Beim Fahrsicherheitstraining, wie sie beispielsweise der ADAC oder der TÜV Süd anbieten, erhalten Seniorinnen und Senioren ehrliche Rückmeldung über ihr fahrerisches Können oder sie lernen auch ihr Auto besser kennen. Fahrlehrer empfehlen dies vor allem nach dem Kauf eines neuen Wagens.
Beim Fahrsicherheitstraining, wie sie beispielsweise der ADAC oder der TÜV Süd anbieten, erhalten Seniorinnen und Senioren ehrliche Rückmeldung über ihr fahrerisches Können oder sie lernen auch ihr Auto besser kennen. Fahrlehrer empfehlen dies vor allem nach dem Kauf eines neuen Wagens. | Foto: ADAC/Nils Hendrik Müller

Ticket statt Führerschein?

Seniorenrat Bretten: Beim Senioren-Fahr-Test gilt Vertraulichkeit

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Als museumsreif bezeichnete ein Polizist seinen Führerschein bei einer Verkehrskontrolle, erzählt Hans Martin Leichle. Der 81-jährige Vorsitzende des Brettener Seniorenrats hat noch den ersten „Lappen“. Er hat für die Sitzung des Seniorenrats am heutigen Donnerstag eine Überraschung im Gepäck: Am 23. März geht es für zehn Teilnehmer zum Fahr-Fitness-Training des ADAC. Im letzten Teil der BNN-Serie „Senioren am Steuer“ beleuchtet Redakteurin Irmeli Thienes manche Hürde, die ältere Menschen vom Verzicht auf den Führerschein abhält sowie diverse Angebote von Fahr-Fitness-Checks bis zu Seniorentickets.

Beim Fahr-Fitness-Training erhalten Senioren Feedback über ihr Können und müssten nicht fürchten, an behördliche Stellen gemeldet zu werden, versichert Fahrlehrer Herbert Trenkle. Diese Vertraulichkeit gelte auch bei Tests des TÜV Süd, so Verkehrspsychologe Axel Uhle, Mitglied der Geschäftsleitung.  Bei beiden Organisationen verschaffe man sich Eindruck von der körperlichen und geistigen Fitness.

Einige kommen auf Anraten ihrer Kinder

Herbert Trenkle, Fahr-Fitness-Trainer

Trenkle betrachtet auch die Autos der Teilnehmer. „Das sagt manchmal auch etwas aus.“ Wer zu seinem rein freiwilligen Kurs komme, könne in der Regel durchaus fahren. „Auf einer gemeinsamen Strecke verwickle ich den Fahrer ins Gespräch,“ so Trenkle. Daran erkenne er, wie die Ablenkung bewältigt werde. Einige kommen auf Bitte ihrer Kinder oder nach dem Kauf eines neuen Wagens. „Sinnvoll“, so Trenkle.

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Wenn der Schulterblick schwerer fällt

Denn moderne Technik biete oft Unbekanntes, wie den Lane-Assistant, also den Spur-Halte-Assistenten oder einen Assistenten für den toten Winkel. Daneben lernen die Teilnehmer Kniffe kennen. So helfe ein Fahrlehrerspiegel, wenn der Schulterblick schwerer fällt.

Anders als der ADAC für ganz Deutschland bekannt gab, präsentieren sich die Unfallzahlen des Polizeipräsidiums Karlsruhe von 2019 zu Verursacher-Quoten bei Menschen über 65 Jahren im Bereich Bretten. Laut ADAC verursachten junge Fahrer häufiger Unfälle als ältere.

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Unfallverursacher über 65

Im Raum Bretten aber wurden 61,9 Prozent der Unfälle, an denen Senioren beteiligt waren, von diesen selbst verursacht. Zu 71,4 Prozent verursachten sie Unfälle, bei denen es Verletzte gab. Bei jungen Fahrern waren dies 59,3 Prozent, beziehungsweise 69,8 Prozent mit Verletzten. Erwachsene zwischen 25 und 64 Jahren verursachten 55,8 Prozent der Unfälle; 65,4 Prozent mit Verletzten.

Im Raum Bruchsal sind die Unfallquoten bei Senioren noch etwas höher mit 60,2 Prozent selbst verursachten Unfällen, 87,5 Prozent mit Verletzten.

Mehr Klarheit übers eigene Urteilsvermögen

Hans Martin Leichle, Seniorenratsvorsitzender Bretten

Als gute Idee bezeichnet Hans Martin Leichle die Fahr-Fitness-Checks. Sich von der Gewohnheit zu verabschieden, das eigene Auto stets verfügbar zu haben, sei schwer. Aber die Tests brächten zumindest mehr Klarheit übers eigene Urteilsvermögen. Der Seniorenratsvorsitzende berichtet aber auch von Hürden vor der Führerscheinabgabe.

Kleinere Strecken seien beispielsweise dann nur noch schwer zu bewältigen. Die ÖPNV-Abdeckung sei lückenhaft, so Leichle, und Taxis in Bretten schwer zu kriegen. Viele seien auf Flughafen- oder Krankenfahrten spezialisiert. „Die großen Reisen“, so Leichle, „lassen sich ja organisieren.“ Aber für kurze Alltagsstrecken fahre oft kein Bus vom Ort draußen zu Verwandten oder zu Abendveranstaltungen oder wenn man kurzfristig zum Arzt müsse.

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Shuttle-Bus per App

Im Wissen darum testet der KVV derzeit sogenannte On-demand-Shuttle-Angebote – Busse, die man per Handy-App ruft. Seit Juni in Ettlingen und seit Dezember in Linkenheim-Hochstetten und Graben-Neudorf ließen sich die Tests laut KVV gut an. Die Shuttles fahren mehrere Haltestellen an. Diese sind virtueller Art, werden also in der App genannt.

„Ich nutze mein Handy halt zum Telefonieren“, sagt Leichle. Aber wer 20 Jahre jünger sei, nutze das ja eventuell. Meist halten die Shuttles an markanten Punkten wie dem Marktplatz oder bei der Metzgerei. Die Kosten der Tests trage der Landkreis.

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2.870 Senioren tauschten bislang ihren Führerschein ein

Der KVV bietet zudem das Ticket 65 plus. Wer den Führerschein abgibt, kann ein halbes Jahr lang Busse und Bahnen kostenlos im ganzen KVV-Netz nutzen. Im Jahr kostet es dieses sonst 576 Euro (48 Euro je Monat). Leichle: „Ich glaube nicht, dass das Ticket 65 plus eine entscheidende Verlockung in dem ganz eigenen Prozess des Abschieds vom Führerschein ist.“ 2008 tauschten 2.870 Senioren ihren Führerschein gegen das Ticket 65 plus. Das kann jeder ab dem 60. Lebensjahr bei Vorlage eines gültigen Rentenbescheids.