HIer gibt es Geld: Und hier scheint der Gauner tatsächlich reiche Beute machen zu können.
HIer gibt es Geld: Hier scheint der Gauner reiche Beute machen zu können. | Foto: Hora

Gaunerzinken

Zeichen aus vergangenen Zeiten

Anzeige

Es ist eine Jahrhunderte alte Methode, die vor einigen Tagen für Aufsehen in Malsch sorgte. Die Bewohner eines Hauses haben ein kleines Kreidezeichen – einen sogenannten Gaunerzinken – an ihrer Haustür entdeckt und daraufhin die Polizei informiert. Bereits zuvor hatten die Leute eine ältere, bettelnde Frau in ihrem Hof angetroffen und des Grundstücks verwiesen. Die Frau gesellte sich daraufhin zu einer auf der Straße wartenden Gruppe von Personen und verschwand.

Verdacht löst sich meist in Luft auf

Die Polizei warnte die Besitzer der benachbarten Häuser und untersuchte die Gebäude auf weitere Zeichen, geht derzeit aber offenkundig nicht von einer akuten Gefahr aus. „Ich wage zu bezweifeln, dass Diebesbanden in Zeiten moderner Kommunikationsmittel tatsächlich mithilfe von Gaunerzinken agieren“, sagt Polizeisprecher Ralf Minet. „Wenn das tatsächlich Methode wäre, hätten wir es wesentlich häufiger mit solchen Zeichen zu tun.“ Tatsächlich aber würde sich der Verdacht, dass es sich um Gaunerzinken handelt, in den meisten Fällen in Luft auflösen – geschweige denn ein Einbruch folgen. „Wir hatten zum Beispiel einen Fall, da hatte das Amt für Abfallwirtschaft Häuser markiert, die eine bestimmte Mülltonne bekommen sollten“, so Minet. Und oft sind es die Kreidekunstwerke von kleinen Kindern, die Skeptiker unruhig werden lassen. Wer einen vermeintlichen Zinken ausmacht, sollte ihn auf jeden Fall entfernen.

Jahrhundertealte Praxis

Gaunerzinken geraten immer wieder einmal in die Medien. Das Polizeipräsidium Offenburg beispielsweise hatte zuletzt Mitte Juli vor ihnen gewarnt. Bekannt sind die Zeichen aber bereits seit dem Mittelalter. Schon damals nutzten Verbrecher und Gauner, aber auch Bettler, Landstreicher und das fahrende Volk die Markierungen, um miteinander zu kommunizieren. In vielen Fällen gaben die Zinken – der Begriff selbst ist erst seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich – nur eine Entfernung an. Oder aber sie signalisierten dem Vorbeikommenden, ob es sich lohnte, bei den Bewohnern des markierten Hauses zu betteln oder gar einzubrechen.

An Hauswänden, Türen und Briefkästen

Gaunerzinken werden mit Kreide auf Hauswände, Türen, Briefkästen und Gullideckel gezeichnet oder geritzt. Im Laufe der Jahre haben sich manche Zeichen verändert, es sind neue hinzugekommen, andere sind verschwunden. Ein flacher Strich beispielsweise bedeutet, dass es nichts zu holen gibt, ein umgedrehtes T informiert darüber, dass das Haus von einer alleinstehenden Person bewohnt wird, und ein aufrechtes Kreuz rät dem Bettler: „Stell dich fromm.“