Beim Neujahrsempfang übte OB Martin Wolff auch etwas Selbstkritik im Hinblick auf sein knappes Ergebnis bei der OB-Wahl. | Foto: Rebel

400 Gäste bei Neujahrsempfang

Wolff: Bretten ist inzwischen auch eine Baustadt

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Gute Nachricht für die Brettener Vereine: „Dem Gemeinderat werde ich eine wesentliche Erhöhung der Jugendförderung vorschlagen“, kündigte Oberbürgermeister Martin Wolff beim Neujahrsempfang an. „Das ist gut angelegtes Geld.“ Dass dem so ist, bewiesen am Sonntag in der mit 400 Besuchern gefüllten Stadtparkhalle die Musiker des Musikvereins Neibsheim unter Leitung von Claudia Straub mit modernem, hervorragend intoniertem Sound.

Boten einen Super-Sound: Die Musiker des Musikvereins Neibsheim unter Leitung von Claudia Straub. | Foto: Rebel

Wolff lässt Jubiläumsjahr Revue passieren

In seiner mehrfach mit Beifall quittierten Neujahrsansprache ließ Wolff nochmals das abgelaufene Jubiläumsjahr Revue passieren, erinnerte daran, dass auch Diedelsheim 1 250 Jahre alt wurde und zudem das Reformationsjubiläum zu stemmen war. Alles in allem seien 150 Helfer im Einsatz gewesen, um die fast 120 Veranstaltungen mit 45 000 Besuchern zu bewältigen. „Keine Hürde war zu hoch und keine Überraschung zu groß, als dass es nicht kreative Menschen gegeben hätte, die für alles eine Lösung hatten. Brettener eben!“. Diesen gelte sein besonderer Dank.
Damit habe sich Bretten als „Kultur- und Reformationsstadt landesweit in Erinnerung gebracht“, so Wolff weiter. Nicht zuletzt sei das Peter-und-Paul-Fest zum Vermittler des europäischen Kulturerbes im Europäischen Kulturjahr 2018 auserkoren worden. Das sei „ein Beweis, dass feiern nicht einfach nur ,feiern‘ ist und ein Gewand ein Lebensgefühl und keine Verkleidung ist.“

Selbstkritischer Rückblick auf die OB-Wahl

Aber Bretten erfinde sich auch immer wieder neu. Und so sei aus dem Dreiklang Philipp Melanchthons „Dialog – Disput – Erneuerung“ etwas Neues entwickelt worden, nämlich die großformatigen Bilder von Thomas Rebel mit einer völlig neuen Sichtweise. Wolff: „Und wie lautet die Botschaft? Lassen Sie uns nicht im Disput verharren, sondern eintreten in den Dialog mit dem Willen zur Erneuerung. Gemeinsam.“
Den Dialog will der OB auch verstärkt mit den Bürgern suchen: „Ein so knappes Ergebnis muss nachdenklich machen“, blickte Wolff auf die OB-Wahl zurück. Es sei „nur gut, wenn man anlässlich eines solchen Ergebnisses reflektiert und hinterfragt, was die Bürger umtreibt, unzufrieden macht oder irritiert – oder, durch was sie beeinflusst wurden“. Allerdings würden „sich einige Menschen fragen müssen, was war anständig und was nicht“. Er werde „auf alle Fälle“ dieses Ergebnis „zum Anlass nehmen, noch besser zuzuhören und Defizite ernster zu nehmen“, versprach Wolff den Brettenern.

