Erst mal anhalten muss der Durchgangsverkehr, der von Bretten her auf der B 35 Richtung Bruchsal durch Gondelsheim geführt wird. Die Stop-Stelle in der Ortsmitte wird aus Sicherheitsgründen in Kauf genommen, auch wenn sich hier zu den Stoßzeiten der Verkehr staut. | Foto: Rebel

Sicherheit vor Verkehrsfluss

Warum der Durchgangsverkehr in Gondelsheim keine Vorfahrt bekommt

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Dicker Verkehr in Gondelsheim: Seit zwei Wochen rollt die Blechlawine, die von Bretten her auf der B35 Richtung Bruchsal fährt, mitten durch den Ort. Grund dafür ist die dadurch angestrebte Beschleunigung der Fahrbahnsanierung der B35. Die soll nämlich abgeschlossen sein, wenn ab April 2020 der Bahnübergang in Gondelsheim voll gesperrt wird. So will man den befürchteten Verkehrskollaps verhindern.

Warum aber gewährt man dem Durchgangsverkehr bei der Ortsdurchquerung dann nicht die Vorfahrt, fragt sich mancher Gondelsheimer. Denn an der Einmündung in die Bahnhofstraße/Bruchsaler Straße müssen die durchfahrenden Pkw und Lkw dem Verkehr vom und zum Bahnübergang die Vorfahrt überlassen. In Stoßzeiten staut sich so der Verkehr mitunter bis zur B35 zurück.

Größere Feinstabbelastung als am Stuttgarter Neckartor?

Und kommt stellenweise komplett zu Stehen – mit allen unerwünschten Begleiterscheinungen. „Wir haben mittlerweile eine größere Feinstaubbelastung als am Stuttgarter Neckartor“, erklärt ein verkehrsgeplagter Anwohner.

Das Problem ist sowohl bei der Gemeinde wie auch im Landratsamt wohlbekannt und vieldiskutiert. „Wir haben uns sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, ob man dem Durchgangsverkehr nicht die Vorfahrt gewähren sollte“, erklärt Bürgermeister Markus Rupp auf BNN-Nachfrage. Doch drei gewichtige Gründe sprächen dagegen.

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Zu hohe Gefahr durch Staus beim Bahnübergang

„Wenn wir die Vorfahrt ändern, dann ist die Gefahr groß, dass sich der Verkehr von Neibsheim her bis auf den Bahnübergang zurückstaut, was zu überaus gefährlichen Situationen führen kann“, bekundet Rupp. Zum zweiten wolle man verhindern, dass auf dieser Durchgangsstraße bei geringerem Verkehrsaufkommen zu schnell gefahren wird.

Nach Einschätzung des Bürgermeisters wird dort bei freier Strecke bereits jetzt schon zu schnell gefahren. Dem wolle man nicht auch noch Vorschub leisten. Und zum Dritten sei der Mensch ein Gewohnheitstier. Eine geänderte Vorfahrt könne ebenfalls zu brenzlige Situationen führen.

Stau bei Durchgangsverkehr wird in Kauf genommen

„Wir wissen natürlich, dass der Verkehr dort nicht flüssig ist und immer wieder stockt und steht“, erklärt der Gondelsheimer Schultes. Doch die Sicherheit sei wichtiger als der Verkehrsfluss. Massive Auswirkungen auf Gondelsheim habe es übrigens auch, wenn es auf der A8 zwischen Pforzheim und Karlsruhe zu Staus kommt. Dann führen viele Autofahrer in Pforzheim ab, um über die B35 nach Bruchsal zu kommen. Und verstopfen auch die Gondelsheimer Ortsdurchfahrt.

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Flankierende Maßnahmen sollen helfen

Mit einer Reihe flankierender Maßnahmen will die Gemeinde zudem für mehr Sicherheit für ihre Bürger sorgen. An der Einmündung der Brettener in die Bruchsaler Straße wurde die Fahrbahn aufgeweitet.

Mit einem mobilen Blitzer wird der Durchgangsverkehr überwacht. Schilder sollen die Autofahrer für die Passanten sensibilisieren. | Foto: Rebel

Drei Fußgängerampeln stehen an der Brettener Straße, beim Rathaus und an der Bruchsaler Straße zur Querung zur Verfügung. Acht Plakate fordern die Autofahrer zum aufmerksamen und rücksichtsvollen Fahren auf. Außerdem wacht ein halbstationärer Blitzer auf die Einhaltung des Tempolimits. Er wird täglich an wechselnden Standorten aufgestellt.

Und nicht zuletzt wurden die Schulen, die Schüler und die Eltern über die veränderte Verkehrssituation informiert und auf die Regeln beim Überqueren der Ampeln hingewiesen, informiert Rupp.