Der FVS Sulzfeld hat Geld über die Crowdfunding-Plattform der Volksbank Bruchsal-Bretten gesammelt und dann für rund 10.000 Euro den Eingang seines Vereinsheims für Besucher und Gäste barrierefrei gemacht.
Der FVS Sulzfeld hat Geld über die Crowdfunding-Plattform der Volksbank Bruchsal-Bretten gesammelt und dann für rund 10.000 Euro den Eingang seines Vereinsheims für Besucher und Gäste barrierefrei gemacht. | Foto: Rebel

Aus Fans werden Unterstützer

Vereine nutzen die Crowdfunding-Plattform der Volksbank Bruchsal-Bretten für ihre Projekte

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Ein neues Dach für das Clubhaus, neue Instrumente für die Musikkapelle, eine neue Küche, Zuschuss für eine Jugendfreizeit in den Ferien oder ein Sonnensegel für den Spielplatz: Solche und noch viele andere Projekte haben Vereine in den vergangenen fünf Jahren realisiert. Diese vielfältigen Maßnahmen haben einen gemeinsamen Nenner, denn die insgesamt 46 abgeschlossenen Projekte sind allesamt durch das Crowdfunding der Volksbank Bruchsal-Bretten finanziert und umgesetzt worden.

Für 2020 habe man noch Kapazitäten frei, erklärt Projektleiterin Sina Tagscherer. Unter dem Motto „Viele schaffen mehr“ werden normalerweise rund zehn Projekte im Jahr realisiert, in den bisherigen fünfeinhalb Monaten dieses Jahres wurden gerade einmal zwei Projekte beendet, ein drittes ist erst vor wenigen Tagen angelaufen.

Viele Projekte wurden wegen Corona verschoben

Die Corona-Pandemie hat laut Tagscherer dafür gesorgt, dass Projekte, die Vereine in diesem Jahr mithilfe der Crowdfunding-Plattform in Angriff nehmen wollten, mehrheitlich verschoben wurden. „Wir hoffen natürlich, dass in den kommenden Wochen noch ein paar Projekte angestoßen werden“, betont die Projektleiterin, die seit 2018 federführend für die Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen und dabei auch erste Ansprechpartnerin für die Vereine ist.

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„Die Arbeit macht wirklich sehr viel Spaß, da wir eine bunte Masse an Projekten haben“, zieht Tagscherer Bilanz. Bislang wurden 49 Projekte gestartet, 46 davon wurden erfolgreich abgeschlossen, ein Projekt läuft aktuell noch. Insgesamt wurden bis zum Mittwoch, 17. Juni hierfür 153.638,59 Euro gesammelt. „Diese Summe kann sich auf jeden Fall sehen lassen“, findet die Projektleiterin.

Zwei Kriterien muss jedes Projekt erfüllen

Um ein Projekt über die Crowdfunding-Plattform zu starten, müssen eigentlich nur zwei Kriterien erfüllt sein. Die Gemeinnützigkeit des Vereins, der ein solches Projekt initiiert, muss vorliegen, zudem muss das jeweilige Projekt einen gemeinnützigen Zweck haben, erläutert Tagscherer.

„Es gibt eigentlich nichts, was wir nicht machen – und das weitere Vorgehen ist wirklich ganz einfach“, versichert die Projektleiterin. Der Ablauf eines jeden Projekts ist in vier Phasen gegliedert. Zunächst gibt es eine Vorbereitungs- und Planungsphase, die rund drei Wochen in Anspruch nimmt.

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Daran schließt sich die zwei Wochen dauernde Startphase an, in der die Vereine sogenannte Fans für das jeweilige Projekt sammeln. „Nicht jeder, der Fan eines Projektes wird, muss später dieses Projekt dann auch mit Geld unterstützen. Hierzu besteht keine Pflicht. Es ist aber schon so, dass die meisten, die sich als Fan registrieren lassen, dann auch finanziell mitmachen“, betont Tagscherer.

