Nicht barrierefrei ist das Brettener Gerberhaus mit dem Gerbermuseum, das im Jahr 1585 errichtet wurde.
Nicht barrierefrei ist das Brettener Gerberhaus mit dem Gerbermuseum, das im Jahr 1585 errichtet wurde. | Foto: Rebel

Noch herrscht Nachholbedarf

Wie barrierefrei ist Bretten?

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Längst sind in Bretten nicht alle Gebäude barrierefrei. Gerade bei denkmalgeschützen Bauwerken stößt man in der Melanchthonstadt immer wieder an historische Grenzen.

Neben dem Klimaschutz, dem Breitbandausbau und der Mobilität bewegt vor allem das Thema Barrierefreiheit die Menschen. Während in Bretten in öffentlichen sowie städtischen Gebäuden die Gegebenheiten weitestgehend den Anforderungen und Wünschen von mobilitätseingeschränkten Personen angepasst sind, stellt sich die Situation in historischen Bauwerken in einigen Fällen anders dar – und das aus einem einfachen Grund.

„Wir haben die Barrierefreiheit immer im Blick und versuchen, aus den gegebenen Voraussetzungen das Beste zu machen“, betonen Oberbürgermeister Martin Wolff und Bürgermeister Michael Nöltner, sagen aber auch: „Gerade in den denkmalgeschützten Gebäuden stößt man immer wieder an historische Grenzen.“

Noch jede Menge Nachholbedarf

Im Schweizer Hof, im Gerberhaus, im Alten Rathaus, im Pfeiferturm und in der Stadtbücherei sei in Sachen Barrierefreiheit noch jede Menge Nachholbedarf, meint dazu Peter Bahn. „Die Ansprüche diesbezüglich haben sich geändert. Für heutige Verhältnisse geht die Barrierefreiheit in diesen Gebäuden in Richtung mangelhaft“, erklärt der Kulturwissenschaftler, der in der Wählergemeinschaft „Aufbruch Bretten“ engagiert ist und früher 16 Jahre Leiter des Brettener Stadtmuseums war. Betroffen von den nicht vorhandenen barrierefreien Zugängen seien heute nicht nur mehr Rollstuhlfahrer, sondern auch Menschen mit Rollatoren und Kinderwagen.

Möglichst bald Lösungen finden

Gleiches gelte übrigens für den Bahnhof, das Polizeirevier und das im Amtshaus untergebrachte Amtsgericht sowie das Notariat. „Allerdings hat die Stadt hier nur begrenzt Einfluss“, weiß Bahn, der hofft, dass sich bei diesen Gebäuden und Einrichtungen zumindest in Sachen barrierefreie Zugänge möglichst bald etwas tun wird.

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Dass das aber gerade in diesen Fällen alles nicht so einfach ist, dessen ist sich Hans Martin Leichle bewusst. „In diesen Gebäuden gibt es nun mal diese historischen Grenzen. Da muss man dann, wenn man älter oder mobilitätseingeschränkt ist, für sich einfach irgendwann sagen: Das schaffe ich jetzt halt nicht mehr“, betont der Erste Vorsitzende des Seniorenrats der Melanchthonstadt und rückt noch einen weiteren Faktor in den Fokus: „Barrierefreiheit ist teuer – das muss die Gesellschaft erst einmal leisten.“

Rathäuser sind barrierefrei

Dass man in der Großen Kreisstadt bereits viel dafür getan hat, um den Bürgerinnen und Bürgern zu möglichst vielen Gebäuden auch einen möglichst barrierefreien Zugang zu ermöglichen, steht außer Frage. Sowohl das Rathaus in der Unteren Kirchgasse als auch das Technische Rathaus in der Hermann-Beuttenmüller-Straße ist für mobilitätseingeschränkte Personen zugänglich. In den Stadtteilen sieht es dagegen vielerorts anders was, was auch dem OB nicht gefällt: „Leider sind die Ortsverwaltungen nicht alle barrierefrei.“ Der Grund hierfür ist ebenfalls ganz simpel: Oftmals sind die Ortsverwaltungen in den alten Rathäusern untergebracht, weshalb auch hier häufig der bereits angesprochene Denkmalschutz die entscheidende Rolle spielen.

Probleme bei den Ortsverwaltungen

„Aber wenn dort jemand ein Handicap hat und mit der jeweiligen Ortsverwaltung etwas klären möchte, dann kommt man natürlich auch gerne ins Erdgeschoss runter. Das wird dann ganz praktikabel vor Ort gelöst“, sagt Wolff. Gelöst wird dieses Problem im Laufe des Jahres in Rinklingen, wo die Ortsverwaltung in die barrierefrei zugängliche ehemalige Sparkassen-Filiale umziehen wird. Zudem sollen in den kommenden Monaten in Zusammenarbeit mit dem Landkreis elf Bushaltestellen komplett barrierefrei ausgebaut werden, versichert Wolff.

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Der Bahnhof soll nicht zuletzt durch die Aufnahme in das Bahnhofsmodernisierungsprogramm II in den nächsten Jahren ebenfalls komplett barrierefrei werden. „Wir versuchen ja schon seit geraumer Zeit, die Bahn dazu zu bewegen. Die Chancen dafür waren nie größer als jetzt“, betont das Brettener Stadtoberhaupt.

Aufzug für das Alte Rathaus

Als nächstes aus der Reihe der historischen Gebäude steht in Sachen Barrierefreiheit das Alte Rathaus, bis 1982 Sitz der Stadtverwaltung, auf der Agenda. Hier soll auf der Rückseite, also auf der zur Pforzheimer Straße zugewandten Seite, ein Aufzug installiert werden, damit die Veranstaltungsebene erreicht werden kann. „Das hängt aber auch von den Haushaltsberatungen ab, ob wir dafür noch Geld haben“, erklärt OB Wolff.

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Eine ähnliche Problematik gibt es derzeit auch noch bei der Stadtbücherei, wo die beiden oberen Ebenen nicht barrierefrei zugänglich sind. Dies könnte sich aber ändern, wenn im Zuge der geplanten Sporgassen-Umgestaltung wie erhofft eine Mediathek entsteht.

Schwierige Umbauten

Um ein Vielfaches schwieriger gestaltet sich der Umbau hin zur Barrierefreiheit bei zwei Wahrzeichen der Melanchthonstadt: im Pfeiferturm und im Gerberhaus mit dem Gerbermuseum aus dem Jahr 1585. Die benötigten Aufzüge können schlichtweg nicht installiert und so beide Gebäude nur zu Fuß erkundet werden. „Da lässt sich nichts machen, das war schon vor über 20 Jahren so. Man darf bei dieser ganzen Thematik aber auch nicht überziehen“, betont Bahn und plädiert dafür, dass dort, wo es möglich ist, die notwendigen Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden.