Zu lange Blechwände erschwerten den Kröten, Fröschen und Molchen die Ankunft in den Tunneln, moniert Naturschützer Ernst Frey. Jedes Jahr hilft er den Amphibien, den Weg ins Laichgebiet zu finden.
Zu lange Blechwände erschwerten den Kröten, Fröschen und Molchen die Ankunft in den Tunneln, moniert Naturschützer Ernst Frey. Jedes Jahr hilft er den Amphibien, den Weg ins Laichgebiet zu finden. | Foto: Hoffmann

Amphibienwanderung an der B 3

Schutzanlagen weisen Mängel auf

Von Simon Hoffmann

Seit über 40 Jahren ist Ernst Frey Naturschützer aus Überzeugung. Ehrenamtlich hilft er jedes Jahr während der Amphibienwanderung beim Einsammeln der Tiere, damit diese sicher in ihrem Laichgebiet ankommen. Sein Haupteinsatzgebiet ist dabei die B 3 zwischen Weingarten und Grötzingen – der Kernpunkt der Jungtierwanderung in Richtung Weingartener Moor. „Schon letzte Wochen kamen Hunderte Tiere am Tag an den Leitsteinen an, um zum Moor zu gelangen. Das war schon fast die komplette Jungtierwanderung“, erzählt er aufgebracht. An den Leitsteinen sollen die Tiere am Straßenrand in die Einfallschächte der Schutzanlagen fallen, um sicher auf die andere Straßenseite zu gelangen.

Bauliche Fehler erschweren den Tieren den Weg

In der Theorie eigentlich kein Problem, schließlich wurden die Schutzsysteme erst voriges Jahr fertiggestellt. Aber Frey moniert Mängel an den neuen Anlagen. Vermeidbare bauliche Fehler, zu steile Anstiege der Leiteinrichtungen oder zu lange Blechwände erschweren den Tieren die Ankunft in den Tunneln. „Schon voriges Jahr haben wir auf die Defizite aufmerksam gemacht, leider ist bis jetzt nichts gemacht worden,“ so Frey.

Schlosserei fertigt neue Teile

Uwe Herzel vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) bestätigt, dass das bekannt sei. „Wir sind an dem Problem dran, eine Schlosserei beschäftigt sich schon mit der Fertigung der neuen Bleche.“ Eine zeitnahe Umsetzung sei vonseiten des RP angestrebt. Spätestens in drei Wochen soll alles realisiert sein. Auch eine kurzfristige Lösung sei geplant. Denn es sei Eile geboten, wie Kreisökologe Hans-Martin Flinspach betont. „Spätestens im Laufe der Woche wird es nochmal richtige Wander-Schübe geben.“
Mit dem Temperaturanstieg nimmt nämlich die Wanderung der verschiedenen Amphibien nochmal an Fahrt auf. Bereits in der vergangenen Woche waren etliche Jungtiere aufgebrochen. Die Tiere machen sich auf den Weg zu ihrem Geburtsort, um dort ihre Eier abzulegen. Zumeist bei Nacht, weil durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit geringere Austrocknungsgefahr besteht.

Einer von Tausenden: Auch dieser Frosch machte sich auf den Weg ins Weingartener Moor.
Einer von Tausenden: Auch dieser Frosch machte sich auf den Weg ins Weingartener Moor.

Der Wanderungsbeginn ist nicht mehr zu kalkulieren

Eine Faustregel für den Beginn der Amphibienwanderung, wonach diese zumeist erst zwischen Februar und Mai beginne, gibt es für Ernst Frey nicht. „Auch voriges Jahr waren die Tiere schon im Januar unterwegs, von daher ist das Quatsch.“ Man müsse sich hier dem Klimawandel anpassen. Kreisökologen Flinspach berichtet: Im Verlauf der vergangenen 15 Jahre sei es immer wieder zu früheren Wanderungen gekommen, teilweise schon im September oder Oktober.

Diese teils gravierenden Unterschiede bestätigt auch Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg: „Ab einer bestimmten Temperatur und Nieselregen geht die Wanderung sprunghaft los.“ Dies sei ab ungefähr fünf Grad Celsius der Fall – voriges Jahr im Gebiet zwischen Weingarten und Grötzingen beispielsweise schon in der ersten Januarwoche, wie Hans-Martin Flinspach verrät. Um die Ausgangslage zu verbessern, spiele man mit dem Gedanken an alternative Zwangsführungen. Uwe Herzel bestätigt das. „Die Möglichkeiten zu einer besseren Führung sind im Regierungspräsidium bekannt, wir versuchen das so schnell wie möglich zu finalisieren.“ Das Hauptproblem für Hans-Martin Flinspach ist aber der fehlende Wanderungsdruck der Tiere, da dieser wegen der größeren Entfernung zum Moor an den Schutzanlagen noch nicht so ausgeprägt sei.

Bedrohte Tierarten

Neben Kröten und Springfröschen machen sich in Weingarten auch sehr bedrohte Tierarten, sogenannte FFH-Arten, auf die Wanderung zum Moor auf: beispielsweise stecknadeldünne Kammmolche, Knoblauchkröten und Salamander. Für Ernst Frey sind die unfertigen Anlagen eine unnötige Bedrohung für diese Tiere. Er wird wie auch Hans-Martin Flinspach bei Beginn der Amphibienwanderung wieder mit anderen engagierten ehrenamtlichen Sammlern vor Ort sein, um den Tieren bei der sicheren Überquerung zu helfen, um somit den außergewöhnlichen Bestand an Amphibien im Weingartener Moor zu erhalten. Die Agenda-Gruppe „Natur und Umwelt“ in Stutensee stellt ihre Schutzzäune übrigens am 25. Februar auf, um mit dem Sammeln zu beginnen.e