Mit bunten Transparenten haben zwei Tage vor dem Aus des Meilers in Philippsburg Atomkraftgegner ein Abschaltfest gefeiert.
Mit bunten Transparenten haben zwei Tage vor dem Aus des Meilers in Philippsburg Atomkraftgegner ein Abschaltfest gefeiert. | Foto: mele

Abschaltfest der Aktivisten

180 Atomkraftgegner freuen sich auf das Aus in Philippsburg

Anzeige

180 Atomkraftgegner haben bei einem Abschaltfest am Sonntagnachmittag in Philippsburg das baldige Ende des Kraftwerks gefeiert. Neben Sylvia Kotting-Uhl von den Grünen begrüßten die Organisatoren der Karlsruher Anti-Atom-Initiative Gleichgesinnte aus Neckarwestheim, Obrigheim und dem pfälzischen Römerberg. Gefeiert wurde mit Sekt, Kaffee und Kuchen, bunten Fahnen und Luftballons.

Von unserer Mitarbeiterin Monika Eisele

„Über 30 Jahre haben wir für die Abschaltung gekämpft. In zwei Tagen ist es so weit“, sagte Harry Block vom BUND. Wie berichtet, soll der Meiler am 31. Dezember um 19 Uhr für immer vom Netz gehen.

Bereits Ende der 1960er Jahre habe das Atomzeitalter in Baden begonnen, als in Karlsruhe der erste Reaktor des Kernforschungszentrums in Betrieb genommen wurde, blickte Block zurück. Gefahren seien kleingeredet worden. Umweltschützer und Atomkraftgegner seien im besten Fall belächelt worden – bis Tschernobyl, erinnerte Block.

Mehr zum Thema: „Abschaltfest“ von Atomkraftgegnern in Philippsburg

Aber erst eine weitere Katastrophe, die in Fukushima 2011, habe die Abkehr von dieser Art der Energiegewinnung gebracht. Damit sei die Gefahr jedoch noch nicht vorüber, denn die sichere Verwahrung des Atommülls sei nicht geklärt. Und weltweit gebe es jede Menge an waffenfähigem Plutonium. Zudem werde bereits intensiv zu Thoriumreaktoren geforscht, warnt Block. „1985 ging der erste Castor-Transport nach Gorleben und er startete in Philippsburg“, sagte Matthias Mauser von der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe. Im kommenden Jahr werden erneut zahlreiche Atommüll-Transporte von der Wiederaufbereitung in La Hague und Sellafield in die Zwischenlager Philippsburg, Biblis, Isar und Brokdorf durchs Land rollen. „Unser Widerstand ist weiterhin nötig“, gab Mauser den Teilnehmern mit auf den Heimweg.

70 Befürworter üben Kritik

Das sahen die rund 70 Teilnehmer der zweiten Demonstration des Tages eine halbe Stunde später ganz anders. Mitglieder des Vereins Nuklearia aus Dortmund und ein Bus mit polnischen Aktivisten der Organisation Fota-4-Climate machten sich für die Fortsetzung der Atomstromproduktion stark.

„Wenn wir wirklich mit einer Klimakatastrophe rechnen, dann ist das, was hier gerade passiert, ein Klimaverbrechen“, sagte Simeon Preuß von Nuklearia. Drei Mitglieder hatten sich in ein Eisbär-Kostüm gesteckt und machten so auf die schmelzenden Polargletscher aufmerksam.

Mehr zum Thema: Das Atomkraftwerk Philippsburg II wird abgeschaltet – aber wie geht das?

Im Gegensatz zur Stromgewinnung aus Braunkohle sei die Kernenergie eine nachhaltige, umweltfreundliche und zukunftsweisende Energiequelle, so Preuß.

„Fahrradfahren, Energiesparen, Tempolimit – alles schön und gut, aber leider nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn wir wirklich große Mengen Kohlendioxid einsparen wollen, dann müssen wir den Atomausstieg rückgängig machen“, sagte Preuß. Ursula Kuczynska, Mitglied bei Fota-4-Climate, war mit ihrer Gruppe neun Stunden von Polen unterwegs gewesen. „Wir beobachten die Entwicklung in Deutschland mit Zweifeln“, sagte sie. Die Energie in Polen stamme hauptsächlich von fossilen Brennstoffen und sei damit klimaschädlich. Für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und ihre Zukunft seien größere Energiemengen nötig, und dafür benötige man Atomstrom, so Kuczynska.

Auch interessant: So überlebt die heimische Tierwelt den Winter