Bei der Demonstration gegen den geplanten Windpark im Lußhardtwald informierte Versammlungsleiter Weinlein aus St. Leon-Rot die 400 Teilnehmer über die Bedenken der Bürgerinitiative Gegenwind. | Foto: Steinmann-Pflücker

Waghäusel-Kirrlach

400 Menschen demonstrieren friedlich gegen Kronauer Windpark

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Rund 400 Menschen haben am Samstag in Waghäusel-Kirrlach friedlich gegen den geplanten Windpark bei Kronau demonstriert. Von „Monstern“ so groß wie der Kölner Dom war die Rede. Gegen die Windkraft allgemein habe man nichts – am geplanten Standort wehe aber nicht genug Wind.

Von unserer Mitarbeiterin Petra Steinmann-Plücker

Professionell hergestellte Transparente und handbemalte Schilder verkündeten, warum sich am Samstagnachmittag Hunderte Menschen vor dem Alten Rathaus im Waghäusler Stadtteil Kirrlach versammelt hatten: „Stop den Windräder-Wahn“, „Rettet unseren Lebensraum Wald“ oder „Keine Windkraftanlagen im Lußhardtwald“ war zu lesen.

Versammlungsleiter Albert Weinlein begrüßte bei der Kundgebung im Namen der Ortsgruppen St. Leon-Rot, Kronau und Bad Schönborn der Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Lußhardt die „Mitstreiter im Kampf gegen unsinnige Windkraftanlagen“.

Wir sind absolut nicht gegen Windkraft, aber solche Monster sollen bitte dahin, wo kein Wald und keine Wohnbesiedlung ist und wo nicht die Tierwelt extrem drunter leidet.

Demonstrationsleiter Albert Weinlein

Mit Buhrufen und lautem Trillerpfeifen reagierten die Anwesenden auf die Aufzählung der, wie er es nannte, „harten Fakten“. So vergleicht er die Propellerspitze von 238,5 Metern der zehn geplanten Windräder – die Nabenhöhe liegt bei 164 Meter – mit der des Kölner Doms. Er misst 156 Meter. „Wie Monster, wie Giganten“ stünden die Windkrafträder in der Landschaft und überragten „zu neun Zehntel“ den Wald.

Windschwache Region

Außerdem sei es unbegreiflich, warum ein Investor Millionen Euro in die Hand nehme, um Windkraftanlagen ausgerechnet dort zu bauen, „wo eigentlich kein Wind weht“. Hinzu kämen die Tatsachen, dass 10,8 Hektar Wald abgeholzt werden sollen, dass im Bereich St. Leon-Rot die Anlage im Wasserschutzgebiet gebaut werden soll sowie die gesundheitsschädlichen Lärmbelastungen durch Infraschall.

Die CDU soll ihr Veto einlegen und zeigen, dass das Land nicht von den Grünen geführt wird.

FDP-Bundestagsabgeordneter Christian Jung

„Wir sind absolut nicht gegen Windkraft“, betonte Weinlein, „aber solche Monster sollen bitte dahin, wo kein Wald und keine Wohnbesiedlung ist und wo nicht die Tierwelt extrem drunter leidet“, zumal laut Windatlas hier die zweitschwächste Windregion Baden-Württembergs sei. Mit einem Pfeifkonzert kommentierten die Demonstranten die „durchgesickerten Hintergrundinfos“ von Weinlein, der berichtete, die „grüne Landesregierung“ habe die Firma Wirsol „dazu animiert“, den Windpark zu projektieren, in dem sie ihr „die Waldfläche für einen Appel und ein Ei in Aussicht gestellt“ habe.

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Wurde Wirsol verkauft?

500 Meter Wegstrecke waren auf der Waghäuseler Straße abgesperrt worden, auf der, wie die Polizei mitteilte, rund 400 Menschen „friedlich und ohne besondere Vorkommnisse“ für ihr Anliegen marschierten. Vor der Abschlusskundgebung wurde der Versammlungsleiter von einem Teilnehmer nach der Informationsquelle seiner eingangs wiederholten Aussagen, Dietmar Hopp und die Familie Wirth seien als Investoren bei der Wirsol-Mutter Wircon ausgestiegen und Wirsol selbst an einen französischen Konzern verkauft worden, gefragt. Schließlich habe die Bruchsaler Rundschau in der Samstagsausgabe geschrieben, der Wirsol Geschäftsführer Simon Schunter habe genau das dementiert.

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Weinlein führte an, er wisse aus sicherer Quelle, dass Hopp selbst sich bei der Gemeindeverwaltung St. Leon-Rot mit der Information gemeldet habe und das Rathaus Waghäusel habe bestätigt, dass Wirsol von einem französisches Unternehmen übernommen werde. Möglicherweise sei die Übernahme noch nicht rechtskräftig, weshalb auch die Aussage von Schunter nicht falsch sein müsse.

Die Landesregierung hat es in der Hand, das Projekt hier und jetzt zu beenden.

Christian Jung

Am Marsch hatte auch Christian Jung, Bundestagsabgeordneter der FDP, teilgenommen. Er ergriff am Ende das Wort per Megafon. Er betonte, dass die Landesregierung es in der Hand habe, das Projekt „hier und jetzt zu verhindern“. Die CDU solle ihr Veto einlegen und zeigen, „dass das Land nicht von den Grünen geführt wird“. Er bestätigte die Demonstranten in ihrem Tun, das zeige, „dass Demokratie lebt“.

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