Warten auf die Verordnung: Ohne konkrete Vorgaben bezüglich Quadratmeter je Person und Liege- oder Wasseroberfläche lassen sich keine Zugangszahlen ermitteln, teilen die Kommunen mit. Und die Abstandsregeln in den Freibädern, wie hier in Bretten sind nicht die einzigen Hürden, vor denen die Betreiber stehen.
Warten auf die Verordnung: Ohne konkrete Vorgaben bezüglich Quadratmeter je Person und Liege- oder Wasseroberfläche lassen sich keine Zugangszahlen ermitteln, teilen die Kommunen mit. Und die Abstandsregeln in den Freibädern, wie hier in Bretten sind nicht die einzigen Hürden, vor denen die Betreiber stehen. | Foto: BNN (Archiv)

Start noch nicht am 6. Juni

Wasserratten in Bretten und Oberderdingen brauchen noch Geduld

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Am 6. Juni dürfen die Schwimmbäder wieder öffnen. Doch das ist für die Bäder in Bretten und Oberderdingen zu kurzfristig. Denn selbst ohne Corona dauere es drei Wochen, bis alles wieder hochgefahren sei. So müssen sich Wasserrratten noch gedulden.

„Seit Wochen versuchen wir von der Landesregierung ein Datum zu bekommen und nun soll es so kurzfristig gehen?“ Stefan Kleck ärgert sich. Und Brettens Bürgermeister Michael Nöltner stärkt dem Stadtwerke-Chef den Rücken. „Es ist erfreulich, dass Familien jetzt wieder diese Perspektive erhalten“, sagt er. „Aber ein Schwimmbad runter zu fahren, geht schneller, als es wieder in Betrieb zu nehmen.“ Auch er wünschte sich von der Landesregierung, dass manche Pressemitteilung nicht den Eindruck erwecken möge, als ließe sich eine Verordnung übers Wochenende umsetzen.

Kleck war allerdings so wenig überrascht, wie die Verwaltungen in Bretten und Oberderdingen, dass Baden-Württemberg nun nachzog, nachdem der Startschuss für Bäder in der Pfalz fiel und aus Bayern verlautete, dass sich Wasserratten auf den 8. Juni freuen könnten. In Baden-Württemberg wurde Donnerstag bekannt, dass Bäder am 6. Juni öffnen dürften – unter Vorlage eines detaillierten Betriebskonzepts.

Ich weiß nicht, ob die glauben, wir drehen bei der Bäderöffnung nur einen Schlüssel um.

Stefan Kleck, Geschäftsführer der Stadtwerke Bretten

„Ich weiß nicht, ob die sich vorstellen, dass wir nur den Schlüssel umdrehen?“ Kleck erinnert an den ursprünglichen Stufenplan der Landesregierung. Danach war für den Regelbetrieb der 15. Juni vorgesehen, sagt er. Entsprechend bereitete man sich vor. Das lasse sich nicht beschleunigen und so bleibt es dabei: In Bretten öffnet das Kombibad am 15. Juni, nach den Pfingstferien. So bedauerlich die Wartezeit auch sei.

Drei Wochen Vorlauf sind auch ohne Corona nötig

„Schon ohne Corona-bedingte Auflagen beträgt der Vorlauf rund drei Wochen“, so Kleck. Neben dem Entleeren, Reinigung und Neubefüllen der Becken samt Beheizung müsse der TÜV eine Probe begutachten und das Gesundheitsamt sein Placet geben.

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Bezüglich der Corona-Auflagen müssten die Mitarbeiter wissen, wie viele Personen je Quadratmeter auf Liegeflächen oder im Wasser erlaubt seien, Wege müssten mit Pfeilen beklebt werden und mehr.

