"Jeder Salatkopf, den wir wegwerfen müssen, ist einer zuviel", sagt Gerhard Legner, Geschäftsführer von Rewe in Bretten, der alles Erdenkliche unternimmt, dass keine Lebensmittel in die Mülltonne wandern | Foto: Ebert

Brettener Supermärkte gefragt

Wie viel Lebensmittel landen in der Tonne?

Die Kundin im Supermarkt legt das Netz mit den Orangen an der Kasse aufs Band. Da bemerkt sie eine faulige Frucht im Gebinde. „Sie können die faulige Orange herausnehmen, ich nehme das Netz trotzdem, wenn sie einen Rabatt gewähren“, sagt die Kundin zur Dame an der Kasse. „Geht nicht“, erfährt sie von der Marktmitarbeiterin. Und nein, einen Preisnachlass dürfe sie auch keinen geben, das Netz mit einer fauligen und einem Dutzend guter Orangen wandert in die Mülltonne. Dies sei generelle Vorschrift in dieser Supermarktkette, heißt es auf Nachfrage. Die Kundin schüttelt verständnislos den Kopf.

Tafelladen hilft kräftig mit

So kürzlich geschehen und glaubwürdig berichtet aus einer Stadt im Landkreis – nicht in Bretten. Doch Grund genug, einmal in der Melanchthonstadt nachzufragen, wie man bei den ortsansässigen Einkaufsmärkten mit Lebensmitteln umgeht, deren Mindesthaltbarkeitsdatum naht. Das Ergebnis stimmt zumindest im Blick auf die Aussagen der Markleiter beziehungsweise der zugehörigen Pressestellen nicht deprimierend, sondern eher zuversichtlich. Wobei die Zeitung zugegebenermaßen keine Müllcontainer kontrolliert hat. Am erfreulichsten bei der Recherche war die Tatsache, dass die Brettener Tafel wesentlich daran beteiligt ist, dass Lebensmittel an der Grenze des Verfalldatums nicht im Müll landen.
„Wir bekommen jeden Morgen frische Waren und können deshalb sehr kurzfristig neue bestellen, so dass bei uns nicht viel kaputt geht“, sagt die Filialleiterin bei Lidl. Wenn das Ablaufdatum naht, werde die Ware reduziert und möglichst abverkauft. Obst und Gemüse wandern in den Brettener Tafelladen, der täglich mit seinem Transporter anrollt und auch Konserven mit kleinen Macken oder aufgerissene Verpackungen mitnimmt. Nur gekühlte Waren bekomme die Tafel aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nicht. Diese würden schließlich mit entsprechendem Preisnachlass an den Kunden gebracht.

Zu gut für die Tonne: Im Brettener Tafelladen gibt es Obst und Gemüse von den Brettener Supermärkten. Eva Bajus und ihre Helfer sortieren die brauchbare Ware aus.
Zu gut für die Tonne: Im Brettener Tafelladen gibt es Obst und Gemüse von den Brettener Supermärkten. Eva Bajus und ihre Helfer sortieren die brauchbare Ware aus. | Foto: Ebert

Rabatte statt Lebensmitte wegzuwerfen

Ähnlich läuft es bei Kaufland. „Wir vernichten keine Lebensmittel“, erklärt die stellvertretende Marktleiterin. Brot und Kuchen sowie Konserven gehen an die Tafel wenige Tage, bevor das Mindeshaltbarkeitsdatum erreicht wird. Gleiches gelte für Joghurt und andere gekühlte Waren, die Mitarbeiter der Tafel von Montag bis Freitag mit ihrem Kühlfahrzeug abholen. Schimmlige oder faulige Früchte sortieren Tafel-Mitarbeiter später aus, bevor die Sachen in den Verkauf kommen. Nur Fleisch, bei dem die Kühlkette unterbrochen war, darf nicht mehr verkauft werden, sondern muss aus gesundheitlichen Gründen entsorgt werden. Das wandere in den Altfleischcontainer im Kühlhaus, die übrige abgängige Ware in den Biomüllcontainer, ist weiter zu erfahren.
„Die Tafel kommt jeden Tag“, war die einzige Auskunft zum Thema, die bei Aldi in Bretten zu bekommen war. Auf die per E-Mail eingereichte Bitte, einige Fragen zum Thema zu beantworten, kam bis gestern keine Antwort.

