Haben sichtlich Spaß beim "Runden Tisch" im Rathaus: OB Martin Wolff und Michelle Nees vom Landratsamt Karlsruhe im Gespräch mit Teilnehmerinnen der Info- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Integration von Migranten. | Foto: Dederichs

Runder Tisch zu Integration

Wie funktioniert in Bretten das Zusammenleben mit Migranten?

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Von Catrin Dederichs                                                                                                                                                         Der Anteil an Ausländern in Bretten steigt seit Jahren, aktuell leben hier knapp 6.000 Bürger ohne deutschen Pass. Das sind rund 20 Prozent aller Einwohner. Die meisten Migranten kommen aus der Türkei, gefolgt von Ungarn, Italien und Kroatien. Rund 330 der ausländischen Mitmenschen sind Flüchtlinge. Für das laufende Jahr kalkuliert das Landratsamt Karlsruhe mit einer Zuweisung von weiteren 99 Asylbewerbern.

Soweit die Zahlen, die das Brettener Ordnungsamt nennt. Wie aber funktioniert das Zusammenleben mit Migranten wirklich? Welche Hürden gilt es zu meistern, wie bekommt man sie vernünftig in Lohn und Brot? Wer übernimmt die Sprachförderung, um wen sollte man sich besonders kümmern und wer muss eigentlich auf wen zugehen: die Deutschen auf die Ausländer – oder doch eher umgekehrt? Mit Fragen rund um eine gelungene Integration befasste sich der zweite „Runde Tisch Integration und Vielfalt“ im Großen Sitzungssaal im Rathaus in Bretten.

 

„Deutsch, Deutsch, Deutsch“ als Grundvoraussetzung für Migranten

Initiiert ist die Veranstaltung von der Stadt Bretten, weitere Institutionen und Vereine sind der DAF (Deutsch-Ausländischer Freundeskreis), die Kirche, die Caritas, das Flüchtlingsnetzwerk und der Verein Für alle Menschen (FAM). Vor rund einem Jahr hatten sich die Beteiligten zum ersten Mal zusammengesetzt und vier Arbeitsgruppen gebildet: Arbeitswelt, Beratung, Kinder und Jugendliche sowie das Zusammenleben. Im einzelnen berichten die Gruppen nun über ihre Aktivitäten und Erkenntnisse. „Deutsch, Deutsch, Deutsch“ nennt Karl Strobel als Grundvoraussetzung für eine Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt. Zudem erzählt der DAF-Vorsitzende von großem Druck von zu Hause und dem „Drang, schnell Geld zu verdienen“: „Wer in einer Vorbereitungsklasse über Ausbildung spricht, der erntet nur Stöhnen und ,Wann kann ich endlich Geld verdienen?’“, so Strobel. Viele junge Leute würden deshalb Hilfsjobs bevorzugen. Dies bestätigt Michelle Nees vom Landratsamt. Über Praktika und Infoveranstaltungen würden sie deshalb versuchen, die Bedeutung einer Ausbildung „klarzumachen“, zudem würde derzeit über Förderungen nachgedacht.

Foto: Dederichs

 

Sonja Rastert vom Caritas-Verband Ettlingen informiert über Beratungsmöglichkeiten für ausländische Mitbürger. Neben dem vorhandenen Angebot von Broschüren solle „in Kürze eine Willkommensseite für Bretten eingerichtet werden“.

„Sport ist der Integrations-Motor der besten Art“

Den Bereich „Kinder und Jugendliche“ beleuchten Ulrike Stromberger, Chefin des FAM, sowie DAF-Kassenwart Gerhard Junge-Lampart. Als erste Erfolge nennen sie etwa drei Sprachkurse für junge Mütter, die sie ins Leben gerufen hätten und die stark nachgefragt worden seien. Auch beim Sport gelinge die Eingliederung sehr gut, sagt Junge Lampart: „Sport ist der Integrations-Motor der besten Art. Bei den Vereinen gibt es überall gemischte Gruppen.“

Pfarrer Gunter Hauser und Heidi Veith vom Flüchtlingsnetzwerk informieren ebenfalls über gelungene Maßnahmen für und mit Migranten wie das „Café International“, positive Presse oder besondere Freizeitaktionen für Kinder. Luft nach oben sehen sie dennoch: So planen sie etwa die Erweiterung der bestehenden Angebote sowie einen Infostand auf dem Marktplatz.

Pensionierte Lehrer könnten Sprachkurse geben

Nun sind die rund 40 Besucher gefragt: Sie sind aufgefordert zu diskutieren und Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Die Initiatoren scheinen jedoch gute Vorarbeit geleistet zu haben – allzu viele Anregungen kommen jedenfalls nicht. Einige neue Ideen gibt es aber dennoch: So überlegen die Gäste, die geplante Brettener Internetseite alternativ auch auf Englisch anzubieten. Pensionierte Lehrer könnten für Sprachkurse oder als Lesepaten gewonnen werden, sagen sie. Außerdem regen sie an, eine neue App zu entwickeln, die PR-Arbeit mit dem Bereich Tourismus zu vernetzen sowie einen Willkommensfragebogen an jeden Neubürger zu versenden.

Dank an alle ehrenamtlich Tätigen kommt von Oberbürgermeister Martin Wolff: „Dass es in Bretten gut läuft mit den Flüchtlingen, liegt auch an Ihnen. Denn egal, von wo jemand nach Bretten kommt, er fühlt sich hier gut aufgehoben dank Ihnen.“ Und so soll es auch weitergehen: Nach Aussage von Strobel folgt „sicher spätestens in einem Jahr der dritte Runde Tisch“.