In Phase drei wird Geld gesammelt

So bekomme man einfach einen Überblick und könne recht gut einschätzen, ob ein Projekt bei den Leuten überhaupt ankomme und letztlich auch realisiert werden könne. „Dann kommt die Finanzierungsphase, das ist die spannendste Phase“, sagt Tagscherer mit Blick auf die folgenden 90 Tage, in denen aus Fans dann echte Unterstützer werden. In dieser Phase wird das Geld für das Projekt gesammelt, erklärt die Projektleiterin.

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Der Clou hierbei ist, dass die Stiftung der Volksbank Bruchsal-Bretten für jeden Spender, der ein Projekt mit mindestens fünf Euro unterstützt, einmalig zehn Euro als sogenanntes Co-Funding bezahlt. „Fünf Euro ist der Mindestbetrag für eine Spende, aber diese Spende bringt durch den Zuschuss durch die Volksbank-Stiftung letztlich 15 Euro“, erklärt Projektleiterin Tagscherer.

Über 153.000 Euro wurden bereits gespendet

In der bislang gespendeten Gesamtsumme von 153.638,59 Euro, die durch 4.420 Unterstützer zustande kam, sind aktuell 30.870 Euro aus dem Co-Funding enthalten. „Wichtig ist, dass die Vereine Werbung für ihre Projekte machen, denn das sind gerade in diesen Zeiten keine Selbstläufer“, betont Tagscherer und fügt an: „Natürlich soll mit diesen Projekten auch Aufmerksamkeit erzeugt werden – und der Zusammenhalt in den Vereinen wird dadurch gestärkt.“

So hat etwa der FVS Sulzfeld den rund 10.000 Euro teuren barrierefreien Eingang für Besucher und Gäste seines Vereinsheims finanziert. Der Musikverein Büchig hat für rund 4.000 Euro eine neue Garage gebaut, während der Fanfaren- und Trommlerzug Bretten für 3.500 Euro neue Parade- und Landsknechtstrommeln angeschafft hat.

Radtour, neue Küche und ein „Pferdesolarium“

Zudem hat die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten für 2.000 Euro eine fünftägige Radtour von Bruchsal bis zum Bodensee realisiert, die Pfarrgemeinde St. Martin Obergrombach hat für 4.000 Euro eine neue Küche für das Pfarrzentrum gekauft. 2020 hat der Reiterverein Heidelsheim für 2.222 Euro ein sogenanntes „Pferdesolarium“ in seiner Reithalle installiert, während der Odenwaldklub Ortsgruppe Kraichtal für 2.000 Euro die OWK-Hütte samt Außenanlagen saniert hat.

„Daran sieht man, wie vielfältig die Projekte sind, die wir mithilfe unseres Crowdfundings finanzieren“, betont Projektleiterin Tagscherer. Phase vier ist dann übrigens das Ende einer jeden Kampagne, hier wird das Geld der erfolgreich finanzierten Projekte an die Vereine ausbezahlt. Erreicht ein Projekt doch nicht die benötigte Summe, was bislang nur zwei Mal der Fall war, wird das Geld selbstverständlich an die jeweiligen Unterstützer zurückbezahlt.

Corona-Hilfsprojekt der Volksbank-Stiftung

Die Stiftung der Volksbank Bruchsal-Bretten hat übrigens getreu ihrem Motto „Selbstlos fördern“ auf die Corona-Pandemie reagiert und im April ein Corona-Hilfsprojekt gestartet. Insgesamt 60.000 Euro stehen für finanziell in Not geratene Vereine zur Verfügung. „Einen Förderantrag kann man ganz einfach stellen, das geht alles ohne viel Aufwand. Wir haben sehr viel Resonanz“, berichtet Tagscherer.

Unterstützt werden hierbei Vereine und gemeinnützige Einrichtungen in der Region, deren Projekte dem „Stiftungszweck“, wie es offiziell heißt, entsprechen. Gemeint sind somit hauptsächlich Projekte aus den Bereichen Bildung, Kunst und Kultur.