Das DRK liefert neben Essen auf Rädern nun auch an Tafelkunden der Diakonie und vor allem Risikogruppen künftig wöchentlich Essenspakete nach Hause.
Das DRK liefert neben Essen auf Rädern nun auch an Tafelkunden der Diakonie und vor allem Risikogruppen künftig wöchentlich Essenspakete nach Hause. | Foto: Rebel

Kooperation in Bretten

Auch Tafelkunden erhalten Essen nach Hause

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Bewährt und jetzt auch berührungslos: Traditionshandwerker wie Metzger denken in Zeiten der Pandemie um und setzen zusätzlich darauf, Ware zu liefern, auch in Bretten. Und sie stoßen auf spontane Kooperationsbereitschaft bei der Diakonie und dem Rotem Kreuz (DRK) vor Ort.

Mit seinem Dienst Essen auf Rädern hat das DRK auch in der Melanchthonstadt Erfahrung und logistische Strukturen. Die Diakonie ihrerseits hat Kunden, die sie nach Schließung des Tafel-Ladens momentan nicht bedienen kann, darunter viele aus Risikogruppen. Und sie wollen nun ihre Kompetenzen bündeln.

Zudem wächst der Kundenkreis derzeit um all jene, die wegen des Infektionrisikos das Haus hüten sollten. Ihnen bietet das DRK Tiefkühlessen auf Rädern an. Die Metzgerei Geist aus Bretten liefert zudem warmes Essen aus. Berührungslos zu Lebensmitteln kommt man in der Region auch dank des Einkaufs-Services der Diakonie oder man holt sich bei Hofläden oder Automaten selbst Milch, Eier oder Wurst ab.

Wir sind traditionell die Nahversorger

Jürgen Geist, Metzgermeister aus Bretten

 

Jürgen Geist, Metzgermeister aus Bretten: „Supermärkte sind ja derzeit oft in den Medien. Aber wir als Handwerker sind traditionsgemäß seit Jahren die etablierten Nahversorger“, so Geist. „Und es ist dramatisch, eine solche Situation hatten wir noch nie.“ Er erläutert: Zu seinem Unternehmen gehören das Hotel und der Gastronomiebetrieb Zum Hirsch. „Geschlossen.“

In seiner Metzgerei in der Innenstadt sind alle Abstands- und Hygienevorkehrungen getroffen. Kunden betreten maximal zu dritt den Laden. Komplett ausgefallen aber ist die Schulbelieferung durch die Metzgerei. Sie belieferte Melanchthon-Gymnasium, Schillerschule mit Realschule und auch Hebel- und Schwandorfschule.

Umsätze um 70 Prozent eingebrochen

„Es sind 70 Prozent unserer Umsätze weggebrochen, bei 30 Mitarbeitern“, sagt er. „Wir haben da auch eine moralische Verpflichtung. Manche Mitarbeiter sind seit Jahrzehnten bei uns“, so der Metzger. Es galt, kreativ zu werden. Vier bis fünf Mal täglich liefert Geist nun zum einen Wurst und Fleischprodukte aus. Ab Montag kommen nun auch warme, frisch gekochte Gerichte hinzu.

Und der Metzgermeister kam auf die Idee, sich für die Logistik Erfahrung ins Boot zu holen, sich mit anderen zusammen zu tun. Er wandte sich an DRK-Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann und an Achim Lechner, den Leiter der Diakonie-Dienststelle in Bretten.

Der Zusammenhalt wächst

Zugleich erkundigte er sich über Vorschriften und erlitt dabei einen kleinen Rückschlag. „Es bestehen für die Auslieferung warmen Essens hohe Standards. Die Kerntemperatur darf aus Hygiene-Gründen nicht unter 62 Grad sinken. Darum fahren meine Mitarbeiter jetzt doch noch selbst raus zu unseren Kunden. Sie fahren stets nur drei Adressen an und beladen den Wagen dann neu“, sagt Jürgen Geist.

