Alle Brettener Hallen geschlossen heißt es an der Hallentür. Emma und Theresa Lafferton vom TV Bretten lachen zwar, aber Training, Wettkämpfe und das Drumherum fehlen ihnen allein schon beim Gedanken daran.
Alle Brettener Hallen geschlossen heißt es an der Hallentür. Emma und Theresa Lafferton vom TV Bretten lachen zwar, aber Training, Wettkämpfe und das Drumherum fehlen ihnen allein schon beim Gedanken daran. | Foto: Thienes

Kraichgau-City-Lauf in Gefahr

Wettkampfabsagen wegen Corona enttäuschen Turnerinnen vom TV Bretten

Anzeige

Sie hatten sich so gefreut auf ihren Wettkampf, sagen Theresa und Emma Lafferton. Die Zwillingsmädchen gehören zum Turnerinnen-Team des TV Bretten. „Richtig gute Chancen“ hätten sie gehabt, bescheinigt Katja Veit ihnen. Sie sollten sich in zwei Leistungsklassen, der Gau- und der Bezirksklasse behaupten.

Ob und wann auch weitere Wettkämpfe und Events, darunter der beliebte Sparkasse Kraichgau City-Cup am 18. Juli stattfinden, ist offen. Im Mannschaftswettkampf hätte die weibliche Jugend des Turngaus Karlsruhe unter sich über ihre Besten entschieden, es wäre um die Qualifikation zur nächsten Ebene gegangen. Aber es fiel ins Wasser.

Auf lange Vorbereitung folgt große Enttäuschung

Katja Veit, Abteilungsleiterin im Geräteturnen beim TV Bretten, sagt, für den Wettkampf waren 507 Kinder gemeldet. Allein 15 Brettener Mannschaften, rund 70 Mädchen hatten sich seit Langem vorbereitet.

Woche um Woche haben sie im Hallensportzentrum „Im Grüner“ die Matten ausgelegt oder Barren aufgestellt, um am Samstag, 14. März fit zu sein. Sie haben eifrig auf ihren Leistungshöhepunkt hingearbeitet. 45 Brettener Mädchen waren schließlich angemeldet.

Auch interessant: Planungen zum Brettener Peter-und-Paul-Fest laufen trotz Corona weiter

Da ist die Enttäuschung verständlich, auch wenn Emma und Theresa Lafferton mit ihren bereits 15 Jahren wissen, worum es geht. „Die Sicherheit geht halt vor“, meint Theresa. „Da hat man so viel Vorfreude aufgebaut“, sagt ihr Zwilling Emma, „und dann sieht man ja jetzt die anderen Teams auch nicht“.

Sie haben lange trainiert und mit ihnen viele Mädchen vom TV Bretten für den Turngau-Tag Karlsruhe. Nun macht ihnen das Virus einen Strich durch die Rechnung. Und für den Verein steht noch mehr auf dem Spiel.
Sie haben lange trainiert und mit ihnen viele Mädchen vom TV Bretten für den Turngau-Tag Karlsruhe. Nun macht ihnen das Virus einen Strich durch die Rechnung. Und für den Verein steht noch mehr auf dem Spiel. | Foto: Thienes

Die ganz Kleinen verstehen Absagen wegen des Coronavirus nicht

Dabei gehöre das neben den Fahrten zu den Wettkämpfen zu den schönsten Momenten. Es stärke den Mannschaftszusammenhalt, so Emma. Es ist ihre Art zu sagen, dass da mehr ausfällt, als nur ein Tag Wettkampf – ein wichtiger Teil des sozialen Lebens von Hunderten im Turngau. Das Virus bremst Jugendliche und Kinder aus, die sonst viel Wert auf Bewegung und Miteinander legen.

So viel Vorfreude, aber die Sicherheit geht halt vor

Turnerinnen Emma und Theresa Lafferton vom TV Bretten

Das alles den ganz Kleinen ab sechs Jahren zu erklären, ist schwierig. Und noch ist nicht klar, ob all die Handstände, Überschläge und anderen Übungen der Mädchen noch zum Wettkampfeinsatz gelangen werden.

