Auch wenn derzeit keine Besucher in den Brettener Tierpark dürfen, präsentieren die Pfaue ihre leuchtenden Federkleider und versuchen damit im Gehege ihre Mitbewohner wie die Maras, Nandus und Hühner zu beeindrucken.
Auch wenn derzeit keine Besucher in den Brettener Tierpark dürfen, präsentieren die Pfaue ihre leuchtenden Federkleider und versuchen damit im Gehege ihre Mitbewohner wie die Maras, Nandus und Hühner zu beeindrucken. | Foto: Rebel

Kontakt zu den Menschen fehlt

Tierpark Bretten muss im Jubiläumsjahr wegen Corona Federn lassen

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Es liegt eine unwirkliche Stille über dem rund sechs Hektar großen Areal. Wo sonst im Frühling gerade an den Wochenenden die Besucher in Scharen über das Gelände flanieren, herrscht aktuell und Corona-bedingt Ruhe. Es ist ein bisschen verkehrte Welt im Brettener Tierpark.

„Die Tiere merken schon, dass etwas anders ist als sonst“, sagt Annika Willig, die zusammen mit ihrem Mann Jörg und Tochter Tamara den Tierpark führt und betreibt. „Wir haben hier unsere jährlichen Abläufe, die haben die Tiere auch. Jetzt müssen wir einfach mal schauen, wie wir durch diese Zeit kommen“, betont Annika Willig.

Den rund 300 Bewohnern des Tierparks fehlt ganz offensichtlich die gewohnte Nähe zu den Besuchern, deren Ausbleiben schlägt den Tieren aufs Gemüt. Außer Jörg, Annika, Tamara und Seniorchef Herbert Willig, der den Brettener Tierpark im Jahr 1970 eröffnet hat und noch heute tatkräftig mithilft, sowie den drei festangestellten Mitarbeitern haben die Tiere derzeit kaum Kontakt zu Menschen.

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Die Stars sind aktuell nicht die Bewohner

Deshalb nehmen die Ziegen und Schafe im Moment auch jeden, der in den Park kommt, liebevoll in Beschlag. Aktuell sind also die wenigen Leute, die das Areal betreten, die Stars und nicht wie sonst die Bewohner.

Außerdem verfolgen die Tiere interessiert, wie im Park gewerkelt wird. „Den Tieren fehlt neben den Streicheleinheiten natürlich das Futter, das sie sonst von den Besuchern bekommen. Denn auch das ist Teil unseres Systems“, betont Annika Willig.

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Weil dieses System an das Kalenderjahr und an das sonst damit einhergehende Besucher-Aufkommen angepasst ist, gibt es nun wieder jede Menge Nachwuchs im Brettener Tierpark.

Nachwuchs bei  Ponys, Schweinen, Schafen und Yaks

Am 25. März erblickte etwa das Ponyfohlen Muna das Licht der Welt. Unter den wachsamen Blicken von Papa Stürmle und Mama Paula dreht Muna zwar noch etwa staksig, aber doch schon flott galoppierend ihre Runden, allerdings ohne Publikum. Ihre Bewunderer vermissen augenscheinlich auch die stolzen Pfaue, die im Gehege nun versuchen, mit ihrem leuchtenden Federkleid eben die Mitbewohner wie Maras, Nandus und Hühner zu beeindrucken.

Nachwuchs gab es in den vergangenen Tagen übrigens auch bei den Turopolje-Schweinen, den Yaks und den Schafen. „Gerade im Frühjahr wollen wir den Besuchern etwas bieten. Deshalb versuchen wir, dass wir in dieser Zeit immer auch möglichst viele Jungtiere haben“, erklärt Annika Willig: „Das kommt vor allem bei den Kindern gut an.“

Start ins Jubiläumsjahr war vielversprechend

Es war also alles angerichtet für ein besonderes Jahr, schließlich feiert der Brettener Tierpark 2020 voller stolz sein 50-jähriges Bestehen – und der Start in das Jubiläumsjahr war vielversprechend.

An den ersten drei Sonntagen im März war der Park von Besuchern schon gut frequentiert, aber dann folgte wegen der Corona-Krise die Schließung. So ist seit Tagen und auf unbestimmte Zeit der Park samt des eigens errichteten Menschengeheges, einer Ruheoase für die Besucher inmitten des Tiertrubels, verwaist. Auch der Gastronomiebetrieb steht logischerweise still.

