Auch in den Gemeinden sind Musicals ein Hit: Die Turmbergschule in Weingarten führte das Musical "Leben im All" auf. | Foto: Marianne Lother

Musicals ziehen auch im Dorf

Zwei Jahre Arbeit bis zur Premiere

Zu sagen, dass der Musical-Boom ungebrochen ist, hieße Vampire ins Dorf tragen, was der Männergesangverein „Frohsinn“ Neudorf bekanntlich mit großem Erfolg bereits getan hat. Die Musicalwerkstatt Graben-Neudorf hat mit „Clever“ gerade erst das Karlsruher Tollhaus gefüllt. Aber Musical im Dorf ist überhaupt nichts Neues.

Förderung der Persönlichkeitsentwicklung

„Wir machen seit 30 Jahren Musicals“, sagt Peter Kurz, der mit seinen Lehrerkollegen an der Pestalozzischule Blankenloch, Birgit Wingert und Alexandra Holtermann, zuletzt im Dezember „Auf den Spuren des kleinen Prinzen“ auf die Bühne gebracht hat. Zweimal im Schuljahr werden die Werke aufgeführt: bei der Abschlussfeier und in der Adventsfeier. „Jedes Jahr nach den Weihnachtsferien beginnen wir mit der Arbeit“, erzählt Kurz. Beim einwöchigen Aufenthalt in der Jugendherberge erhalten die Inszenierungen den Feinschliff. „Die Kinder sind begeistert, weil sie vielseitig gefordert werden: singen, tanzen, schauspielern, das macht ihnen unheimlich Spaß und ist gut für die Persönlichkeitsentwicklung.“ Weil Kurz, der die Musik selbst komponiert hat, und Birgit Wingert (Schwerpunkt Choregrafie) dieses Jahr in den Ruhestand gehen, ist unklar, ob die Tradition fortgesetzt wird.

Musical mit dem Grundschulchor

„Wir führen seit gut zehn Jahren jährlich ein Musical mit dem Grundschulchor auf“, erzählt Karin Sebold, Leiterin der Turmbergschule in Weingarten. „Das sind etwa 70 Kinder, unsere Musiklehrerin Birgit König arbeitet eng mit den Eltern zusammen, die beim Schminken, dem Nähen der Kostüme und dem Kulissenbau helfen.“ Im vorigen Juli gab es (wie übrigens im gleichen Monat auch an der Schlossgartenschule Berghausen) Gerhard A. Meyers „Leben im All“. Von Montag bis Freitag gibt es Aufführungen für die anderen Klassen, Freitag- und Samstagabend finden die öffentlichen Vorstellungen statt. „Den Kindern macht das total Spaß, es motiviert sie enorm“, so Karin Sebold

 

Dieses Jahr pausieren wir

Ten Sing (Teenager singen) vom CVJM Berghausen hat nach einem ersten Einstieg Ende der 80er-Jahre seit 1999 jedes Jahr ein eigens komponiertes Musical einstudiert. „Dieses Jahr pausieren wir“, sagt Björn Grabenstätter, Vorstandsmitglied vom CVJM. „Seit acht Jahren waren wir mit unseren Musicals immer auf den Kirchentagen vertreten. In Spitzenzeiten waren es bis zu 60 Ten-Singer, zuletzt noch zehn. Wir haben mit den Musicals in Berghausen angefangen, die Schule hat nachgezogen. Je mehr dort gesungen haben, desto weniger kamen zu uns. Wie es weitergeht, muss man sehen.“

Nach „In 80 Tagen um die Welt“ kommt „Galaxy“

Der „Liederkranz“ Spöck arbeitet nach seinem Großprojekt „In 80 Tagen um die Welt“ vom März 2015 an einem weiteren Musical: Die Proben zu „Galaxy“ haben schon im Frühjahr 2016 begonnen, einen kleinen Vorgeschmack gab es im Herbstkonzert. Die Aufführung wird im März 2018 sein. Es wird wieder eine Gemeinschaftsproduktion des Rhythmuschors mit dem Jugendchor und der Band Topinambur. „Mit Ausnahme der Technik machen wir alles selbst“, sagt die Vereinsvorsitzende Gudrun Süß. Zu den wöchentlichen Proben kommen gesonderte Proben mit der Band, zwei Probenwochenenden, eines für das vorige Herbstkonzert, das zweite im November, und die Choreografie muss auch einstudiert werden. „Aber es macht einfach Spaß“, sagt Gudrun Süß.

Frühwerk von Musical-Komponist Webber

Ein Frühwerk von Andrew Lloyd Webber hat sich der Chor „Sing & Joy“ des Sängerbund Blankenloch ausgesucht. Im April 2018 will die Formation „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ aufführen. „Das Stück ist vom Thema her interessant“, berichtet Chorleiter Frank Bollheimer. Aber es sei auch ein „Mammutprojekt“. Am Premierentag liegen rund zwei Jahre Vorbereitung hinter den rund 35 Akteuren. „Wichtig, dass die Aufführung nicht nur konzertant ist, sondern auch mit Theaterelementen versehen wird“, sagt Bollheimer. Während ein traditioneller Chor einmal pro Woche zur Probe komme, seien es beim Musicalprojekt gleich zwei. Hinzu kommen Proben am Wochenende. „Die Begeisterung im Sängerbund ist unglaublich groß. “ Choreografie und Inszenierung übernimmt Bollheimers Frau, Nadine Koch-Bollheimer. Bis eine Szene sitzt, vergehen rund drei Wochen, aber die Abschnitte müssen immer wieder geprobt werden, damit sie in Fleisch und Blut übergehen. Für die Kostüme und das Bühnenbild sind die Akteure weitgehend selbst verantwortlich.