Mehr zum Thema: Wie Sie ihren Kindern das Coronavirus erklären können

„Die Qualifikationen sind ja leider durch jetzt“, sagt Abteilungsleiterin Katja Veit. „Der Wettkampf soll, wenn möglich zwar im Sommer nachgeholt werden. Allerdings ist es dann nicht mehr möglich, die Qualifikationen nachzuholen, da die Anschlusswettkämpfe dann schon vorüber sind.“

Auch Marc-Kevin Schmidt zuckt mit den Schultern. Er ist Trainingsleiter der Zwillingsmädchen und spricht mit seinem Bedauern aus, was beim TV Bretten auch die vielen Ehrenamtlichen trifft.

In zwölf Wettkampfsportabteilungen und bei 27 Freizeit- und Breitensportangeboten ist das Programm stets dicht gestrickt, es geht immer was. Bei vielen lief der Trainingsbetrieb auch noch, bis die Schulen schlossen: Das betraf dann auch die Hallen. Aus und vorbei – keiner weiß, wie lange.

Risikogruppen kamen schon länger nicht zum Training

„Und das alles in dem Jahr, in dem wir aufs Jubiläumsjahr 2021 zusteuern“, sagt Hans-Jörg Zierdt. „Der TV Bretten wird ja 2021 schon 175 Jahre“, sagt der Pressesprecher.

Vom Ernst der Lage schon vor über zehn Tagen überzeugt. Man habe als erstes die Teilnehmer im Bereich Gesundheitssport – die Lungensportgruppe, die Rehagruppe, Diabetiker sowie die Herzsportgruppe – angeschrieben. „Wir baten, besser nicht zum Training zu kommen“, so Zierdt. Schließlich gehe es um Menschen mit Vorerkrankungen.

Höhepunkt des Jahres wegen Coronavirus in Gefahr

Und sonst? Skiausfahrt ins Wallis in den Osterferien? Gestrichen. Das Pfingstmeeting, offiziell Landeskinderturnfest genannt, wackelt. Es sollte in Ludwigsburg stattfinden, so Heiko Valentin, der Geschäftsstellenleiter des TV Bretten. Zehntägige Sommerferienfreizeit auf Baltrum? Viel zu früh, das zu beurteilen. Seinem Seufzer folgt eine Pause am Telefon.

Was den TV Bretten aber noch schwerer träfe, wäre, wenn sein größtes Ereignis ins Wasser fiele: der Sparkassen-Kraichgau-City-Lauf. Geplant ist das Hauptevent für 18. Juli und an den Tagen drumherum finden kleinere Läufe für jedermann und ein Rahmenprogramm statt. „Da hängt so viel dran“, sagt Veit.

Immer aktuell: Diese Karten zeigen alle bestätigten Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg

Zierdt ergänzt: „Zwischen 800 und 1000 Helfereinsätze sind es, die der TV Bretten übers Jahr bei allen Events fährt. Aber dieser Ultralauf, der Kraichgau-Marathon, ist mit dem Sommerfest zusammen, der größte von allen. Da sind hunderte vom TV Bretten vor Ort und das bis spät in die Nacht, denn von den Läufern kommen manche erst nachts um ein Uhr ins Ziel.“

Ehrenamtliche sind in Zeiten von Covid-19 gefragt

Aus allen Abteilungen stemmen an den drei Tagen von den über 200 Ehrenamtlichen manche mehrere freiwillige Schichten. Sie stellen Absperrgitter auf- und bauen sie wieder ab. Das gilt auch an die 70 Biergarnituren fürs Fest danach.

Sie organisieren Verpflegung, oder T-Shirts für die Finisher des Laufs. Eine Band fürs Sommerfest will gebucht sein. Und die Ehrenamtlichen stellen Streckenposten oder kutschieren Teams. Und sie sind es auch, die am Ende aufräumen, was von drei Tagen übrig blieb.