Führungsriege neu aufgestellt: (von links) Armin Schulz, Jürgen Bickel, Andreas Leiling, Andreas Drabek, Marion Klemm, Suzanne Pfefferle und Gabi Gessler. | Foto: privat

Wolff-Kritiker an VBU-Spitze

Vereinigung Brettener Unternehmer wählt neuen Vorstand

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Für frischen Wind in der Stadt will die Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU) mit einem neuen Vorstandsteam sorgen. Marion Klemm übernimmt von Andreas Drabek den Vorsitz; Drabek bekleidet künftig den Posten des Schriftführers. Stellvertretender Vorsitzender bleibt Alt-OB Paul Metzger, Schatzmeisterin ist weiterhin Gabi Gessler.

Als Beisitzer kommen Suzanne Pfefferle, WMV-Verlagsleiterin, und Andreas Leiling, Projektmanager und Kandidat bei der Brettener OB-Wahl aus Ubstadt-Weiher, hinzu. Armin Schulz und Jürgen Bickel wurden in dieser Funktion im Amt bestätigt. Jörg Hiltwein scheidet als Schriftführer aus, weil seine Kanzlei nach Bruchsal verlegt wurde.

Kritik der VBU

„In der Stadt wird viel geredet und wenig gemacht“, kritisierte die neue Vorsitzende, das solle sich ändern. Außerdem soll der Schwerpunkt der Arbeit der VBU, der in den vergangenen Jahren eher als Einzelhandelsverein wahrgenommen wurde, wieder alle Mitgliedersparten ausgewogen berücksichtigen. „Gemeinsam für Bretten“, gab Klemm als Losung aus. Man werde konkret umsetzbare Vorschläge an Stadt und Stadträte machen und überdies nichts abnicken, was nicht gefällt. Vehement sprach sich Klemm gegen sozialen Wohnungsbau auf dem Fibron-Mellert-Gelände aus. Dafür sei das Filetstück der Stadt zu schade.
Bedenken im Blick auf die Wahl Klemms äußerte Ariane Maaß, Stadträtin der aktiven und Apothekerin. Sie bezog sich auf ein Bild in den BNN, das Marion Klemm bei einer Wahlkampfveranstaltung im vergangenen Jahr in Bretten zusammen mit führenden AfD-Politikern zeigt und sie als Sympathisantin auswies. Auf keinen Fall will Maaß, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, die VBU rücke nach rechts und vertrete Positionen der AfD.

Kein Dementi

„Ich bin kein AfD-Mitglied und habe auch nicht vor, im kommenden Jahr bei den Kommunalwahlen in irgendeiner Gruppe zu kandidieren“, versicherte Klemm, verhehlte aber auch nicht, dass sie einige Positionen der AfD gut finde. Der Aufforderung aus dem Plenum, zu dementieren, dass sie eine AfD-Sympathisantin sei, wollte sie nicht nachkommen. „Ich dementiere gar nichts“, erklärte Klemm.
Kritik gab es aus den Reihen der Mitglieder auch daran, dass in jüngster Zeit Stellungnahmen im Namen der VBU an die Öffentlichkeit gelangt seien, mit denen viele Mitglieder nicht einverstanden waren. Die neue Führung versprach, den Austausch mit den Mitgliedern zu vertiefen und Stellungnahmen der VBU nach außen vorher besser abzusprechen.

VBU mit 134 zahlenden Mitgliedern

Eingangs der Sitzung hatte Andreas Drabek von den Aktivitäten der VBU im vergangenen Jahr berichtet, unter anderem von einer hitzigen Debatte über die Frage, wer in Bretten die Stadtentwicklung bestimmt, oder einer munteren Vorstellungsrunde der OB-Kandidaten. Regelmäßige VBU-Treffen hätten dem Austausch der Mitarbeiter gedient und sollten auch beibehalten werden. Weiter war zu erfahren, dass die Vereinigung derzeit über 134 zahlende Mitglieder verfügt und knapp 55 000 Euro auf dem Konto hat. Die Kasse wurde einwandfrei geführt, bestätigten die Kassenprüfer. Als Grund für sein Ausscheiden als Vorsitzender nannte Drabek die starke Belastung durch seine beiden Geschäfte, die es ihm zusehends erschwert habe, sich für die Belange der VBU so zu engagieren, wie er es gerne getan hätte. Außerdem sei ein Wechsel gut und setze neue Kräfte frei.

Überraschungskandidat

Für Nichteingeweihte kam die Wahl von Andreas Leiling in den Vorstand überraschend. Damit dies möglich wurde, hat er eigens in Bretten eine Dependance seiner Firma gegründet. Die VBU müsse wieder aktiv werden, Zukunftsperspektiven entwickeln und Ziele formulieren, was man von der Stadt und vom Land wolle, erklärte Leiling.
Suzanne Pfefferle möchte nach eigenem Bekunden im VBU-Vorstand für frischen Wind sorgen, dazu beitragen, dass die Gräben und Grabenkämpfe in der Stadt kleiner und ein paar Probleme mehr gelöst werden.

Kommentar: Gemeinsam

Die Vereinigung Brettener Unternehmer schärft ihre Führungsspitze und bringt neue Gesichter in den Vorstand. Das ist begrüßenswert und könnte neuen Schwung in die Überlegungen und Diskussionen bringen, wie die Melanchthonstadt für Kunden und Besucher attraktiver wird.
Baustellen gibt es in Bretten genug. Doch in den vergangenen Jahren fiel die Stimme der VBU zu wichtigen Themen in der Stadt oft eher verhalten aus. Das könnte nun anders werden und Bewegung in manche Themen bringen. Mit klaren Positionen und konkreten Verbesserungsvorschlägen lässt es sich auch im Gemeinderat und in der Stadtverwaltung besser arbeiten.
Drei Personalien werfen allerdings Fragen auf. Da ist zum einen die neue Vorsitzende, die nicht gerade für Rathausnähe und die leisen Töne bekannt ist, und der zudem eine besondere Nähe zur AfD nachgesagt wird. Die Gelegenheit, dies zu dementieren, hat sie ungenutzt verstreichen lassen. Als Stimme der Brettener Unternehmer muss sie künftig allerdings ihre politische Gesinnung zurücknehmen und die Belange der Brettener Geschäftswelt unparteiisch vertreten.
Mit Alt-OB Paul Metzger zieht ein weiterer Wolff-Kritiker auch künftig die Strippen bei der VBU. Mit dem nur knapp gescheiterten OB-Kandidaten Andreas Leiling kommt ein dritter hinzu. Um Vorstandsmitglied bei der VBU zu werden, hat der Projektmanager aus Ubstadt-Weiher sogar eigens eine Dependance seiner Firma in Bretten gegründet. Hier könnte seine Kompetenz bei der Entwicklung von Zielen und Zukunftsperspektiven zweifelsohne von Nutzen sein. Die Anti-Wolff-Riege muss allerdings aufpassen, dass sie den konstruktiven Dialog mit der Stadt und mit dem Gemeinderat nicht versäumt.
Auf der anderen Seite müssen auch die Stadt und das Ratsgremium Augen und Ohren für die Belange des Einzelhandels und der Unternehmer öffnen. Denn auch das wurde beklagt: Dass Vertreter der Stadt wie auch des Gemeinderats nur wenig Interesse zeigten an Veranstaltungen und Initiativen der VBU. „Gemeinsam für Bretten“ darf nicht allein als Slogan der VBU gelten. Er muss alle politischen Akteure einschließen.