Sporgasse und Mellert-Fibron-Gelände Schwerpunkte

Als große Aufgaben, die die Stadt weiterhin beschäftigen werden, nannte der OB die Entwicklung des Sporgassenareals, des Mellert-Fibron-Geländes und die Lösung des Verkehrsproblems. Die Sporgasse benötige man „als zentralen Ort zur Stärkung der Innenstadt“. In Kürze werde die erste Baufläche auf der westlichen Seite ausgeschrieben. Auf dem Mellert-Fibron-Areal würden bereits auf einem Teilbereich rund 25 Millionen Euro verbaut. Zudem sei der Vertrag mit dem Caritasverband Ettlingen „ausverhandelt“ und werde dort noch in den zuständigen Gremien behandelt. Damit, so Wolff, könnten Pflege- und Arbeitsplätze in Bretten gesichert werden. Die Kosten für die notwendige Lärmschutzwand werde man sich mit den Nutzern teilen.
Um einen weiteren Schritt zur Verkehrsentlastung in Bretten zu erreichen, solle in diesem Jahr ein Mobilitäts- beziehungsweise Verkehrskonzept erarbeitet werden, kündigte der OB an.
Daneben sei schnelles Internet ein wichtiger Standortfaktor. In fünf Stadtteilen werde derzeit Glasfaser verlegt; der Ausbau in der Kernstadt sei noch offen. Hier wollten knapp über 20 Prozent der Haushalte einen entsprechenden Anschluss, obwohl dieser quasi zum Nulltarif angeboten wurde. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass noch eine passable Quote erreicht wird“.

 

Schornsteinfeger der Region brachten das Glück in Form von Glücks-Cents in die Stadtparkhalle. | Foto: Rebel

Dass Bretten nicht nur eine „Kulturstadt“, sondern „inzwischen auch eine Baustadt“ ist, untermalte Wolff mit zahlreichen Fakten: Der Bau der Rechbergklinik gehe in die Endphase, im Brückle sei das neue Seniorenzentrum mit betreutem Wohnen und Pflegeheim entstanden, die Firma Harsch entwickle auf dem „Steinzeugpark“ ein neues Wohn- und Gewerbegebiet und die Erweiterung des Gewerbegebietes Gölshausen stehe kurz vor dem Abschluss.
Als eines der „dringendsten Themen der nächsten Zeit“ bezeichnete Wolff die Schaffung von Wohnraum, vor allem von bezahlbarem. Laut Statistischem Landesamt werde Bretten bis 2030 auf etwa 33 500 Einwohner anwachsen. „Wir werden weiter mit Hochdruck Wohnraum entwickeln“, sagte Wolff. „Innerorts und durch neue Baugebiete – auch in den Stadtteilen.“
In diesem Jahr werde wieder „ordentlich investiert“, zum Beispiel in die Sanierung des Gebäudes Melanchthonstraße 45 („Toter Gaul“), in Kindergärten und Schulen sowie beim Hochwasserschutz. Das Melanchthon-Gymnasium müsse generalsaniert werden, so Wolff weiter. Und es sei vorgesehen, endlich den Kreisel Weißhofer Straße/Breitenbachweg ordentlich herzustellen. Die Tatsache, dass überall gebaut und investiert werde, sei „mit ein Zeichen, dass Bretten optimistisch in die Zukunft blicken kann“, fasste das Stadtoberhaupt zusammen.

„Alle Menschen werden Brüder“

Hatte Wolff zu Beginn an den kürzlich verstorbenen Europa-Politiker Horst Seefeld erinnert, schloss der Empfang offiziell mit der europäischen Hymne, Schillers „Ode an die Freude“, von Beethoven genial vertont. „Alle Menschen werden Brüder“, hallte es lautstark in der Stadtparkhalle.

Zuvor hatten Schornsteinfeger der Region Glücks-Cents an die Besucher verteilt und die Sternsinger der Pfarrgemeinde St. Laurentius auf ihre Aktion gegen Kinderarbeit in Indien aufmerksam gemacht.

Die Sternsinger machten auf die diesjährige Aktion gegen Kinderarbeit in Indien aufmerksam. | Foto: Rebel

Die Leiterinnen Elisabeth Nowak und Martina Beisel wiesen darauf hin, dass in Indien bereits Kinder im Alter von vier, fünf Jahren zu Kinderarbeit genötigt würden. Die Aktion diene dazu, diesen Kindern Chancen zur Bildung zu ermöglichen, um aus dem Elend herauszukommen.