Achim ZImmerer (links), Bioland-Imker aus Bruchsal und Bretten, informierte BNN-Leserinnen und Leser der Rundschau über seinen Betrieb.
Achim ZImmerer (links), Bioland-Imker aus Bruchsal und Bretten, informierte BNN-Leserinnen und Leser der Rundschau über seinen Betrieb. | Foto: Safranek

Imker informiert BNN-Leser

Zu Besuch bei fleißigen Bienchen

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Welch Wunderwerke Bienenstöcke und ihre Leistung sind, zeigte sich bei der letzten BNN-Lesertour der Bruchsaler Rundschau für 2019. Bioland-Imker Achim Zimmerer nahm kein Blatt vor den Mund, als er die Abhängigkeit des Imkers vom Klima schilderte, die enorme Bedeutung von Streuobstwiesen sowie generell einer ökologischen Kreislaufwirtschaft.

Er begrüßte den Trend im Kaufverhalten, zunehmend auf regionale und ökologische Produkte zu setzen. Und er freue sich über jeden Landwirt, der beispielsweise auf Stilllegungsflächen auf zertifizierte Blühmischungen zurückgreife.

Eine Welt genau für mich

Im Oberen Pflüger in Bruchsal liegt ein Teil seines Bioland-Betriebs, an einem „großartigen Standort im Kraichgau“, der dank viel Wärme, Wasser und guter Böden beste Bedingungen biete. Jeder spürte, was Zimmerer so formulierte: „Das ist eine Welt genau für mich.“

Autarke Arbeitsteilung

Dank Erfahrungsschatzes von drei Jahrzehnten beantwortete der Profi vier Stunden lang – oft minutenlang rückwärts gehend, um die ihm folgenden 23 Gäste anzusehen – eloquent alle Fragen zum Familienbetrieb: vom Aufstellen der Bienenkästen, zur Arbeitsteilung der Tiere, die jedes Volk autark über Pheromone regelt, bis zur Ernte mit Entdeckeln der Waben und hin zum Schleudern und Abfüllen.

Bienenvölker und ihre Gewohnheiten waren Inhalt der Führung durch den Bioland-Betrieb Zimmerer in Bruchsal.
Bienenvölker und ihre Gewohnheiten waren Inhalt der Führung durch den Bioland-Betrieb Zimmerer in Bruchsal. | Foto: Safranek

Den Ursprung nahm sein Betrieb in Bretten-Neibsheim. Hier, wie in Flehingen hat er Bienenstandorte oder in Langenbrücken und an 15 anderen Orten. Auch geht Zimmerer zu geeigneter Blütezeit mit zig seiner Völker auf Wanderschaft – für Tannenhonig etwa nach Wolfach. „So ein Kasten kann, voll mit Honig, schon mal 70 Kilo wiegen“, sagte er. Mancher rechnete hoch, was da bei 300 Völkern an Gewichten zu stemmen ist.

Unersetzbare Bestäuber

„Von 20 frisch ausgebildeten Imkern im Land bleiben jährlich nur etwa zwei oder drei dabei“, sagt Zimmerer. Er gibt seine Arbeitszeit mit täglich um die 13 Stunden an – für die Umwelt unersetzbare Zeit: „Bienen sind nicht die einzigen, aber die leistungsfähigsten Bestäuber“, so der 53-Jährige. In einem Kasten leben im Sommer bis zu 35 000 Bienen. Sie sind blütenstetig, bleiben bei einer Pflanze, solange sie attraktiv blüht. Normalerweise fliegen sie bis zu eineinhalb Kilometer weit.

Zunächst werden die Waben in ihren Rahmen maschinell entdeckelt, erklärt Achim Zimmerer.
Zunächst werden die Waben in ihren Rahmen maschinell entdeckelt, erklärt Achim Zimmerer.

Sie erhalten im Kasten stets eine Temperatur von 35 Grad. „Dafür brauchen sie Kohlenhydrate“, so der Imker. Da er ihnen die eigenen mit dem Honig nehme, füttere er, vor allem in der winterlichen Produktionsruhe, mit Biolandzuckerwasser.

Mischblütenhonig fürs Immunsystem

Ein Bioland-Betrieb unterliegt vielen Vorgaben. „Billig-Sirup kann dazu führen, dass die Bienen es vor Saisonbeginn nicht aushalten und den Stock vollkoten.“ Bioland kontrolliert regelmäßig und unangekündigt -die Hygiene und mehr. So wird der Honig nach diesem Standard bei nur 35 Grad verarbeitet, um wertvolle, beispielsweise antibakterielle Inhaltsstoffe zu erhalten. Gesund ist auch einheimischer Mischblütenhonig bei regelmäßigem Verzehr, da er das Immunsystem sensibilisiere.

Rund 60 000 Gläser - meist zu je 500 Gramm - füllt die Imkerei jährlich ab. Die Vielfalt ist groß: Lavendel-, Tannen- oder Kraichgauhonig, Kirschblüten-, Kastanien- oder Akazienhonig und mehr durften die BNN-Leser probieren.
Rund 60 000 Gläser – meist zu je 500 Gramm – füllt die Imkerei jährlich ab. Die Vielfalt ist groß: Lavendel-, Tannen- oder Kraichgauhonig, Kirschblüten-, Kastanien- oder Akazienhonig und mehr durften die BNN-Leser probieren.

60 000 Gläser mit meist mit 500 Gramm vermarktet Achim Zimmerer jährlich, 90 Prozent über namhafte Supermärkte mit regionalem Angebot oder an Bio-Anbieter. Momentan füllt der Imker je Woche eine Tonne Honig ab. Die BNN-Leser probierten die Vielfalt fasziniert: Kraichgau- oder Tannenhonig, Lavendel-, Kastanien- oder Akazienhonig und mehr.

Mageres Jahr 2019 nach Kälte und Trockenheit

Aber: Das Wirtschaftsjahr 2019 sei nach dem starken 2018 „wirklich mager“ gewesen in Baden-Württemberg. Seine Ernte betrage heuer wohl acht Tonnen; 2018 waren es 25 Tonnen. Schuld war ein kalter Mai, sagt er. So blieb wenig Zeit in der Hochsaison, die Mitte Juni ihren Höhepunkt erreicht. Und die lange Trockenheit machte den Pflanzen zu schaffen: Sie kümmerten sich vorwiegend um den eigenen Erhalt und blühten darum weniger.

Samstags am Vormittag bietet die Imkerei im Lagerverkauf das eine oder andere Schnäppchen auf dem Hof in der Straße Oberer Pflüger 6 in Bruchsal.