Viele Besucher stehen auf dem Ettlinger Sternlesmarkt an den geschmückten Ständen und Buden bei Glühwein, Bratwurst oder einer Portion Pommes.

Sternlesmarkt in Ettlingen

Weihnachtlicher Kalorien-Härtetest

Plätzchen, Lebkuchen, gebrannte Mandeln, Glühwein und an den Feiertagen ein guter Braten – die Zeit um Weihnachten ist ein Fest für Leckermäuler und Genießer. Der Besuch auf einem der Weihnachtsmärkte in der Region ist beinahe schon obligatorisch. Und dort kann man nach Herzenslust schlemmen – und das Essen ist meistens fett und energiereich. Aber wer in diesen Tagen auf die Kalorien schaut, braucht entweder einen eisernen Willen oder ein gutes Sportprogramm. Renate Pabst, Leiterin der Abteilung Hauswirtschaft und des Ernährungszentrums beim Landratsamt Karlsruhe, kann aber beruhigen.
„Wenn man sich über das Jahr hält, kann man an Weihnachten gerne genießen“, sagt sie. Bei dem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt würden andere Prioritäten gesetzt, wie beispielsweise Erinnerungen an die Adventszeit gepflegt. Man nehme nicht ausschließlich zwischen Weihnachten und Neujahr zu, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten. Bei einem Besuch des Ettlinger Sternlesmarkt und haben die BNN beliebte Weihnachtsmarkt-Leckereien unter die Lupe genommen.

Bratwurst oder Currywurst

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Die ersten Schritte auf dem Weihnachtsmarkt sind getan, und gleich steigt einem der Geruch von Gebratenem in die Nase. Zielstrebig wird der Bratwurst-Stand angesteuert. Ganz klar, Bratwürste haben immer Saison, egal im Winter oder im Sommer, egal ob weiße, rote, grobe oder feine, Schwein, Rind oder gemischt.
Die Entscheidung ist gleich gefällt: Eine Nürnberger Rostbratwurst im Brötchen soll es sein. Anstelle von Senf gibt es Ketchup mit dazu. Allein die Wurst hat schon rund 400 Kalorien. „Es kommt auch immer auf die Qualität der Ware an“, sagt Renate Pabst. Und darauf, ob die Wurst auf dem Grill, über offenem Feuer oder in der Pfanne vor sich hin gebrutzelt hat. Gute Qualität zeichne sich durch einen geringen Fettanteil aus. Eine Currywurst liegt mit Sauce bei etwa 550 bis 650 Kalorien. Das heißt: Eine Stunde Joggen gehen, dabei acht Kilometer zurücklegen, dann ist die Grillspezialität abtrainiert.

Pommes frites

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Mit Schmackes taucht die Verkäuferin das weiße Pappschälchen in die frisch frittierten Kartoffelstäbchen – 300 Kilokalorien garantiert. Eine Prise Salz kommt noch oben drauf. Ein wenig mehr hätte es durchaus sein dürfen. „Ketchup, Majo?“, fragt die nikolausbemützte Servicekraft.

Wenn schon, denn schon – Pommes Schranke. Es ist die lange, dünne Sorte. Stäbchen um Stäbchen wandert in den Mund. Beim Fünfzehnten hat die Kerntemperatur schon deutlich abgenommen. Und die unter Ketchup und Majo begrabenen Überreste scheinen auch nicht mehr sonderlich verlockend. Also auf zum nächsten Stand!

 

Glühwein

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Nicht nur die roséfarbene Schaumdecke, die sich beim Zapfen auf der Oberfläche bildet, lässt auf einen guten Glühwein hoffen. „Weihnachtspunsch aus Dornfelder“ steht auf der Getränkekarte geschrieben – eine tückische Bezeichnung. Der Dampf, der der Tasse entsteigt, nimmt den Atem. Und der erste Schluck bestätigt: Um einen dieser völlig übersüßten Industrie-Glühweine handelt es sich hierbei nicht. Schwer und süffig ist das Heißgetränk.
Auf die gängige Menge von sieben bis acht Würfeln Zucker kann er verzichten. Weinliebhaber würden ihn gar als gesund bezeichnen. Wäre – ja wäre da nicht der Alkohol. Denn im Gegensatz zum Paletten-Glühwein, der zum Teil auch mit Traubenzucker versetzt ist, hat die Dornfelder-Variante spürbar mehr Umdrehungen. Viel weniger als die üblichen 250 Kilokalorien dürften es dabei auch nicht sein. Aber immerhin – der Alkohol hält das Getränk auch bis zum letzten Schluck warm.

