Eine lange Warteschlange hat sich vor dem Grüngutsammelplatz der Stadt Bretten am Ortsausgang Richtung Großvillars gebildet.
Eine lange Warteschlange hat sich vor dem Grüngutsammelplatz der Stadt Bretten am Ortsausgang Richtung Großvillars gebildet. | Foto: Rebel

Wohin mit dem Grünschnitt?

Vor der Grüngut-Sammelstelle in Bretten wartet man in Corona-Zeiten besonders lange

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Wohin mit dem Grünschnitt? Für Stadtbewohner mit kleinem Vorgarten ist das ein Problem. Gut, dass es Grüngutsammelplätze gibt. Entsprechend groß ist dort wie an vielen anderen Orten in der Region derzeit der Andrang. Die Corona-Abstände müssen auch da eingehalten werden.

Die Schlange ist gut 100 Meter lang, ein Auto hinter dem anderen. Manche mit Anhänger, dazwischen ein Kastenwagen, dann wieder ein Kombi. Hin und wieder auch ein Traktor mit Hänger. Die Damen und Herren am Steuer – der Altersschnitt liegt deutlich über 60 – haben alle ein Ziel und ein Anliegen: Sie wollen ihr Grüngut entsorgen.

Und dafür ist der Grüngutsammelplatz der Stadt Bretten im Gewann Hetzenbaumhöfe am Brettener Ortsausgang Richtung Großvillars ein idealer Ort. Einfach hinfahren, abladen, fertig. Für Stadtbürger mit Minivorgarten oder kleiner Grünfläche ist das Kompostieren von Grünschnitt ohnehin ein Problem. Allein schon aus Platzgründen. Und wohin dann mit dem guten Mutterboden?

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Zwei Meter Sicherheitsabstand wegen des Coronavirus

Da bietet sich doch so eine Sammelstelle an. Die kurze Wartezeit vor dem Tor nehmen die Kleingärtner geduldig in Kauf. Denn die Dame mit der Signalweste lässt immer nur fünf Fahrzeuge aufs Gelände. Und freut sich, dass keiner meckert.

Drinnen steuern manche zielsicher den richtigen Abladeberg an oder werden vom Hüter des Sammelplatzes eingewiesen – mit gehörigem Corona-Abstand versteht sich. Zwei Meter sollen es laut Hinweisschild am Eingang sein, die Kunden halten sich daran.

Auch Pferdeäpfel dürfen angeliefert werden zur Freude von Marianne Merz-Lahm aus Gölshausen und ihrer Tochter.
Auch Pferdeäpfel dürfen angeliefert werden zur Freude von Marianne Merz-Lahm aus Gölshausen und ihrer Tochter. | Foto: Rebel

Zwischen vier Fraktionen können sie wählen: Auf einem Riesenstapel türmen sich Bäume und Äste bis zu 15 Zentimeter Durchmesser. Ein Stück weiter das etwas feinere Geäst mit dem Heckenschnitt und in der Mitte der Riesenberg mit dem Rasenschnitt.

Dort hat gerade eine Dame mit ihrer Tochter den Anhänger routiniert rückwärts zum Abladen platziert. In großen Behältern kippen die Frauen eine besondere Fracht ab: Pferdeäpfel. „Wir machen Ferienbetreuung und Kindergeburtstage und haben zwei Pferde“, sagt Marianne Merz-Lahm aus Gölshausen. Zweimal die Woche bringt sie ihren Pferdemist vorbei. Sie sei gottfroh, dass es diese Sammelstelle für Grünschnitt gibt, denn aufs Feld dürfe man den Pferdemist ja nicht mehr ausbringen.

Rückwärts einparken und abladen: Auch auf der Flehinger Grüngutdeponie nutzen viele Kleingärtner die Gelegenheit, Rasen- und Strauchschnitt loszuwerden.
Rückwärts einparken und abladen: Auch auf der Flehinger Grüngutdeponie nutzen viele Kleingärtner die Gelegenheit, Rasen- und Strauchschnitt loszuwerden. | Foto: Rebel

Auf der Flehinger Grüngutdeponie „Im Hasengarten“ ist derweil deutlich weniger los. Dort sorgen zwei Rentner als 450-Euro-Jobber für Ordnung. Einen deutlich größeren Ansturm hatten sie vor zwei Wochen zu bewältigen, als die Deponie nach längerer Pause wieder die Tore öffnete.

Auch hier wird das Grüngut nach Fraktionen getrennt. Auch kleinere Mengen Bauschutt oder Altmetall werden entgegengenommen. Ein besonderer Container ist für Windelsäcke reserviert, die man allerdings vorher bei der Gemeindeverwaltung kaufen muss. Ansonsten ist die Anlieferung des Grünabfalls kostenlos.

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Auch Erdaushub wird angenommen

Auch Gasbetonsteine müssen getrennt entsorgt werden. Gegen Vorankündigung und Bezahlung wird auf der Deponie auch Erdaushub angenommen. „Wir lassen immer nur zwei Fahrzeuge zum Grüngut und drei auf den Reisigplatz und achten streng auf den nötigen Abstand“, berichtet einer der Mitarbeiter. Da müsse man schon dem einen oder anderen Besucher zeigen wie viel zwei Meter sind.

Zum Eigenschutz des Personals stehen Wasser und Seife, Handschuhe und Schutzmasken sowie Desinfektionstücher bereit, auf dem Tresen im Servicecontainer trennt eine Plexiglasscheibe die Mitarbeiter beim Ausstellen der Lieferscheine von den Besuchern.