Den Betrieb eingestellt hat seit Montag auch der Brettener Kinostar, in dem somit die Leinwände vorerst bis zum 19. April dunkel bleiben.
Den Betrieb eingestellt hat seit Montag auch der Brettener Kinostar, in dem somit die Leinwände vorerst bis zum 19. April dunkel bleiben. | Foto: Bindschädel

Sämtliche Sitzungen abgesagt

Schulunterricht läuft während der Corona-Zwangspause online weiter

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Die für diesen Dienstag anberaumte Gemeinderatssitzung in Oberderdingen ist abgesagt – und mit ihr sämtliche anderweitigen Sitzungen der Gemeinde bis 19. April. „Wir haben das auch so mit dem Landrat besprochen“, teilt Bürgermeister Thomas Nowitzki auf Nachfrage mit.

Für wichtige Beschlüsse könne man das Gremium dennoch zusammenrufen oder eine Entscheidung per Umlauf treffen. Und den Ältestenrat könne man auch per Telefonkonferenz in die Entscheidungen einbinden. Doch aktuell stehe nichts auf der Tagesordnung, was nicht auch in vier Wochen behandelt werden könnte, so der Bürgermeister weiter.

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Abgesagt sei auch – ebenfalls als Vorsichtsmaßnahme – das für Mittwoch angesetzte Treffen der Bürgermeister, die würden in der aktuellen Situation vor Ort gebraucht. Und auch die Einweisung der Oberderdinger Gemeinderäte in das neue digitale Ratsinformationssystem wurde vorerst gestrichen.

Notbetreuung für Kinder sichergestellt

Eine größere Herausforderung war am Montag, die Notbetreuung für die Kinder sicherzustellen, wenn beide Eltern bei Polizei, Feuerwehr oder in Krankenhäusern arbeiten. Damit soll die Grundversorgung der Bürger sichergestellt werden.

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Nach den Vorstellungen des Landes sollen die Kindergartenkinder sowie die Fünft- und Sechstklässler in ihren jeweiligen Einrichtungen und Schulen betreut werden. „Nach den bisherigen Rückmeldungen sind die Zahlen nicht übermäßig groß“, berichtet Nowitzki. Man werde versuchen, Gruppen mit bis zu fünf Kinder zu bilden, gegebenenfalls aber auch Kinder aus verschiedenen Kitas zusammenfassen.

Zahlen in überschaubarem Rahmen

In Bretten und in Gondelsheim praktiziert man dieses Vorgehen ähnlich, zumal sich auch hier die Zahlen in einem sehr überschaubaren Rahmen bewegen. Brettens Oberbürgermeister Martin Wolff wartet zwar noch auf die genaue Zahl, geht aber davon aus, dass nicht mehr als 15 bis maximal 20 Kinder diese Notbetreuung in Anspruch nehmen.

Das könne man anhand der Zahlen, die man bei Städten und Gemeinden mit vergleichbarer Größe angefragt habe, sagen. In Gondelsheim benötigt Stand jetzt sogar nur ein Kind eine Betreuung, sagt Bürgermeister Markus Rupp den Brettener Nachrichten.

Rathäuser und Ortsverwaltungen geschlossen

Derweil bleiben die Rathäuser in Bretten und Gondelsheim sowie die jeweiligen Brettener Ortsverwaltungen vorerst geschlossen. Telefonisch sind jedoch alle dieser Verwaltungseinrichtungen erreichbar. „Man muss hierbei einfach auch an die eigenen Leute denken“, betont Rupp, während Wolff versichert: „Der Notbetrieb in den Rathäusern muss gewährleistet sein – und das ist auch der Fall.“

Das Oberderdinger Rathaus soll für dringliche Anliegen ebenfalls geöffnet bleiben, das Bürgerbüro steuert, wer ins Haus darf. Sämtliche kommunalen Einrichtungen bleiben zunächst bis zum 19. April geschlossen, das wurde mit am Wochenende erlassenen Allgemeinverfügungen für die Melanchthonstadt, Gondelsheim, Oberderdingen und Knittlingen festgelegt.

Kinostar Bretten legt ebenfalls eine Pause ein

Seit Montag ist – vorerst ebenfalls bis zum 19. April – auch der Brettener Kinostar geschlossen, Theaterleiter Lars Skoda hat bereits alle Filmplakate abgehängt. Ab diesem Dienstag bleiben zudem sämtliche BNN-Geschäftsstellen für den Publikumsverkehr bis auf weiteres geschlossen.

Abgesagt sind laut Nowitzki und Rupp auch Taufen und Eheschließungen, standesamtliche Trauungen seien jedoch mit bis zu fünf Personen weiterhin möglich. Auch Bestattungen sollen stattfinden, allerdings nur im Freien.

„Alles mit Augenmaß“

„Alles mit Augenmaß“, lautet die Devise des Oberderdinger Gemeindeoberhaupts, dem eine andere Sache Sorgen bereitet. „Am Sonntag saßen 150 Leute vor der Eisdiele eng beisammen, als sei nichts gewesen“, berichtet Nowitzki, der Ernst der Lage sei offenkundig noch nicht bei allen angekommen.

Diese Einschätzung deckt sich jedoch nicht mit Rupps Beobachtungen in Gondelsheim. „Hier sind die Menschen mittlerweile doch sehr vorsichtig“, meint Rupp.

Schulen geben Arbeitsaufträge an die Schüler

Derweil lief an den Brettener Schulen der letzte Tag vor der Corona-Zwangspause. „Unsere Lehrer hatten Gelegenheit, ihren Schülern Arbeitsaufträge und Materialien mit nach Hause zu geben“, informiert Elke Bender, die Schulleiterin des Melanchthon-Gymnasiums.

Gleiches gilt auch für die anderen Brettener Schulen. Die meisten Lehrer hätten deshalb übers Wochenende durchgearbeitet, zwischendurch sei auch das Kopierpapier ausgegangen, berichtet Bender weiter. Über den Onlinedienst Messenger hätten die Lehrer überdies die Möglichkeit, mit ihren Schülern zu kommunizieren und Fragen zu beantworten.

Dass der Server dabei mitunter in die Knie geht, sei schon aufgefallen: „Man arbeitet aber gerade landesweit daran, dass die Kapazitäten entsprechend aufgestockt werden.“

Abitur planmäßig ab dem 22. April

Das Abitur geht laut Bender planmäßig ab dem 22. April über die Bühne. „Es ist schon blöd, dass wir bis dahin keinen Unterricht mehr haben“, ist von zwei Abiturientinnen zu erfahren, ihre Stimmung ist dennoch gut.

Die Notfallbetreuung der Fünft- und Sechstklässler soll im Altbau stattfinden, ansonsten ist die Schule komplett geschlossen.