Langos

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Nach dem Glühwein ist aber noch nicht Schluss. Denn in Fett Gebackenes hat nicht nur zur Fastnacht Hochkonjunktur. Der Verkäufer wendet am Langos-Stand den Hefeteig im Fettbad, bis er aufgeht und goldgelb glänzt. Traditionell wird die ungarische Köstlichkeit mit herzhaften Zutaten belegt, allerdings haben sich, ähnlich wie beim Flammkuchen, auch süße Varianten durchgesetzt.
Dementsprechend groß ist die Auswahl. Welche Variante nun die beste ist, daran scheiden sich die Geister. Also, Zimt und Zucker, oder Knoblauch und Käse? Nach einigem Hin und Her gewinnt die Nuss-Nougat-Creme-Version. Schmeckt ein bisschen wie ein Berliner mit Schokofüllung, allerdings ist der Sättigungsgrad enorm.
250 Gramm bringen es auf stolze 600 Kalorien. Nach einigen Bissen ist deutlich zu merken, wie sich das Gebäck im Magen breit macht. Bewegung ist jetzt wohl das beste Mittel: Es wird Zeit für einen kleinen Verdauungsspaziergang über den Markt.

Raclette

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Der intensive Käsegeruch ist schon aus einigen Metern Entfernung nicht mehr zu ignorieren. Hinter der Theke brutzeln gleich vier Laiber unter Rotlicht. Die Wahl fällt auf ein „Raclette auf Bauernbrot“. Kartoffeln sind gerade aus – vielleicht ist es Vorsehung. Die Verkäuferin schabt eine Portion vom Käselaib ab. Als Topping gibts Gürkchen und Zwiebelchen. Rund 350 Kalorien fallen bei 100 Gramm Raclettekäse zu Buche. Die ersten Bissen sind kein Problem. Dann beginnt der Kampf.
Der Magen ist merklich gespannt. Dass sich das Käsebrot meist nur unter Einsatz von Gabel und Fingern portionieren lässt, bringt wertvolle Erholung. Am Ende drückt die Magendecke gegen das Zwerchfell. „Hier bitte nur sauber geleckte Gabeln einwerfen“, steht an der Theke geschrieben. Noch einmal nachgearbeitet – und rein damit.

Crêpe

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Wie wäre es mit einem Crêpe? Gekonnt wird die flüssige Teigmasse auf dem heißen Eisen gedreht. Nebenan stehen in einem heißen Wasserbad Gläser mit Nuss-Nougat-Creme und in einem Kühlschrank lagern noch andere Zutaten. Der Pfannkuchen à la française wird auf einer Pappunterlage gefaltet.
Wie beim Langos stellt sich mal wieder die Frage nach einem eher herzhaften oder doch einem süßen Belag. Warum nicht beides? Camembert mit Preiselbeeren auf den Crêpe. Schmeckt gut, hat aber eine ähnlich satt machende Wirkung wie ein Langos. Je nachdem wie man sich entscheidet, hat ein Stück des Snacks etwa 250 bis 350 Kalorien.

Magenbrot

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Zum Abschluss etwas richtig Süßes: Ganz abgesehen davon, dass Magenbrot schon rein optisch fragwürdig erscheint, bedeutet es für jemanden, der sonst höchstens einmal ein Stück Zartbitterschokolade isst, vor allem eines: den totalen Zuckerschock.
Der Guss knirscht unangenehm zwischen den Zähnen und über Lebkuchengewürz lässt sich streiten. Mit jedem rund 50 Kilokalorien schweren Stück scheinen sich die Kieferleisten schwerer voneinander lösen zu lassen. Zeit, nach Hause zu gehen!

 

Fazit

Zwei Stunden Weihnachtsmarkt und sieben Leckereien später stehen rund 2 400 Kalorien zu Buche – der Teamarbeit sei Dank. Aber: Genießen geht anders. Und alleine wäre der Kalorienmarathon auch nicht vorstellbar – zumindest nicht ohne unangenehme Folgen.
Und dennoch: Wer Lust auf eine Bratwurst oder einen knusprigen Langos hat, der darf die auch ruhig einmal verschlingen. Weihnachtszeit ist Genießerzeit. Und im neuen Jahr ist Zeit, die überschussigen Pfunde wieder abzutrainieren. Oder: „Wenn man vier Kilometer zum Weihnachtsmarkt läuft und vier Kilometer wieder zurück und auf dem Markt eine Bratwurst isst, dann ist das ein Nullsummenspiel“, schlägt Renate Pabst vor. Auch eine Alternative.