Der Blick in den Ausstellungsraum im Beyle-Hof in Bretten zeigt die Vielfalt des Schaffens hiesiger Kreativer.
Der Blick in den Ausstellungsraum im Beyle-Hof in Bretten zeigt die Vielfalt des Schaffens hiesiger Kreativer. | Foto: Rebel

Brettener Künstler stellen aus

Von Schönheit und Rebellentum

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Pastös-Plakatives neben pastellig Leichtem, explodierende Farbkraft neben einsamen Linien: Die Werke für die Mitglieder-Ausstellung des Kunstvereins Bretten hängen seit Montag in ihrer ganzen Vielfalt. 57 sind es, geliefert von 30 Künstlern. Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 19. Januar, im Beyle-Hof in Bretten um 17 Uhr.

Benedikt Forster, selbst Künstler und Vereinsvorsitzender, freute sich auf die Hängung.
Und sogleich stellt er klar: „Mein persönliches Ranking stelle ich hinten an, denn Kunstbegriffe gibt es so viele, wie Künstler.“ Die Kunst liege im Auge des Betrachters. Ein Zufall wollte es, dass die Einladungskarte, entworfen vom Brettener Verleger Thomas Lindemann, ein entsprechendes Zitat Pablo Picassos parat hielt: „Sie erwarten, dass ich Ihnen definiere: Was ist Kunst? Wenn ich es wüßte, würde ich es für mich behalten.“

Den Blick festhalten

Dass die von Forster gern und oft gewählte Petersburger Hängung der Vielfalt nützt, zeigt sich im Raum. Denn trotz begrenzter Wandfläche „wäre schon noch Raum“, so Forster, zwischen, unter- und oberhalb der Werke – gut für die Werk-Wirkung und den Betrachter, dessen Blick so nicht zu schnell zum nächsten springen mag.

Bildkomponist Harald Kille stellt aus, bekannt für eine starke Pinselführung, aber auch andere namhafte Kunstschaffende aus der Region sowie einige gar aus Tübingen, Berlin oder Lübeck sind dabei. Nataly Rautenberg und Benedikt Forster lachen ob dieses Einzugsbereichs des Brettener Kunstvereins. Er ergab sich so über die Jahre. Rautenberg steuert einen modernen Phönix bei und ihr Werk „Balance“.

Fast kippt es

Schon die gewollt schiefe Hängung am auffällig roten Faden weist darauf hin, dass hier „etwas fast kippt“, sagt sie. Daneben finden sich Skulpturen, eine lasierte Büste und bis zur Eröffnungkommt noch Handwerkskunst hinzu – und ganz dem offenen Kunstbegriff entsprechend auch ein beeindruckendes Kugel-Flechtwerk oder Werke aus Epoxidharz.

Zarte Rosen und hübsche Vögel

Aquarelle und solche in Mischtechnik steuern einige neue Ausstellende bei: Sibylle Benedict-Rux ist eine Vertreterin der Aquarell-Kunst. Ihre realistischen drei Vögel, zwei heimische Meisen und ein Rotkehlchen, flattern bis zur Eröffnung noch herein. Shalimar Hellstern-Forster steuert Blütenzauber als Collage-Technik bei, Daniela Buleandra bringt Expressives auf die Leinwand und Michael W. Schneider farbenfrohe und abstrakte Acrylmalerei mit gegenständlichen Anklängen.

Linol-Schnitte erinnern manchen an einstige Schulstunden und ein Werk mahnt, aus Tausenden Kugelschreiber-Strichen entstanden, mit dem Wort „wasser“ an den bewussten Umgang mit dem kostbaren Gut. Darunter liegen Nachdrucke des Werks zum Mitnehmen in Originalgröße. „Eine gute Idee“, sagt Forster.

Junggebliebener Blick aufs ältere Ego

Eine Juristen-Witwe hat sich selbst porträtiert als junge Frau – vielleicht schaut auch sie, wie manch großer Künstler in Selbstporträts, noch immer mit jung gebliebenen Augen aufs ältere Ego, gehalten vom liebevoll gestalteten Rahmen im Rahmen.

Benedikt Forster selbst hat zwei zarte Stillleben von sich gehängt, in mediterraner Farbgebung. Sie zeigen realistisch Florales. Eine Königin des eigenen Gartens, eine orange leuchtende Rose erhebt sich in filigraner Vase. Die Transparenz des Vasenglases spiegelt und bricht das Licht. Zwei Rosenblätter liegen daneben, auf der Konsole an der Wand.

Schönheit ist mir wichtig

Forster malt, sagt er, „was sich anbietet. Ich denke es mir nicht aus“. Ihm gehe es hierbei um eine Antithese zur Moderne. „Schönheit ist mir wichtig“, sagt er, der Kunst studiert hat – ungewöhnlich, wo Kunst lange aufrütteln, Botschaften übermitteln sollte, provokant, rebellisch sein musste?

Malen, wie in ganzen Sätzen

„Kunst ist für mich Ausdrucksform.“ Für ihn selbst sei es an der Zeit, in ganzen Sätzen zu sprechen, seine eigene Malerei zu einem System ganzer Formen zurück zu führen. Lange genug seien „die kritischen Anforderungen an Kunstwerke zu einem solchen Allgemeingut geworden, dass sie nicht mehr Avantgarde sind.“

Er macht es spannend: „Manchmal liegt bei einem Werk alles offen da, aber sichtbar ist es deshalb trotzdem nicht sofort.“

Die Mitglieder-Ausstellung des Kunstvereins Bretten ist im Beyle-Hof zu sehen von Sonntag, 19. Januar, bis 29. Februar: samstags 10 bis 13 Uhr, sonntags 15 bis 17 Uhr in der Sporgasse 8.  Mehr: www.kunstverein-bretten.de.