Überraschender Jubel: Dem 1. FC Bruchsal winkt der Aufstieg in die Fußball-Oberliga. | Foto: Kochanek

Verbandstag entscheidet

1. FC Bruchsal winkt überraschend der Oberliga-Aufstieg

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Eigentlich hatte der 1. FC Bruchsal nach der Corona-Unterbrechung und dem drohenden Saisonabbruch mit einem weiteren Jahr in der Fußball-Verbandsliga gerechnet und auch geplant. Nun dürfte doch alles anders kommen. Sollte die Runde am Samstag beim Verbandstag offiziell abgebrochen werden, dürfen die Barockstädter etwas überraschend doch aufsteigen.

Das Ziel war und ist die Oberliga. Nicht in diesem Jahr und vielleicht auch nicht im nächsten. Aber ab 2022 wollte der 1. FC Bruchsal schon gerne wieder im baden-württembergischen Fußball-Oberhaus spielen. So wie zuletzt in der Spielrunde 2013/14, als es nach gutem Start direkt wieder runter in die Verbandsliga ging. Dort spielte der Club seitdem – und er spielte in dieser Saison eine sehr gute Rolle.

Auf Platz zwei gingen die Bruchsaler im März in die Corona-Pause. Als feststand, dass es nicht mehr weitergeht und der Verband schnell die Devise vorgab, dass Teams auf den Relegationsplätzen nicht aufsteigen sollen, hatten sich die Vereins-Verantwortlichen eigentlich schon auf eine weitere Runde in der Verbandsliga eingestellt.

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Verband unterschiedet zwischen Relegation und Aufstiegsrunde

Eigentlich. Denn unbeachtet der Öffentlichkeit kam vor einigen Tagen Bewegung in die Sache – und der 1. FC Bruchsal plötzlich als künftiger Oberligist ins Gespräch. Sollten an diesem Samstag alle drei baden-württembergischen Verbände für einen Saisonabbruch votieren, wäre das auch ein Fakt. Wie der badische Fußballverband (bfv) am Montag erstmals in einer Pressemitteilung bekanntmachte, gibt es einen Unterschied zwischen Relegationsplätzen und den Teilnehmern „reiner“ Aufstiegsrunden. Eine solche hätten die Tabellenzweiten aus der badischen, südbadischen und württembergischen Verbandsliga nämlich gebildet, um einen Aufsteiger auszuspielen.

Da dies wegen Corona nicht möglich ist, entscheidet der Quotient aus erzielten Punkten und absolvierten Spielen. Und da liegen die Bruchsaler (43 Punkte aus 21 Spielen macht einen Quotienten von 2,05) klar vor dem Offenburger FV aus Südbaden (35 Punkte, 18 Spiele, Quotient: 1,94) und dem FSV Hollenbach aus Württemberg (36 Punkte, 19 Spiele, Quotient: 1,89).

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„Im Gegensatz zur Relegation ist bei Aufstiegsrunden ein Platz in der höherklassigen Liga reserviert. Damit besteht ein Aufstiegsrecht“, begründet bfv-Pressesprecherin Annette Kaul die Rechtslage. Gibt es am Samstag keine Überraschungen (die Tendenz geht in allen drei Landesteilen klar zum Abbruch), kehrt der 1. FC Bruchsal nach sechs Jahren also wieder in die Oberliga zurück.

In der Oberliga winken namhafte Gegner

Obwohl Sportvorstand Michael Grub die Hoffnung auf den Aufstieg zu keinem Zeitpunkt aufgegeben hatte, gab der Sportliche Leiter, Benjamin Schäfer, schon zu, nicht mehr unbedingt damit gerechnet zu haben. Nachträglich wurden noch die Unterlagen für die Lizenzierung eingereicht, am Spielerkader soll sich, trotz bereits einiger Neuzugänge, auch noch etwas tun – vorausgesetzt am Samstag geht nichts schief.

Auch wenn es letztlich doch ein wenig überraschend kommt, soll der mögliche Aufstieg die Leistung in dieser Saison nicht schmälern. „Wir hätten den Aufstieg nicht gestohlen, das wäre schon eine Belohnung für die gute Runde“, findet Schäfer. Der Vorsitzende Grub sieht den Verein sogar gut für ein weiteres Abenteuer Oberliga gerüstet, in der die Bruchsaler gegen namhafte und finanzkräftige Clubs wie die Stuttgarter Kickers, den SV Oberachern oder den FC Villingen klarer Außenseiter wären.

Mit einem Golf in der Formel 1

„Wir in der Oberliga – das ist wie mit einem getunten Golf in der Formel 1 zu fahren“, sagt Grub scherzhaft. Etwas Tuning am Kader wäre aber schon noch vonnöten, das hat Grub aus der letzten Oberliga-Episode gelernt, als das Aufgebot zu klein war und nach der überraschenden Tabellenführung nach dem siebten Spieltag am Ende doch noch der bittere Abstieg kam. Erschwerend käme in der kommenden Saison hinzu, dass die Oberliga auf 21 Mannschaften aufgebläht würde, was insgesamt 40 Partien für jedes Team bedeutet.

Ein breiter Kader wäre für Trainer Mirko Schneider also noch wichtiger als ohnehin schon. Neben Erich Strobel (ATSV Mutschelbach), Roman Hajeck (1. FC Birkenfeld), Mehmet Bozkurt (FV Hambrücken), Oliver Nell, Lukas Durst, Enis Karamanli und Mario Zelic (alle FC Heidelsheim) würden noch Spieler mit Oberliga-Erfahrung gebraucht, zumal auch einige Abgänge feststehen.

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Verein hat die Voraussetzungen geschaffen

„Der Aufstieg käme früher als erwartet, aber er käme nicht zu früh“, ist Michael Grub überzeugt.
Die Entwicklung im Verein war auf die Oberliga ausgerichtet. Man habe eine oberligataugliche Infrastruktur (das Stadion wurde vor kurzem aufgerüstet), ein oberligataugliches Trainerteam und bis zum ersten Spieltag der neuen Saison auch garantiert eine oberligataugliche Mannschaft. „Gehen Sie davon aus, dass wir nicht unvorbereitet ins Messer laufen“, so Grub.