 

In der Diakonie-Telefonzentrale gehen Aufträge von Tafelkunden ein. Vor allem, wer zu Risikogruppen zählt kann sich wegen Essenspaketen melden.
In der Diakonie-Telefonzentrale gehen Aufträge von Tafelkunden ein. Vor allem, wer zu Risikogruppen zählt kann sich wegen Essenspaketen melden. | Foto: pr

Dennoch wächst hier eine neue Kooperation. „Viele engagierte Helfer und Mitarbeiter haben hier in den vergangenen Tagen alles mit uns organisiert“, sagt Achim Lechner für die Diakonie. Die Telefonzentrale ist besetzt, der Auftragseingang gesichert. Und die Diakonie nimmt auch Aufträge für warme Essen an, und gibt diese an Metzger Geist weiter, bestätigt Lechner.

Viele gehören zur Risikogruppe

Umgekehrt gibt das Metzgerei-Team Wünsche bezüglich TK-Kost oder von hilfebedürftigen Tafelkunden an die anderen Partner weiter. „Wir wollen an einem Strang ziehen“, betont Geist und er suche weiter nach Lösungen für das Temperatur-Problem.

Claudia Schmidt, Schriftführerin des DRK-Ortsvereins Bretten organisiert die Fahrdienste für die Tafelkunden der Diakonie. Von diesem Donnerstag an werden im Tafel-Laden die Päckchen gepackt. Das DRK erhält von der Diakonie eine Liste und fährt sie bis abends aus. Künftig einmal wöchentlich an jedem Donnerstag erhalten Tafelkunden so ihr Essenspaket. Zuvor haben Diakoniemitarbeiter, wie immer, von den Lieferanten, meist Discountern, deren Spenden abgeholt und sie aufbereitet.

Essen auf Rädern erweitert seine Zielgruppe

DRK-Mitarbeiter liefern die Essenspakete in entsprechender Schutzausrüstung, ohne Berührung bis nachhause. „Wir werden versuchen, den Kontakt zwischen unseren Mitarbeitern und den Kunden möglichst zu vermeiden.“ Die Lieferung werde vor die Haustür gestellt. Die Fahrer klingeln. Nur bei Kunden, die Hilfe benötigen, würden die Menüs mit Mundschutz und Handschuhen in die Räume gebracht oder auch mal aufgeräumt.

Das DRK ist für seine Tiefkühl-Kost, das Essen auf Rädern, bekannt. Es berücksichtigt diverse Kostformen oder Unverträglichkeiten, eignet sich also beispielsweise für Allergiker, Menschen, die sich cholsterinfrei ernähren müssen oder hält auch Gerichte für die Risikogruppe der Diabetiker vor.

Wochen-Paket zum Fertigkochen

Da nun mehr Seniorinnen und Senioren wegen der Ausgangsbeschränkungen ihre Einkäufe draußen minimieren möchten, erinnert das DRK an diese Möglichkeit. Die Tiefkühlgerichte bestehen aus Einheiten für sieben Tage. Geliefert wird das Menüpaket einmal wöchentlich freitags. Zur gewünschten Zeit kocht der Kunde das TK-Gericht zu Hause in der Mikrowelle oder im Backofen zu Ende.

DRK-Kreisgeschäftsführer Biermann: „Derzeit haben wir 126 aktive Kunden in Bretten. Am häufigsten werden die Diabetiker-, die Vollkost und das Angebot `Klein und Lecker´ nachgefragt, also kleinere Portionen oder Menüs.“ Beliebt seien auch die Kuchensortimente.

Service
Mehr zum DRK-Essen unter (0 72 51) 92 21 75, für Metzger-Ware von Geist unter (0 72 52) 9 56 09. Lieferdienste bieten auch Familie Kratzmeier-Hauck für Forellen, Putenprodukte oder diverse fertige Gerichte (0 72 52) 15 49 sowie Axel Zickwolf mit Fachmetzgerei unter (0 72 52) 97 30 57.