Bad-Besucher können die Tickets per App kaufen

Wie beim Naturerlebnisbad in Flehingen sollten die App-basierten Buchungssysteme bald fertig werden, so Kleck und Oberderdingens Kämmerer Dieter Motzer, der auch zuständig für die Bäder Oberderdingens ist. Über die App kann in Bretten für maximal drei Tage im Voraus ein Ticket gekauft werden.

Damit sei sowohl sicher gestellt, dass niemand für mehrere Tage im Voraus Plätze belege als auch, dass man anhand der Maximalbelegung schon online die freie Platzzahl erkenne, so Bürgermeister Nöltner. Per QR-Code auf dem Handy und dem Scanner am Drehkreuz öffne das Schwimmbad dann.

Kostendeckung ist nicht möglich

In Bretten wie in Oberderdingen will man voraussichtlich Schichtbetrieb fahren, um sich einem wirtschaftlichen Angebot zumindest zu nähern. Von Kostendeckung könne keine Rede sein, sind sich Kleck und Motzer einig. Auch Motzer und sein Verwaltungschef, Bürgermeister Thomas Nowitzki kennen den Wunsch vieler Bürger nach einer Freizeitmöglichkeit angesichts diesjährig mauer Urlaubsvarianten. Und Kinder müssten schwimmen lernen, so Motzer.

Flehinger Naturerlebnisbad: Warten auf den Startschuss: das Naturerlebnisbad Flehingen ist auf den Saisonbeginn vorbereitet. Im Blick auf Corona stehen allerdings weitere Aufgaben an.
Flehinger Naturerlebnisbad: Warten auf den Startschuss: das Naturerlebnisbad Flehingen ist auf den Saisonbeginn vorbereitet. Im Blick auf Corona stehen allerdings weitere Aufgaben an. | Foto: Corinna Stein

In Oberderdingen soll voraussichtlich in drei Schichten gebadet werden von je drei Stunden. In Bretten differenziert man etwas mehr. Das Hallenbad soll Schwimmern dienen. Im Freibad sind am Vormittag zwei „Zeitscheiben angedacht“, für Bewegungsfreudige, am Nachmittag eine längere von etwa vier Stunden für Familien mit Kindern und am Abend weitere Zeitabschnitte.

Zwischen den Schichten werde in allen Bädern zugunsten Reinigung und Desinfektion geschlossen. Die Tickets kosten etwas weniger wegen der Zeitbeschränkung, wenngleich der gestiegene Aufwand auch einberechnet werden müsse, so Kleck.

Betreiber warten auf die Verordnung der Landesregierung

Auch werde der Betrieb mit dem sonstigen Regelbetrieb nichts zu tun haben. Statt 1.000 bis an die 4.000 Besucher an heißen Tagen, würden allenfalls 600 Personen zugelassen, glaubt Kleck. In beiden Gemeinden wartet man auf die Verordnung der Landesregierung. Denn ohne konkrete Vorgaben „stochern wir im Nebel“, so Kleck.

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Laut Motzer öffne keines der Oberderdinger Bäder am 6. Juni. Das Freibad nicht, weil die Bauarbeiten nicht abgeschlossen seien. Das Naturerlebnisbad Flehingen nicht, weil die Entwicklung des Betriebskonzeptes Zeit brauche. Doch spätestens bis 1. Juli soll auch in Oberderdingen Badespaß möglich sein.

Keine Saisonkarten

Dauer- , Zehner- und Saisonkarten werde es dieses Jahr nicht geben, lässt Motzer wissen, lediglich Tickets für Erwachse und Kinder für einen eher symbolischen Preis. Gleiches verlautet aus Bretten.
In Oberderdingen sollen nach Möglichkeit Tickets online ausgegeben werden. Dazu müsse erst der Kassenautomat programmiert werden.

Am Dienstag hatte Bürgermeister Thomas Nowitzki im Gemeinderat erklärt, dass nur ein Bruchteil der üblichen Gäst das Bad besuchen könne. „Wenn sich das Defizit verdoppelt, muss man eben entscheiden“, erklärte der Verwaltungschef.