„Wegwerfen tut weh“

„Jeder Salatkopf, der wegfällt, ist einer zu viel“, bringt Gerhard Legner, Geschäftsführer von Rewe in Bretten seine Philosophie auf den Punkt. Und dies nicht allein aus wirtschaftlichen Gründen. „Es tut immer sehr weh, Produkte, die eigentlich noch gut sind, auf den Müll zu werfen“, bekundet der Unternehmer, der sich freut, wenn abgängige Waren bei der Brettener Tafel noch verwertet werden. „Faulige Orangen werden bei uns aussortiert, fauliger Salat ebenso“, sagt er, die Tafel bekomme nur einwandfreie Ware. Bei Molkereiprodukten achte man darauf, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird, Fleisch und Wurst werden gesondert entsorgt, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht ist. Backwaren aus dem Automaten, die am Abend noch in den Regalen liegen, nimmt der Lieferant am nächsten Tag zurück.

Grünzeug für die grüne Tonne: Wie viel Lebensmittel in Bretten im Müll landen, lässt sich nur schwer ermitteln.
Grünzeug für die grüne Tonne: Wie viel Lebensmittel in Bretten im Müll landen, lässt sich nur schwer ermitteln. | Foto: Ebert

Frage der Planung

Ob Lebensmittel weggeworfen werden, ist für Legner eine Frage der Planung. „Ich kaufe lieber weniger Ware, die sich dann schnell umschlägt“, sagt er. Trotzdem sei nicht zu vermeiden, dass Waren, die bei Hitze oder Frost aus Italien oder Spanien angeliefert werden, unterwegs Schaden nehmen und nicht mehr verkauft werden können. Ansonsten würden die Waren täglich durchgeschaut und bei nahendem Verfallsdatum reduziert angeboten.

Backregale abends leer

Sechs Tage vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum werden bei Penny die Preise rabattiert, zweimal in der Woche kommen die Fahrer der Tafel. „Wir backen so, dass abends außer dem vorgeschriebenen Mindestangebot von zwei Brot- und zwei Brötchensorten nichts mehr da ist“, erklärt die Filialleiterin. Zwei oder drei normale Mülltonnen kämen pro Woche allerdings schon als Abfall zusammen, räumt sie ein, etwa wenn Kunden Tiefkühlkost aufreißen oder Gebinde kaputtgehen.

Permanente Kontrolle der Lebensmittel

Permanente Kontrolle ist auch das Rezept des Brettener Biomarkts Denns gegen die Lebensmittelverschwendung. „Sechs Wochen vor dem Ablaufdatum reduzieren wir die Waren um 20 Prozent, drei Wochen vor Ablauf sogar um 50 Prozent, informiert Deniz Labe, der stellvertretende Marktleiter. Beim Trockenbestand wie Müsli, Nudeln oder Gewürzen beginne der günstigere Abverkauf sogar drei Monate vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum. „Wir machen jeden Tag eine Frischekontrolle, und was nicht mehr frisch ist oder nicht mehr frisch aussieht bekommt der Tafelladen“, bekundet Labe. Verdorbene Ware gebe es somit so gut wie keine. Milch, Joghurt und Sahne gingen an den Hersteller zurück. Nur sehr wenig Produkte wanderten in die Mülltonne.

Letzte Station Tierpark

Fast am Ende der Lebensmittelkette steht die Brettener Tafel, die mit ihrem Fahrdienst täglich ein rund Dutzend Supermärkte und ein halbes Dutzend Bäckereien ansteuert, um abgängige Ware abzuholen. Vor dem Verkauf bleibt den Helfern im Tafelladen allerdings noch viel Arbeit, denn die Waren müssen sorgfältig aussortiert werden. Manches kann selbst in der Tafel nicht mehr angeboten werden. Letzte Station in der Versorgungskette ist dann der Brettener Tierpark. Der freut sich auch noch über ein paar Kisten Eisbergsalat, der für keine Salatschüssel mehr taugt.