Ben Klecks bei der Arbeit: Nicole Augenstein aus Ölbronn lässt sich von Benjamin Felber – so heißt er im richtigen Leben – gerade eine Erinnerung an ihre beiden geliebten Hunde auf die Schulter tätowieren. | Foto: Ebert

Palim Palim in Bretten

Tattoos: Körperkunst als Selbstverwirklichung

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Warum das Tattoostudio Palim Palim heißt, erschließt sich erst beim Nachfragen. „Ich habe früher in einem Studio gearbeitet, bei dem die Klingel kaputt war“, erzählt Claudia Zöller. Da hätten die Kunden dann nach kurzer Zeit – frei nach Didi Hallervorden – immer Palim Palim gerufen, als sie den Laden betraten. „Da habe ich mir vorgenommen, dass mein erstes eigenes Studio einmal so heißen soll“, sagt die 34-jährige Brettenerin. Gesagt, getan. Seit fünf Jahren betreibt sie nun bereits ihr Tattoo- und Piercingstudio in der Pforzheimer Straße und ist ziemlich ausgebucht.

Zehn weitere Tätowierer arbeiten gleichsam als Freiberufler in ihrem Studio. Etliche sind Gasttätowierer, die ein eigenes Studio für Tattoos haben, manche sogar im Ausland. Jeder hat seine eigenen Präferenzen und seinen eigenen Stil. Für den Arbeitsplatz im Palim Palim bezahlt er eine Stuhlmiete.

Was fasziniert an Tattoos?

Was ist so faszinierend an Tattoos? „Das ist Körperkunst und ein Stück Selbstverwirklichung“, sagt Claudia Zöller. Man könne seinen Körper so gestalten, wie man es möchte. Bereits mit 16 Jahren ließ sie sich das erste Tattoo machen – ein chinesisches Schriftzeichen und ganz hässlich, wie sie später fand. Mittlerweile hat sie es überarbeiten lassen. Weitere Kunstwerke sind dazugekommen. „Viel Platz gibt es nicht mehr“ bilanziert sie den Rest an blanker Haut für weitere Kunstwerke.

Im Palim Palim bekommt der Kunde, was er sich wünscht. Möglichst realistische Porträts von Menschen oder Tieren beispielsweise oder „Black and Grey“ – Schwarzweißmotive mit Totenkopf oder anderen Symbolen. Oder Neo Traditional Tattoos – einfache Motive mit viel Farbe und kräftigen Linien. Oder Fineline Tätowierungen – das sind filigrane Schriftzüge oder Mandalas.

Viele freie Stellen für weitere Tattoos hat die 34-jährige Palim Palim-Chefin Claudia Zöller nicht mehr zu bieten. | Foto: Ebert

„Die großflächigen Tattoos, die beispielsweise über den ganzen Rücken gehen, sind stark im Trend“, bekundet Claudia Zöller, die vor acht Jahren als Piercerin angefangen hat. Eine geregelte Ausbildung zum Piercen oder Tätowieren gibt es übrigens nicht. Jeder, der Lust hat, könne – ohne weitere Auflagen – ein Studio aufmachen, sagt die Brettenerin, die das nicht so gut findet. Zumindest sollte es Schulungen und Kontrollen geben, damit die Tattoos auch ordentlich gemacht werden.

Sterilität und Hygyiene wichtig

„Man muss steril und hygienisch einwandfrei arbeiten, mit Handschuhen und Mundschutz“, betont die Palim Palim-Chefin. Das fertige Tattoo wird desinfiziert und für einige Tage zugepflastert, damit die Haut sich von dem durchaus schmerzlichen Eingriff erholen kann. Komplikationen habe es bei ihr noch keine gegeben. Gleichwohl sei eine Tätowierung für den Körper ziemlich anstrengend. „Wir arbeiten nur mit qualitativ hochwertigen Materialien. Nadeln und Farben sind immer neu“, versichert Zöller.

In der Regel kommt der Kunde mit einer Idee oder bringt ein Beispielbild mit. Dann wird ein individueller Entwurf gefertigt – jedes Tattoo ist ein Unikat. „Oft sind es wichtige Lebensereignisse, die die Leute dabei festhalten wollen“, weiß die Studiobetreiberin weiter zu berichten: eine bestandene Prüfung, einen schönen Urlaub, eine große Liebe oder auch ein Todesfall. Ihre Kunden müssen mindestens 18 Jahre alt sein, die älteste Kundin war 75, als sie sich einen Skorpion auf den Fuß tätowieren ließ.

Keine politischen Statements

Tabus gibt es nur wenige: „Hals und Hände tätowieren wir bei jungen Leuten erst, wenn sonst nichts mehr frei ist“, erklärt Zöller, und politische Statements wie Hakenkreuze stünden komplett auf dem Index. Ansonsten geht, was gefällt, die Entscheidung, ob das Kitsch oder Kunst ist, treffe jeder selbst.

Bei Tätowierer Benjamin Felber – Künstlername Ben Klecks – aus Moers sitzt gerade Nicole Augenstein aus Ölbronn auf dem Stuhl. Sie lässt sich eine Erinnerung an zwei geliebte Vierbeiner auf die Schulter tätowieren. Für sie ist das ein Stück Trauerarbeit. „Andere lassen sich die Lippen aufspritzen, ich lasse mir eben ein Tattoo machen, das ich auch gerne herzeigen möchte“, sagt sie mit Überzeugung.

Behördliche Auflagen

Welche behördlichen Auflagen gibt es, wenn jemand ein Tattoostudio eröffnen will? „Das Gesundheitsamt erhält eine Mitteilung, wenn ein Tattoostudio neu eröffnet hat. Eine Genehmigung des Gesundheitsamtes vor Eröffnung eines derartigen Studios ist jedoch nicht vorgeschrieben beziehungsweise erforderlich“, erklärt dazu die Pressestelle des Landratsamts auf Nachfrage.

Allerdings müssten die Studios die Hygienevorschriften einhalten, was in Begehungen durch das Gesundheitsamt überprüft und wesentlicher Gegenstand der Beratung durch das Gesundheitsamt ist. Ein wichtiger Bestandteil in diesem Zusammenhang ist auch die Vorgabe, dass alle innerbetrieblichen Verfahrensweisen der Infektionshygiene wie Maßnahmen der Reinigung, Desinfektion sowie der Sterilisation und deren Funktionsüberprüfung in Form eines betriebseigenen Hygieneplans schriftlich festzuhalten sind.

Für Tätowierer hat das Gesundheitsamt auf seiner Internetseite ein ausführliches Paper zusammengestellt und weist darin darauf hin, dass unsachgemäßes Tätowieren oder Piercen ein großes Risiko darstelle. Detailliert werden darin auch die Hygieneregeln beschrieben. Finden Kontrollen durch das Gesundheitsamt statt? Ja, sagt das Gesundheitsamt. Man führe Begehungen angekündigt, unangekündigt und anlassbezogen auf Grundlage der Hygieneverordnung durch, heißt es.

Neben dem Tattoostudio Palim Palim gibt es in Bretten noch das Studio Tattoos Ink in der Weißhofer Straße 53.