Zwei Männer mit Filmrollen
Elf alte Filmrollen hat Siegfried Steinmetz (links) jüngst am den Leiter der BNN-Lokalredaktion Bretten, Thilo Kampf, übergeben. Darauf sind Aufnahmen mit dem ehemaligen Ski-Ass und Schauspieler Toni Sailer zu sehen. | Foto: BNN

Ein Film und seine Geschichte

Siegfried Steinmetz findet Filme: Toni Sailer und das Brettener Nachtleben

Anzeige

Einen – möglicherweise spektakulären – Fund hat jüngst Siegfried Steinmetz aus Kürnbach gemacht: Als er in den BNN von der Aktion „Zurückgespult“ las, fiel ihm ein, dass auf dem Dachboden seines Hauses auch noch ein Schatz schlummert: Elf kiloschwere Filmrollen aus den späten 1960er-Jahren. Die hat er in der Brettener BNN-Redaktion übergeben – und eine packende Story gleich dazu geliefert.

Steinmetz findet Filme – Rotlichtgröße als Auftraggeberin

Aber der Reihe nach: Die Filmrollen entstanden vor 1970 als Auftragswerk einer legendären Karlsruher Rotlichtgröße – Margarete Reinhardt. Die Dame, die fünf Nachtlokale betrieb (darunter die „Hawaii-Bar“ in der Kapellenstraße und das „Pa-Pa“ in der Kaiserpassage) und den ersten Cadillac im Karlsruhe der Nachkriegsjahre fuhr, hatte ein Faible für Toni Sailer. Das war ein österreichischer Skirennläufer (der unter anderem drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1956 in Cortina d’Ampezzo gewann) und Schauspieler („Der schwarze Blitz“).

 

Skifahrer Toni Sailer
Sieben olympische Goldmedaillen erfuhr sich in den 50er-Jahren Toni Sailer, eine österreichische Ski-Legende, die später als Schauspieler bekannt wurde. | Foto: dpa

„Schlüpfriges“ mit Toni Sailer?

Mit Sailer seien mindestens zwei Filme gedreht worden, erzählt Steinmetz, darunter ein „Heimatfilm“. Was sonst auf den Rollen ist, wisse er nicht. „Das könnte auch was Schwülstiges sein.“ Vielleicht so etwas wie die „Report“-Serien, mit denen man das damalige Fernsehpublikum wieder in die Kinos locken wollte.
Wie auch immer: Die Filme floppten – und verschwanden in der Versenkung.

Schüsse im Brettener Nachtlokal

Margarete Reinhardt hatte zwischenzeitlich ihr Engagement auch auf Bretten ausgedehnt: Im einstigen „Deutschen Kaiser“, gegenüber vom Bahnhof, wo die Metzgerei Deuerer residierte, hatte sie ein Nachtlokal eingerichtet – den „Scotch-Club“. Selbstverständlich ohne Prostitution, wie sich Steinmetz schmunzelnd erinnert, denn die war ja verboten…
Er selbst habe das Brettener Etablissement beruflich besucht – Steinmetz stellte dort, wie auch in den anderen Karlsruher Bars, Spielautomaten auf. „Einmal hat in Bretten einer der Geschäftsführer offenbar nicht verkraftet, dass er Geld verloren hatte und auf das Gerät geschossen. Ich hab ihm das damals aufs Gesicht zugesagt, aber das wurde alles nie aufgeklärt.“

Rechnungen immer bar bezahlt

Die „Chefin“, der der Ruf vorauseilte, sie sei habe ein großes Herz, sei aber etwas zu gutgläubig, erwarb zwischenzeitlich ein Haus in Jöhlingen, wo sie ihren Sohn einquartierte. Und den Cadillac. Die Filme („Ich kann mich an einen Stapel voller Rechnungen für Regie oder Kamera oder Schauspieler erinnern, die wurden immer bar beglichen“) müssen ein Vermögen gekostet haben – und Margarete Reinhardt landete schließlich bettelarm wegen einer Falschgeldaffäre vor Gericht. Der damalige Vorsitzende Richter verurteilte die Barbesitzerin mit dem „ebenso legendären wie guten Ruf“ (so zitierten ihn die BNN seinerzeit) zu 15 Monaten Freiheitsstrafe. Zuvor hatte Reinhardt ihre Etablissements schließen müssen – darunter auch die „Hawaii-Bar“ in Karlsruhe (wo heute das „kap“ untergebracht ist). Beim Ausräumen half ihr Siegfried Steinmetz – und der dachte sich, „ich nehme die Filme lieber mit, bevor die im Container landen“.

Filme werden jetzt in Filmwerkstatt gesichtet

Seither schlummern die Schätze in Kürnbach – und werden jetzt von der Bielefelder Filmwerkstatt gesichtet und digitalisiert. Ob sie Verwendung für die DVD-Edition „Zurückgespult“ finden, mit der die BNN das regionale Geschehen zwischen den 1930er und 1990er-Jahren abbilden will, oder, ob es zu „schwülstige“ Filme sind, wird sich dann zeigen.