saison krank, ein weiterer für Wochen ausgefallen, so dass man die Bäder nur mit Unterstützung aus Bretten und verkürzten Öffnungszeiten habe in Betrieb halten können, sagt Dieter Motzer. Der Vertrag mit den Brettener Stadtwerken laufe allerdings zum Jahresende aus, so dass die Gemeinde im kommenden Jahr ihr eigenes Personal einsetzen wird. Dies ist allerdings kein allzu großes Problem, da das Oberderdinger Freibad wegen der anstehenden Generalsanierung gar nicht geöffnet wird. Die läuft übrigens bereits im Herbst mit Abbrucharbeiten an. 5,2 Millionen Euro soll die Runderneuerung kosten, 1,5 Millionen gibt es als Förderung.

Dringender Gesprächsbedarf

Dringenden Gesprächsbedarf sieht der Oberderdinger Kämmerer allerdings im Blick auf künftigen Umgang mit den Grenzwerten. Darum soll es in Bälde einen Runden Tisch mit Vertretern des Landesgesundheitsamts, der Gesundheitsbehörde des Landkreises, dem Ersten Landesbeamten, dem Planer des Naturbads und einem externen Sachverständigen geben. Der hatte bereits im Sommer zum Flehinger Fall erklärt, dass die übliche fachliche Praxis bei Überschreitung von Grenzwerten in Freibädern mit biologischer Wasseraufbereitung nicht die Schließung, sondern eine Nachbeprobung sei, bevor man an eine Sperrung denke. Denn in den meisten Fälle ergäben die Nachbeprobungen dann keine Belastungen mehr. Im übrigen verweist er auf Niedersachsen, wo man den Grenzwert auf 100 angehoben habe. Dies soll auch laut Ute Antoni das Ziel der Gespräche am Runden Tisch sein.
Termin

Über die abgelaufene Freibadsaison informiert die Gemeinde Oberderdingen in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstag, 25. September, 19 Uhr.