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Für Familie Willig ein Desaster. „Gerade das Frühjahr ist aus rein finanzieller Sicht unser Highlight. Die Einnahmen, die uns jetzt verloren gehen, holen wir ganz sicher nicht mehr rein“, meint Annika Willig und ergänzt: „Das ist einfach tragisch und mit Blick auf unser Jubiläum natürlich richtig blöd gelaufen.“

Bei diesen Worten lässt Annika Willig sehnsüchtig den Blick über das menschenleere Areal schweifen, das für den erhofften und eigentlich fest eingeplanten Besucherandrang bestens hergerichtet wurde. „Man darf nicht vergessen, dass wir dennoch unsere laufenden Kosten haben“, sagt sie.

Das Allerwichtigste sei die Gewährleistung der Tierversorgung. Da sei man bislang noch ganz gut aufgestellt und habe Reserven, da man sich glücklicherweise recht gut eingedeckt habe. Zudem finden auch immer wieder meist anonyme Futterspenden wie jüngst mehrere Säcke Karotten den Weg zum Tierpark.

Betreiber-Familie hat Zukunftssorgen

Dennoch macht sich die Betreiber-Familie natürlich Sorgen über die Zukunft. „Niemand weiß, wie lange das so bleibt und der Tierpark geschlossen ist. Es ist aber jetzt schon klar, dass 2020 ein schlechtes Jahr wird. Ob es ein katastrophales Jahr wird, weiß man noch nicht“, betont Annika Willig: „Ich habe auf jeden Fall wahnsinnige Angst vor dem nächsten Winter.“

Nicht zuletzt deshalb liegt ein dunkler Schatten auf dem Jubiläumsjahr des Brettener Tierparks, wo sich auch Existenzangst breitmacht. „Das tut uns schon richtig weh. Die Tiere wollen jeden Tag ihr Futter. Wir können nur hoffen, dass wir das alles überstehen und irgendwie über die Runden kommen“, betont Seniorchef Herbert Willig.

Der Tierpark-Gründer kümmert sich nach wie vor mit viel Leidenschaft um seine Bonsai-Bäume, die man besichtigen und natürlich auch kaufen kann – allerdings nur, wenn der Park geöffnet ist.

Einst waren die Bonsai nur ein Hobby von Herbert Willig, doch später wurden sie finanziell zu einem zweiten Standbein. Wie der Tierpark selbst sind auch die Brettener Bonsai-Bäume, die eigens aus Japan, China und Thailand importiert sowie selbst gezüchtet wurden, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

In den Glanzzeiten hatte man bis zu 1.000 Bonsai und natürlich die dazugehörigen Schalen, erzählt Herbert Willig mit stolzer Stimme und fügt dann fast wehmütig hinzu: „Wir hatten hier schöne Zeiten.“

Früher gab es viele Ferienjobber im Tierpark

Früher haben viele Jugendliche im Brettener Tierpark als Ferienjobber gearbeitet und sich so ein Taschengeld dazuverdient. „Viele von denen sind heute Ärzte oder Anwälte, die haben sich so auch ein bisschen ihr Studium finanziert – und wir haben hier im Tierpark einiges erlebt“, sagt Herbert Willig.

Einmal hatte man in Bretten eine sieben Meter lange Python, die später von der Stuttgarter Wilhelma erworben wurde. Sieben Mann seien notwendig gewesen, um die Schlange zu transportieren. „Die sind extra aus Stuttgart zu uns nach Bretten gekommen. So etwas vergisst man nicht“, versichert der Seniorchef. Nach 50 Jahren Tierpark Bretten hat Herbert Willig einen großen Fundus an Anekdoten.

„Sobald wir wieder dürfen, machen wir auf“, versichert indes Annika Willig und hofft, dass die Corona-Beschränkungen in absehbarer Zeit zumindest ein bisschen gelockert werden.

Demnächst vielleicht in Kleingruppen in den Tierpark?

Dabei denkt sie auch laut über die Möglichkeit nach, zunächst vielleicht nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern in den Tierpark zu lassen. 50 Leute könnten sich problemlos auf dem Gelände aufhalten, ohne sich auf den Füßen zu stehen, meint Annika Willig: „Das würde uns schon sehr helfen. Denn wie schon gesagt, die Kosten gerade für das Futter haben wir trotzdem, auch wenn der Park geschlossen ist.“

Platz wäre jedenfalls genug und die Tiere hätten ganz sicher ihre helle Freude daran, wenn endlich wieder Publikumsverkehr wäre, meint Annika Willig – und dann würde das Jubiläumsjahr für die Familie Willig und die Bewohner des Tierparks zumindest ein Stück weit positiv in Erinnerung bleiben.