Am Topf fühlt sie sich wohl: Konny Joaquim bekocht nach bewegten Jahrzehnten ihres Lebens nun Brettener und Gäste von überall her.
Am Topf fühlt sie sich wohl: Konny Joaquim bekocht nach bewegten Jahrzehnten ihres Lebens nun Brettener und Gäste von überall her. | Foto: Thienes

Wohnzimmer-Lokal in Bretten

Konny Joaquim kocht im „Carpe Diem“: „Sterneküche? Das kann ich auch“

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Sport, Gesang, Kochen und eigene Kinder-Kochbücher schreiben – die gebürtige Knittlingerin Konny Joaquim liebt das pralle Leben. Und auch Vegetarier sind in ihrem Wohnzimmer-Lokal, dem Brettener Carpe Diem, gern gesehene Gäste.

Die meiste Zeit brachte sie beim Turnverein TV Bretten Kinder auf Trab, aber auch Senioren. Bei Neff war sie für die „bewegte Pause“ zuständig. „Damit das Hirn besser funktioniert“. Sie tippt sich an die Stirn. Das brachte einige Bekanntheit im Städtchen mit sich. Sie habe so viele Pläne, dass sie hundert Jahre alt werden müsse, sagt die 60-jährige Konny Joaquim. Wenn sie so breit lächelt, verschwinden ihre Augen fast.

Plötzlicher Abschied schmerzte

Zwischen Freundlichkeit und Lächeln tauchen aber doch auch mal Sorgenfalten auf. Ihr wurde der plötzliche Abschied aus dem TV-Trainer-Dasein übel genommen. „Ich weiß, es kam plötzlich. Aber es war privat bedingt und wichtig. Es ging einfach nicht anders.“ Sie schwenkt um, erzählt lieber, wie dankbar sie ist für die Menschen um sie herum. Da halte sie es mit dem Dalai Lama.

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Willkommen, sagen die geöffneten Arme Konny Joaquims in ihrem Wohnzimmer-Lokal, dem Carpe Diem in Bretten.
Willkommen in der „guten Stube“ in Bretten, sagen die geöffneten Arme Konny Joaquims. | Foto: Thienes

Konny Joaquim will das Leben feiern, hat sie sich geschworen, seine pralle Fülle ausloten, auskosten. Mitnehmen, was geht. Sie singt und liebt es zu tanzen. Sie gab bei Aqua-Jogging-Kursen schon mal melodisch den Takt vor. Einmal verhalf ihr Jay Alexander, der Neulinger Tenor, für ein Ständchen zum richtigen Dreh bei Hildegard Knefs „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“. Obendrein backt Konny Joaquim begeistert.

Süße Lümmel bringen Gemütlichkeit

Und probieren kann man die naschbaren Ergebnisse in ihrem heimeligem Wohnzimmer-Lokal. Ja, man dürfe ihr „Carpe Diem“ in Bretten so nennen. Zwei herumlümmelnde Kerlchen tragen hier gelegentlich zu familiärer Gemütlichkeit bei: Ihre Enkel Jamain und Luca machen auf der Eckbank Hausaufgaben. Und auch Enkelin Eliz schaut immer mal rein mit ihrer üblichen Frage: „Gibt es heute Käsespätzle, Oma?“

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Peinliche Torte

Manchmal finden Schulpraktika bei ihr statt, auch für Kinder mit Handicap. Die Schulen hätten sie getestet, da sie keinen Meistertitel habe, sagt die gebürtige Knittlingerin.

Dann fällt ihr etwas ein – die Peinlichkeit ihrer ersten Hochzeitstorte. „Ich hätte das Rezept anpassen müssen.“ Der doppelt-dicke Mürbteig-Boden geriet zur Herausforderung. Das Brautpaar konnte ihn fürs obligatorische Bild trotz vereinter Kräfte nicht durchhebeln. „Die Braut vergab mir zwar,“ sagt Konny, aber sie bedauert es immer noch, obwohl alles oberhalb des Bodens „sehr lecker war“.

Die Liebe im Schwimmbecken gefunden

Joaquim organisiert auch gern: mal ein Candle-Light-Dinner, mal ein Familienfrühstück für 25 Personen im 25-Quadratmeter-Lokal oder eine private Kitchen-Party für 35 Köpfe. Da war sie froh, den Salon ihres portugiesischen Mannes Antonio nebenan nutzen zu können und ihn als Helfer gleich mit.

Konny lernte Antonio Joaquim 19 Jahre zuvor durch ein Beinahe-Drama kennen. Sie hatte beim Schwimmen einen asthmaähnlichen Anfall. Er zog sie aus dem Becken und sie dankte ihm dafür bei einem Wein. Da funkte es. Wie bei ihr nicht anders zu erwarten, machte sie ihm später den Heiratsantrag. Sie schlägt kichernd die Hände vors Gesicht.

Spätzle zu Garnelen

Doch Passion Nummer zwei nach Antonio ist das Kochen. Sie kreiert und catert mit Liebe, mit regionalen Zutaten meist Badisch-Schwäbisches in ihrer professionell ausgestatteten Küche. „Na ja, ich bräuchte gerade Sponsoren für Ersatzgeräte.“ Manchmal findet sich „ein Hauch von mediterran“ auf ihren Tellern. Gelernte Köchin ist sie nicht, aber sie hospitierte über Jahre wiederholt bei ihrem Freund Manfred „Freddy“ Schühlein aus Lenzkirch am Titisee.

Heute hat ihr Bacalhau, portugiesisch zubereiteter Kabeljau, seine Fans oder ihre Spätzle gesellen sich zu Garnelen und saisonalem Gemüse vom Hofladen. Ihre Aioli komme „hundertprozentig an“, wie auch ihr Pasteis de Nata, ein Dessert, ähnlich einem Vanillepudding.

Noch mehr Bücher und Kochkurse

Der erste Gedanke ans eigene Lokal keimte nach einem flotten Spruch. Bei einer noblen Veranstaltung mit Buffet eines Sternekochs blieb dieses unter ihren Erwartungen. Sie kommentierte: „Das kann ich auch“, woraufhin andere im Umfeld den Beweis einforderten, sie ermunterten, vor allem ihre mittlere Tochter Sabrina. Und das macht Joaquim nun seit gut sieben Jahren.

So gibt es mit Schweizer Käse gratinierte Semmelknödel, Gemüseeintopf und anderes mehr. Sie unterbricht sich selbst: „Auswandern will ich dann mit 70 noch und in Portugal dann dasselbe machen wie jetzt hier, aber vor allem noch mehr Kinder-Kochbücher veröffentlichen und Kinderkochkurse geben“. Und dass das ernst zu nehmen ist, belegt ein bereits erschienenes Kochbuch – erhältlich in der Pforzheimer Straße 34 in ihrer „guten Stube“.