Mit dem Tod auf du und du: Die Brettener Katharina Göring und Michael Jordan erleben in Mexiko den Tag der Toten.
Mit dem Tod auf du und du: Die Brettener Katharina Göring und Michael Jordan erleben in Mexiko den Tag der Toten. | Foto: Jordan

Kultur

Zwei Brettener feiern Tag der Toten in Mexiko – ausgelassene Stimmung auf dem Friedhof

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Die kolonialen, bunt gestrichenen Hauswände strahlen mit orangefarbenen Blüten um die Wette. Als Skelett geschminkte Frauen und Männer quetschen sich dicht an staunenden Touristen vorbei und von irgendwoher tönt Blasmusik, die ihren Takt noch nicht ganz gefunden hat. Katharina Göring und Michael Jordan aus Bretten sind mitten drin bei den Feierlichkeiten des „Día de los Muertos“ in der mexikanischen Stadt Oaxaca.

Von unserer Mitarbeiterin Claudia Jordan

Der „Día de los Muertos“ – also der Tag der Toten – fällt in Mexiko zwar auf das gleiche Datum und den gleichen christlichen Feiertag Allerseelen (2. November) wie in Deutschland, doch wird hier ganz anders gefeiert.

„Der Tod ist in Deutschland schwarz“, sagt der 28-jährige Brettener Michael Jordan, „hier ist er bunt.“ Die beiden Brettener Besucher schließen sich einer Parade aus Totenköpfen und Skeletten an und staunen: „So durch die bunt geschmückten Straßen zu wandern, fasziniert mich“, sagt Göring während sie an einem riesigen Altar vorbei ziehen und über ihnen Hunderte bunte Papierwimpel im Wind rascheln.

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Familien stellen bunte Haus-Altäre auf

In Mexiko wird am ersten und zweiten November gefeiert, denn die Mexikaner glauben, dass die Seelen ihrer Verstorbenen an diesen Tagen zurückkommen, um mit ihnen zusammen zu sein. Und weil im Land der Maya und Azteken die Familie das allerwichtigste ist, wird ordentlich aufgefahren.

Jede Familie stellt eine „ofrenda“ auf, einen Haus-Altar. Dieser wird bunt geschmückt mit Zucker-Totenköpfen, Gebäck und Fotos der Verstorbenen. Was auf dem Altar nicht fehlen darf, sind aber ihre Lieblingsspeisen und Getränke, schließlich sollen es sich die Seelen gut gehen lassen, wenn sie schon mal hier sind.

Bunte Altäre zu Ehren der Toten sind überall in Mexiko aufgestellt. Der Tag der Toten gilt als der wichtigste Feiertag im Land.
Bunte Altäre zu Ehren der Toten sind überall in Mexiko aufgestellt. Der Tag der Toten gilt als der wichtigste Feiertag im Land. | Foto: Jordan

In Mexiko wird das Leben gefeiert

Denn in Mexiko wird nicht der Tod gefeiert, sondern das Leben. Das Leben der Menschen, die hier ebenso schmerzlich vermisst werden. Der Tag der Toten gilt als der wichtigste Feiertag und als absolute Familienfeier, zu der alle kommen, eben auch die, die schon beerdigt wurden.

Besonders in Oaxaca, einem der traditionsbewusstesten Bundesstaaten Mexikos sind überall diese Altäre aufgestellt. Die Menschen öffnen ihre Häuser und heißen Gäste herzlich willkommen, ungewohnt für die beiden Brettener.

„Ich schäme mich fast ein bisschen in all die Innenhöfe zu spicken, um die Altäre zu bewundern. Das scheint ja doch ein sehr intimer Moment für die Familie zu sein“, gesteht Jordan, „es ist aber unglaublich wie gastfreundlich die Menschen hier sind und uns einladen. Sie wollen die Tradition und die Momente teilen.“

Brettenerin lässt sich als Skelett schminken

Eines fasziniert die 25-jährige Katharina Göring besonders: Überall laufen Frauen mit üppigem Blumenschmuck und als extravagant geschminktes Skelett herum. Sie sind sogenannte Catrinas. Heutzutage verkörpert sie die Einstellung der Mexikaner zum Tod: Sie setzten sich mit ihm auseinander, stellen sich ihm gegenüber und binden ihn einfach in ihr alltägliches Leben ein, so wie auch an diesen Feiertagen.

Göring traut sich und lässt sich so ein Catrina Make-Up von Jesús im Stadtpark ins Gesicht malen. Jesús macht das jedes Jahr und freut sich immer wieder auf diesen Tag: „Es macht mich stolz. Der Tag der Toten in Oaxaca ist etwas ganz besonderes,“ erzählt er. Er wird heute mit seiner Frau und seinen zwei Kindern feiern.

Als "Catrina" (Skelett) lässt sich Katharina im Stadtpark von Oaxaca bemalen
Als „Catrina“ (Skelett) lässt sich Katharina im Stadtpark von Oaxaca bemalen | Foto: Jordan

Familien gehen nachts auf den Friedhof

Für viele Familien geht es nachts noch auf den Friedhof. Dort sitzen sie dann im Kerzenschein an den Gräbern ihrer Angehörigen. Doch niemand weint, ganz im Gegenteil. Die Stimmung ist ausgelassen, mitten auf dem Friedhof spielt eine Blaskapelle und am Grab wird mit einem Gläschen Tequila angestoßen.

Auf den Friedhof schaffen es Göring und Jordan nicht, die beiden sind zu erschöpft von den vielen Eindrücken. Die mexikanische Einstellung zum Tod haben sie trotzdem eingesogen: „Ich finde, das ist eine wunderschöne Tradition, dass die Familien zusammensitzen, einander Geschichten erzählen. So werden die Menschen doch wieder lebendig“, sagt Göring.