Auf dem Gelände des Fraunhofer-Instituts in Pfinztal wird ein Windrad erstellt, damit an der „Redox-Flow-Batterie“ geforscht werden kann, um erneuerbare Energien zu speichern. | Foto: Michael Seher

Projekt am ICT in Pfinztal

Windenergie aus dem Tank

Ab März kann das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal die stationäre Speicherung von erneuerbaren Energien mit einer „Redox-Flow-Batterie“ erproben. Das seit 2009/2010 in Planung befindliche Windrad wird ab Mitte Februar auf dem Hummelberg zwischen Grötzingen und Pfinztal errichtet. Das rund 150 Meter hohe Bauwerk sollte schon Ende 2014 (die BNN berichteten) fertiggestellt sein.

Strom vom Windrad wird in Batterie gespeichert

„Die Verzögerung des Projekts ist darauf zurückzuführen, dass wir lange auf der Suche nach einem passenden Hersteller für das Windrad waren“, sagt der ICT-Produktbereichsleiter Angewandte Elektrochemie, Jens Tübke.

Das 19-Millionen-Euro-Projekt „Redox Wind“ sieht vor, dass der gewonnene Strom direkt vom Windrad in die Batterie eingespeist wird, um die Energie dort zu speichern. Dafür seien technische Umbauten am Windrad notwendig.

Erster Probelauf für Anfang März geplant

„Die großen Hersteller wollten das aus verschiedenen Gründen nicht realisieren oder hatten kein Interesse“, erklärt Tübke die Verzögerung. Außerdem sei ein Hersteller abgesprungen, was das Projekt nochmals um ein halbes Jahr zurückgeworfen habe. „Aber jetzt haben wir ein kleines Start-up-Unternehmen im Norden gefunden. Die Bestellung ist raus“, sagt Tübke, der denkt, dass schon Anfang März der erste Probelauf möglich sein wird.
Natürlich hat es auch Bürgerproteste gegen das Windrad gegeben: „Es ist eine prominente Stelle und das Windrad ist hoch und dementsprechend sichtbar“, sagt Tübke. Die meisten Kritiker habe man von der Notwendigkeit des Projekts überzeugen können. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass das Windrad „auch für andere Forschungsfragen zur Verfügung gestellt wird“, erklärt der Produktbereichsleiter.

Sorge um Fledermäuse

Dabei sollen unter anderem Fragen nach den Auswirkungen auf Tiere und Arten, die Vibrationen im Boden sowie die Emissionen des Windrades nachgegangen werden. „Es gibt hier oben bei uns Fledermäuse, die gezählt und kartiert sind, wenn man jetzt tote Fledermäuse unter dem Windrad finden sollte, lässt sich eine belastbare Zahl bestimmen“, so Tübke. Das Gebäude für die Batterie steht und die Tanks sind bereits mit rund 600 Kubikmetern Elektrolyt befüllt.
Die Forscher wollen den Stromspeichervorgang mit der Anlage soweit optimieren, dass der Speichervorgang mit dieser Batterie zu vertretbaren Kosten möglich ist.
„Die Batterie hat zwei Ausbaustufen“, erklärt Jens Tübke weiter. In der ersten Ausbaustufe sollen ungefähr ein Megawatt und zehn Megawattstunden speicherbar sein, in der zweiten Stufe dann bis 2018 zwei Megawatt und 20 Megawattstunden.
Die Komponenten, aus der die Batterie besteht, seien Produkte klassischen Maschinenbaus und somit eine Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Alle Technologien und Hersteller sind in Deutschland und teilweise sogar im Schwarzwald ansässig“, erklärt der Produktionsbereichsleiter. Hier könne man eine Alternative zu den Lithium-Ionen-Batterien schaffen, die günstig in Asien produziert werden.