In ihrem Schneideratelier: Die Unternehmerin Betina Laboranovits näht in der „Hutschmiede“ derzeit vor allem Baumwoll-Masken. Ansonsten hat auch sie sich für die städtische Hilfsplattform „Bretten hält zusammen“ registrieren lassen. | Foto: Rebel

Lokale Wirtschaft

Viel guter Wille: Händler und Dienstleister bewerten die städtische Plattform „Bretten hält zusammen“

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Die Stadt Bretten hat in der Corona-Krise die Plattform „Bretten hält zusammen“ zur Unterstützung lokaler Gewerbetreibender ins Leben gerufen. Grundsätzlich bewerten Läden, Restaurants und Handwerker die Plattform gut. Aber hat sie auch zu mehr Kunden geführt?

Hält Bretten zusammen lautet die Frage, um den Zwischenstand der namensgleichen Aktion „Bretten hält zusammen“ zu beleuchten. Haben Kunden die Plattform wahrgenommen? Waren die Unternehmer zufrieden? Die Aktion wurde Ende März von der Stadt ins Leben gerufen, um Brettener Gewerbetreibende in der Corona-Krise zu unterstützen.

Die Bevölkerung kann auf der städtischen Homepage im Lockdown und kann immer noch online über einen Link zu den Gewerbetreibenden finden. Wie Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen die Maßnahme bewerten, wie sie die städtische Website mit ihrer Verlinkung angenommen haben, hat die BNN interessiert.

Zeichen der Unterstützung, aber kein gesteigerter Umsatz

Rund zehn Prozent der Gewerbetreibenden im Verein Brettener Unternehmer (VBU) geben an, das Angebot komme jedenfalls als Zeichen der Unterstützung seitens der Stadt an. Das sagte deren Vorsitzende Marion Klemm. Nur von Handwerkern gab es keine Rückmeldung. Dienstleister und Händler schätzten es, dass die Stadt die Situation und die Sorgen der Geschäftswelt gesehen und schnell reagiert habe. Den Zusammenhalt zu spüren, sei alleine schon von Wert.

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Leider sei aber in der Tendenz keine Erhöhung der Kundenfrequenz erfolgt, teilt Marion Klemm stellvertretend für die angeschlossenen Berufsgruppen mit – jedenfalls keine messbare. Sogar nach der teilweisen Wiedereröffnung am 20. April blieb eine Rückkehr der Kunden in der vor Corona gegebenen Zahl aus, ziehen die Gewerbetreibenden ihr Fazit.

Das habe man allerdings auch nicht erwarten können, so die Stadt. Frequenz und Umsätze konnten nach Wieder-Eröffnung nur unter den Zahlen vor dem Lockdown bleiben. Daran könne auch eine gemeinsame Marketingaktion nichts ändern, so die Verwaltung.

War der Link schwer auffindbar? Klickzahlen sind noch nicht ausgewertet

Viele Kunden, meldeten die Unternehmer, vor allem Ältere, hätten sich nach wie vor telefonisch bei den Unternehmern erkundigt, ob und wann geöffnet sei, ob der Betrieb laufe. Die Stadt habe allerdings alle Altersgruppen ansprechen wollen, indem man das Hilfsangebot auf unterschiedlichen Kanälen kommunizierte, so die Pressestelle. „Sowohl in den Printmedien als auch in den sozialen Medien wurde für die Aktion und die gegenseitige Unterstützung geworben.“ Wie viel Kundschaft aus welcher Altersgruppe auf diesem Weg zu Brettener Unternehmern fand, ist – noch – offen. Denn Klickzahlen für die Aktion „Bretten hält zusammen“ wurden laut Pressestelle bislang nicht ausgewertet.

Wir haben die Infos auch schnellstmöglich auf unserer Homepage eingestellt und den Auftritt dann sukzessive optimiert.

Anja Lafferton und Nathalie Doerl-Heby, Wirtschaftsförderung der Stadt Bretten

Anfänglich habe man den Link zu „Bretten hält zusammen“ auf der städtischen Homepage schwer finden können. Zudem sei er kompliziert zu bedienen gewesen, bewerten die Unternehmer. Die Stadt entgegnet, wichtig sei ihr zunächst ein schnelles und deutliches Signal des Zusammenhalts gewesen. „Daher haben wir die Infos auch schnellstmöglich auf unserer Homepage eingestellt und den Auftritt dann sukzessive optimiert“, begründen Anja Lafferton und Nathalie Doerl-Heby von der Wirtschaftsförderung der Stadt Bretten die Anlaufprobleme. Sie koordinieren die Aktion von Anfang an gemeinsam.

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Die Unternehmen geben allerdings zu, dass sich die Übersichtlichkeit und die Bedienbarkeit später besserten, wenn auch graduell unterschiedlich bewertet.

Stadt freut sich über Kreativität der Betriebe in der Corona-Krise

Die Stadt sieht in den 45 registrierten Teilnehmern – von ihnen rund zwei Drittel Händler und ein Drittel Gastronomie und Dienstleister – der Plattform eine gute Resonanz. „Viele der Betriebe haben sehr schnell reagiert und kreative Lösungen geschaffen, um in der Krise für ihre Kunden dazu sein“, meint die Verwaltung. „Die kreativen Lösungen reichen von Angeboten, die online auf den sozialen Kanälen vermarktet wurden, Gutscheinaktionen, über persönlich zusammengestellte Bekleidungspakete, bis hin zu Abhol- und Lieferservice.“ Wert werde auch auf persönliche Beratung gelegt über Telefon, Messenger-Dienste oder Chats.

Die Wirtschaftsförderinnen Lafferton und Doerl-Heby seien zu Beginn mit der Einrichtung und Abstimmung aller Akteure und Kanäle „recht umfangreich“ beschäftigt gewesen laut Stadt. Sie sind immer noch in erster Linie Ansprechpartner für die Händler und Gewerbetreibenden und bündeln die verschiedenen Angebote und Aktionen.

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Gut sei, loben die Unternehmer schließlich, dass auf der Homepage „Bretten hält zusammen“ jeder Betrieb verlinkt werde. Auch zeige die Entwicklung des Formats, dass der Zusammenhalt steigen könne. Den Wunsch der VBU, die Kooperation zu intensivieren, hört die Stadtverwaltung offenbar gern. Die Kooperation mit der VBU und anderen sei ihr wichtig. Der Informationsaustausch sei intensiv und konstruktiv gewesen, so die Stadt. Schließlich verfolge man die gleichen Ziele.