Mehrere Personen mussten mit Atemwegs- und Augenreizungen behandelt werden. | Foto: Waldemar Gress

Über 100 Einsatzkräfte vor Ort

Sternenfels: Chemikalien ausgelaufen – vier Schwer- und neun Leichtverletzte

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Hautrötungen, Atembeschwerden, Übelkeit bis hin zu Erbrechen: Die Reaktionen, die Perchlorethen in flüssiger oder verdampfter Form auslöst, sind äußerst unangenehm. Am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr traten gleich 200 Liter des Gefahrenstoffs bei der Firma Alutec in Sternenfels aus.

Grund dafür war allem Anschein nach ein technischer Defekt. „Bei der Maschine handelt es sich um eine Lösemittel-Reinigungsanlage, die Metallteile reinigt“, erklärt Geschäftsführer Kevin Kretz auf Nachfrage. Das Gerät sei relativ neu und werde regelmäßig mindestens einmal im Jahr vom Hersteller gewartet. Auch habe die Anlage laut Hersteller bisher an keinen anderen Firmenstandorten Probleme bereitet. „Möglicherweise hat Überdruck zum Versagen eines Teils geführt“, gibt der Geschäftsführer eine erste Vermutung ab. Einen vergleichbaren Fall habe es bei Alutec noch nicht gegeben.

Nur Dampf ausgetreten

Die Flüssigkeit, die als Reinigungsmittel, Lösungsmittel und zur Fettreinigung eingesetzt wird, konnte aufgefangen werden. Wie die Polizei nun mitteilte, wurden lediglich Dämpfe freigesetzt. Eine Fachfirma kümmere sich um deren Entsorgung. Der Stoff löst allergische Reaktionen aus wie Atemwegs- und Hautreizungen und es kann zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

Keine Panik

„Zuletzt wurden die Abläufe für einen Notfall im Sommer trainiert, also noch nicht so lange her“, sagt Kretz. Panik habe unter den Kollegen keine geherrscht.

13 Personen verletzt

Das betroffene Firmengebäude wurde evakuiert. Inzwischen ist bekannt, dass insgesamt 13 Mitarbeiter verletzt wurden. Davon wurden neun Personen leicht und vier Personen schwer verletzt. Ein Patient wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Bei den Verletzungen handelt es sich um Atemwegs- und Augenreizungen. Bei keinem Verletzten bestehe Lebensgefahr.

Rettungsdienste im Einsatz

35 Mitarbeiter des DRK waren im Einsatz, 50 Kräfte der die Feuerwehren aus Sternenfels, Maulbronn, der Gefahrgutzug der Feuerwehr Niefern und acht Polizeibeamte waren oder sind teilweise gegenwärtig noch vor Ort. Für die Anwohner soll nach Angaben der Polizei keine Gefahr bestehen. Messungen außerhalb des Firmengeländes sollen keine gesundheitsschädlichen Werte in der Luft ergeben haben.

Konsequenzen unklar

Ob der Vorfall weitere Konsequenzen innerhalb der Firma haben wird – also möglicherweise ein zusätzliches Sicherheitstraining – steht noch nicht fest.  „Nun müssen wir erst einmal zweifelsfrei klären, wodurch der Vorfall ausgelöst wurde und wie die Mitarbeiter verletzt werden konnten“, betont Kretz. Dieses Wissen solle dann auch transparent an die Mitarbeiter weitergegeben werden. Dass die für den Bereich Gewerbe-Umwelt zuständigen Beamten des Polizeipräsidiums Karlsruhe Ermittlungen aufgenommen haben, bereitet ihm keine Sorge. „Die Polizei war da, wir haben Fragen beantwortet, das war alles sehr schlüssig“, so der Geschäftsführer. Menschliches Versagen könne ausgeschlossen werden, teilten die Beamten dementsprechend dann auch am Dienstagmittag mit.

Die giftige Substanz Perchlorethen, auch unter dem Namen Tetrachlorethylen oder Perchlorethylen bekannt, findet wegen seines hohen Fettlösevermögens als Lösungsmittel und zur Reinigung in der Textil- und Metallindustrie Verwendung. Der Halogenkohlenwasserstoff zählt zu den gesundheitsschädlichen Arbeitsstoffen.